Freitag, 23. Juni 2017

Schaffen wir 'psychisch krank' doch einfach ab

Viele sprechen, ohne viel darüber nachzudenken, über psychisch erkrankte Menschen oder sogar über psychische Kranke. Aber muss das sein? Sicher, es gibt Menschen, die befinden sich in seelischen Ausnahmesituationen, aber ist es richtig diese als krank zu bezeichnen? Wann ist ein Mensch psychisch krank? Wenn er im Wahnzustand ist? Wenn er Dinge sieht oder hört, die andere nicht sehen oder hören können? Wenn er Stimmen hört?

Die Definition von psychischer Erkrankung, dass der Mensch aufgrund seiner psychischen Verfassung einen erkennbaren Leidenszustand haben und in seiner Alltagskompetenz wesentlich gestört sein muss, scheint auf den ersten Blick ganz brauchbar, vermeidet sie es doch, dass der betroffene Menschen nicht nach seinen Gedanken und Wahrnehmungen beurteilt wird, sondern nur nach seinen Äußerungen und seinem Verhalten. Aber auch hier ergeben sich Widersprüche. Wer definiert eine funktionierende Alltagskompetenz und ist Leiden nicht eine sehr subjektive Wahrnehmung? Letztendlich scheinen wir akzeptieren zu müssen, dass Psychiater, Richter und Polizisten sowie die Gesellschaft definieren, was psychisch krank ist. 

Daraus resultiert auch die Fragwürdigkeit des Begriffs psychisch krank. Es ist eine Zuschreibung, die automatisch stigmatisiert. Um den provozierenden Titel diese Textes etwas abzuschwächen, kann ich Ihnen versichern, dass ich den Begriff psychisch krank nicht abschaffen will. Denn wenn wir das täten, dann müssten wir die gesamt Psychiatrie revolutionieren. Denn wie käme ein psychisch erkrankter Mensch zu seiner medizinischen Unterstützung, wenn er gar nicht als krank bezeichnet werden kann? Wie würde das Abrechnungsverfahren gegenüber den Krankenkassen aussehen? Oder was machen wir mit Menschen, die sich eben psychisch krank fühlen und nichts anderes.. Ehrlich gesagt fehlt es mir da an Fantasie, wie dann die zugehörigen psychiatrischen Hilfen aussehen müssten.

Aber könnten wir nicht zumindest sensibler mit der Bezeichnung psychisch krank umgehen und sie vermeiden wo es geht? Schnell ist von veränderungsresistenten Profis gesagt, ich habe keine bessere Bezeichnung - aber es gibt sehr wohl bessere, weniger stigmatisierende.

Bezeichnen wir solche Menschen doch einfach als Menschen mit seelischen Besonderheiten, oder vielleicht Menschen mit Erfahrungen mit seelischen Krisen oder Menschen mit seelischen Erschütterungen oder psychiatrieerfahrene Menschen, wenn sie in psychiatrischer Behandlung sind oder waren - und damit ist auch die ambulante Psychiatrie gemeint. Ich persönlich finde den Begriff seelische Behinderung durchaus angemessen, wenn wir ihn so verstehen, dass Menschen nicht seelisch behindert sind, sondern von spezifischen Barrieren behindert werden. Leider ist das Wort Behinderung auch negativ belegt, so dass sich viele Menschen mit psychischen Besonderheiten dagegen wehren.

Mir geht es schon seit langem so, immer wenn ich von psychisch krank spreche, spüre ich Widerspruch in mir, den auch ich leider immer wieder ignoriere und der Einfachheit halber von psychisch krank schreibe oder rede. Versuchen wir uns doch zu disziplinieren und versuchen die Bezeichnung psychisch krank zu vermeiden, wo es geht, auch wenn es sich manchmal ungewohnt anfühlt. Denn es ist nicht egal, wie wir etwas nennen, denn durch den Namen nimmt ein Ding Gestalt an und nicht umsonst wirkt unser eigener Name so existentiell.

Mein Appell: Schaffen sie in Ihrem Sprachgebrauch die Worte psychisch krank ab wo immer es geht. Sie werden sehen, auf die Dauer werden Sie einen anderen Blick auf Menschen mit seelischen Besonderheiten oder in seelischen Ausnahmesituationen gewinnen. Davon bin ich überzeugt.


Übrigens: diese Gedankengänge sind nicht neu und vielen Menschen sind sie schon seit langem vertraut. Aber vielen eben auch noch nicht. Deshalb lohnt es sich, immer wieder darüber zu sprechen oder zu schreiben.

Sonntag, 18. Juni 2017

3-Sätze-Lyrik

Bedarfslyrik für alle
..................................

1. Lyrik verfassen
2. Zeit und Freude für sich selbst finden
3. Der Prozess ist der Gewinn

---> 3-Sätze-Lyrik

...........................
Bedarfslyrik: Verdichtetes bei Bedarf

Sommerfrieden auf dem Balkon

Ein frischer warmer Wind kühlt meinen schweren Kopf
Die Markise schütz mich vor der strahlenden Sonne
Vögel zwitschern
Die Blätter der Bäume rauschen
Sonntag, früher Nachmittag, Sommer
Kurze Hose, T-Shirt
Eine kalte Cola Light steht neben mir auf dem Tisch
Einzelne Mücken summen in meiner Nähe
Nur ein Zug in der Ferne kurz hörbar
Sonst kaum Verkehrslärm

Keine Schwere
Keine Unzufriedenheit
Ruhe
Die Gedanken fließen friedlich
Suchen zwanglos nach Worten
Die Brust ist leicht
Flüchtiger Augenblick
Die Zeit steht still

Kein Druck zum Finden
Kein strenger Ruf des Tuns

Doch schon flüstert eine Stimme drohend
Wie lange noch?

Samstag, 17. Juni 2017

Pro und Contra WhatsApp

Pro WhatsApp
- ich kann in Beziehung treten, wann immer ich will, auch wenn direkt niemand antwortet.
- der einzelne Gedanke gewinnt Bedeutung, weil das Schreiben deren Anzahl begrenzt
- ich kann lesen, welche Informationen bis jetzt ausgetauscht wurden - Schutz vor dem Vergessen.
- ich kann mit mehreren Menschen gleichzeitig einzeln kommunizieren.
- es ist möglich, sich frei zu entscheiden, wann kommuniziert wird.
- es kann schnell ohne große Verzögerung kommuniziert werden.
- man sieht, ob die Nachricht gelesen wurde.
- man kann Fotos und Videos austauschen.
- manchen Menschen fällt es leichter, sich schriftlich auszutauschen. Sie haben zum Beispiel das Gefühl besser verstanden zu werden.
- die Qualität des Austausches erhöht sich, da vor einer Äußerung in der Regel mehr nachgedacht wird, dadurch kann der Austausch auch an Tiefe gewinnen.

Contra WhatsApp
- es handelt sich um ein informationell eingeschränkter Austausch. Nur der Kommunikationskanal Schreiben-Lesen wird genutzt. Hören, Sehen, Riechen, Berühren sind nicht möglich, höchstens durch übermittelte Sprach-, Bild- oder Videonachrichten sowie Emojs.
- es entsteht eine virtuelle Persönlichkeit des Kommunikationspartners, die sich von der wirklichen Persönlichkeit stark unterscheiden kann.
- es wird weniger telefoniert.

Alexandra, Birgit, Rainer

Stillstand statt Entwicklung

So viele Ideen, um Dinge zu ändern. Selbstmitgefühl, Lebensfreudekurs, Big Five For Live und andere Vorsätze. Und was wird draus? Ich lebe weiter wie zuvor. Nichts wirklich Neues. Keine Inspiration für einen Text, keine Energie zum Selbststudium. Kurzes Aufwachen durch das Projekt SeelenChat. Aber schon wieder zurück in der Lethargie des Nichtstun.

Seit Jahren dieselben Kämpfe, seit Jahren derselbe Stillstand. Bei mir ist Entwicklung ein sehr zäher Prozess, der für mich unmerklich fortschreitet.

WhatsApp als neue Heimat für meine Unruhe. Nur Zeitvertreib oder wirklich eine sinnvolle Sache? Kaum ein Moment ohne Smartphone in der Hand. Alles andere wird bedeutungslos. Wieder eine Phase, wieder ein Strohfeuer?

Dienstag, 13. Juni 2017

SeelenChat ist gestartet

Vor 2 Tagen habe ich nun den SeelenChat gegründet. Ein WhatsApp-Chat mit mir, den ich kostenlos anbiete. Dazu habe ich die Website www.seelenchat.de und die Facebookseite SeelenChat@Hoeflacher erstellt. Bisher haben sich 3 Personen gemeldet. Eine Bekannte aus Ulm, ein Heilpraktiker, der als Partner einsteigen will und eine Angehörige. Meine Befürchtung, dass ich mit vielen Nachrichten überbelastet werde, hat sich bis jetzt nicht bewahrheitet. Es geht doch ganz langsam los.

Bisher macht es mir großen Spaß WhatsApp zu schreiben. Ich weiß nicht, ob das bloßer Zeitvertreib oder vielleicht doch eine sinnvolle Beschäftigung ist. Auf jeden Fall habe ich den Eindruck, dass sich auch durch wenige Sätze - im Vergleich zum Gespräch - eine doch sehr persönliche Beziehung aufbauen lässt.

Warten wir's ab....

Sonntag, 28. Mai 2017

Zum Thema Tagesstruktur

Alle sprechen von der Wichtigkeit der Tagesstruktur für den Menschen. Auch bei psychisch erkrankten Menschen sei es von hoher Bedeutung, dass der Tag nicht nach Belieben verbracht werden soll. Alle bemühen das Wort Tagesstruktur, aber wie ist diese definiert? Wann besteht eine Tagesstruktur und wann nicht? Bei Menschen, die keiner regelmäßigen Beschäftigung nachgehen ist das gar nicht so leicht zu sagen. Wenn ich morgens um 6:30 Uhr aufstehe, um um 8 Uhr in der Werkstatt für behinderte Menschen zu sein, dann gibt es da gar nichts zu diskutieren. Wenn ich jeden Montag, Mittwoch und Freitag zum Mittagessen in die Tagesstätte gehe, dann sind das regelmäßige Termine, die meinen Tag strukturieren. Und tatsächlich trägt das wesentlich dazu bei, dass sich meine psychische Befindlichkeit verbessert. Also ist alles ganz einfach. Ich nehme mir jeden Tag vor aus dem Haus zu gehen, organisiere mir verbindliche Termine außer Haus und ich habe meinen Tag strukturiert. Aber oft funktioniert das eben nicht. Es fällt mir gar nicht so leicht mich aufzuraffen die Wohnung zu verlassen. Dagegen spricht eine Trägheit und Lustlosigkeit, die kaum zu überwinden ist oder/und die Symptome meiner psychischen Erkrankung verhindern das Rausgehen und Aktivitäten ganz allgemein.

Einer meiner Freunde kann aufgrund seiner Angstzustände nur in Ausnahmefällen ins Freie gehen. Nun hat er das Glück, dass er sich für digitale Bildverarbeitung interessiert. Aus diesem Hobby hat er eine Arbeit gemacht. Er sitzt jeden morgen zu einer bestimmten Uhrzeit an den PC und lernt Methoden und Verfahren der Bildverarbeitung bis abends. Dies ist eine Tagesstruktur, die sich in der eigenen Wohnung vollzieht. Ich bewundere diesen Freund. Woher nimmt er diese Disziplin? Woher nimmt er diese Begeisterung für seine Arbeit, dass er über Jahre hinweg sich seine Motivation erhalten konnte?

Aus meinen schwierigsten Lebenszeiten kenne ich das auch. Ich hatte jahrelang keine Arbeit, hatte schwere Depressionen und wußte nicht, was ich mit meiner vielen Zeit anfangen sollte. Ich ging regelmäßig in die Tagesstätte des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Somit hatte ich einen Grund mich außerhalb der Wohnung aufzuhalten. Aber der Tag ist lang. Das genügte mir nicht. Was tun?

Ich kultivierte meine Neigung zum Schreiben. Ich setzte mich fast jeden Tag für mindestens ein halbe Stunde an den PC und schrieb. Einfach meine Reflexionen festzuhalten, Jammerlyrik zu verfassen, wie ich die Gedichte selbstironisch nannte, war ein Ausweg für mich, der Bedeutungslosigkeit meiner langen Stunden zu entfliehen. Und das Eigenartige war, dass ich mir über dieses Schreiben eine Art Identität schaffen konnte. In dieser Zeit fühlte ich mich, wie ein Schriftsteller, ein Dichter, obwohl meine Texte alles andere als hohe Qualität hatten. Die Frage, was bin ich, konnte ich somit beantworten. Eine große Hilfe für mich am Leben zu bleiben.

Es stellt sich mir die Frage, ob ein Aspekt der Tagesstruktur die Regelmäßigkeit ist. Aber ich selbst bin ein Gegenbeispiel. Sicher habe ich auch Termine die regelmäßig statt finden. Einmal im Monat eine Vorstandssitzung freitags, zweimal im Monat die Selbsthilfegruppe auch freitags oder jeden Mittwoch meine Bürozeit für meinen Minijob. Aber das genügt nicht die vielen Stunden eines Lebens zu füllen. Der Großteil meiner Termine ergibt sich von Mal zu Mal im Rahmen meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Selbsthilfe Psychiatrieerfahrener.

Tagesstruktur ist für mich eine Folge von zeitlich definierten und abgegrenzten Aktivitäten, die dem Betroffenen das Gefühl geben im Tun zu sein. Im optimalen Fall handelt es sich um wiederkehrende Aktivitäten außerhalb der Wohnung. Weiter verstärkend wirkt die Regelmäßigkeit.

Es gibt also folgende Bewertungskriterien einer Tagesstruktur:

1. zeitlich grob definiert und/oder abgegrenzt (hinreichende Bedingung)
2. regelmäßig (hinreichende Bedingung)
3. außerhalb der Wohnung (hinreichende Bedingung)
4. subjektiv als bewusste Aktivität empfunden (notwendige Bedingung)
5. wiederkehrend (notwendige Bedingung)

Besonders wichtig ist der Aspekt der Wiederholung. Eine einmalige Aktivität tut mir gut und könnte als einmalige Strukturierung des Tages angesehen werden, aber dies führt den Begriff Tagesstruktur ins Absurde und macht ihn überflüssig. Deswegen sehe ich die Wiederholung der Aktivität als notwendige Bedingung für das Vorliegen einer Tagesstruktur.

Ebenso sehe ich die Notwendigkeit, dass der Betroffene das Gefühl haben muss aktiv zu sein. Es gibt nur wenige Zustände, die unter keinen Umständen als Aktivität empfunden werden können. Darunter verstehe ich das Schlafen oder das Ausruhen. Allerdings kann ein täglich durchgeführter Mittagsschlaf tagesstrukturierend wirken. Selbst das Nachdenken über ein gewisses Thema kann als Aktivität bezeichnet werden. Zur Tagesstruktur wird es, wenn es wiederkehrend, zeitlich abgegrenzt und bewusst durchgeführt wird.

Für die Lebensqualität kann ausschlaggebend sein, dass ich mir auch regelmäßig Zeiten einplane, die ich bewusst nur mir selbst widme. Zeiten in denen ich strukturiert über mich, mein Verhalten und meinen Platz in der Gesellschaft nachdenke.

Bisher habe ich von Aktivitäten geschrieben, ohne diese zu bewerten. Ich möchte abschließend darauf hinweisen, dass es von Bedeutung ist, wie der Betroffene die Aktivität emotional erlebt. Es ist ein Unterschied, ob ich meine Aktivitäten mit Freude tue oder ich nur weiß, dass es mir ohne sie noch viel schlechter ginge.

Den meisten Menschen geht es ohne Tagesstruktur schlecht, aber eine Tagesstruktur, die einen mit Freude erfüllt ist optimal. Leider wird dies bei psychisch belasteten Menschen oft durch deren Leiden erschwert.

Samstag, 27. Mai 2017

Du lebst

Du bist allein. Spotify präsentiert dir Alexandras Lieblingsmusik. Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu. Ohne große Events. Trotzdem Wechselbäder, wie so oft. Die Höhen deiner sprachlichen Fantasien wechselten mit lustloser Schwere. Nun das Resümee eines weiteren Samstags, der dich 24 Stunden kostete. Entwicklung, Stillstand oder Rückschritt. Ist da was, was bleibt? Dein demenzartiges Gedächtnis wird den Tag schrumpfen lassen. Er wird tausenden anderen folgen, die sich auflösten. Vielleicht wird er versinken in den Weiten deines Unbewussten, vielleicht wird er wie ungelebt verschwinden.

Du greifst an dein Herz. Du lebst.

Deine Nahrung sind die Daten deiner schwindenden Erinnerungen. Aber du lebst. Jetzt. Die Gegenwart. Absolute Null zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Deine Brust hebt und senkt sich. Das ist es was wirklich zählt.

Noch.

Alle Lust will Ewigkeit

Die Welt ist in deinem Kopf. An einem ruhigen Samstagnachmittag kann dein Geist explodieren. Ohne Alkohol, ohne Drogen, alleine. Die Wirklichkeit kann sich mit Farben füllen in einem abgedunkelten Zimmer. Nur das Display deines Tablets leuchtet dir entgegen. Laute Rockmusik aus deinem Kopfhörer begleitet deinen Ausflug in die Höhen der Emotionen. Du brauchst gerade kein Gespräch mit Gott, um im Fließen zu sein. Kraft deines Willens hebst du ab. Keine Ziele, keine Ablenkung, keine Psychologie. Du spürst die Kraft des Universums. Du strebst den höchsten Höhen entgegen. Allein durch die Macht des Wortes. Flucht? Vielleicht. Aber das schmälert nicht die Macht des Moments. Dein Atem geht ruhig, aber dein Herz will springen. Deine Fantasie als Mittel zum Glück. Deine Sprache als Himmelsleiter. Von Oben schaust du herab und verstehst nicht mehr die Wehen des Alltags. Depression und Angst treiben tief unten von dir unberührt ihr Unwesen. Das Ende aller Sehnsucht. Das Ende allen Begehrens. Unvollstellbare Kraft bricht in dir auf. Bricht durch die Zeit. Füllt den Raum. Überflutet dich von Innen. Ein Ausflug ins Paradies des reinen Ursprungs. Nichts hält, nichts bremst, nur dein Körper verhindert deine Auflösung. Auf den Wogen der Euphorie treibst du der Erfüllung entgegen.

Alle Lust will Ewigkeit.

Neue Wege aus der Depression?

Du bist mit guter Laune aufgewacht und aufgestanden. Hast viel Whatsapp geschrieben. Deine Serie auf DVD geschaut. Hast dir Cordon Bleu mit Pommes gemacht. Hast dich am Tag und an dir erfreut. Und dann?
Jetzt wäre es an der Zeit, unter die Dusche zu gehen. Raus zu gehen und das schöne Wetter nutzen.
Aber es gelingt dir nicht. Deine Stimmung sinkt, dein Herz wird schwerer und du fragst dich lustlos, was tun.
Wie gehst du mit dieser Situation um? Fühlst du dich wie immer schlecht, weil du Zeit vergeutest, weil du nicht Herr deiner Handlungen bist, weil du sowieso nicht ganz normal bist? Oder versuchst du neue Wege zu gehen?
Sag dir doch, dass es ok ist, wie es gerade ist. Dass du auch NICHTS tun darfst, ohne dass es dir schlecht gehen muss. Schreib doch auf, wie es dir gerade geht. Verarbeite es so und gehe freundlich mit dir um.
Draußen scheint die Sonne und du liegst im abgedunkeltem Zimmer. Na und? Sicher würde es dir gut tun, jetzt einen Spaziergang zu machen, aber deine Unlust ist eben größer. Du könntest Musik höten, lesen, telefonieren, aber genaugenommen willst du das nicht wirklich, sonst würdest du es tun. Dein Geist verlangt das, was du gerade tust. Nämlich deine Gedanken in deinem Blog aufschreiben.
Mag dich deswegen trotzdem. Es wird so nicht tagelang gehen. Schon heute Abend wirst du mit Alexandra und Lothar das DFB Pokalfinale anschauen.
Willst du jetzt in Depression verfallen oder die Gegenwart so akzeptieren, wie sie eben nun mal gerade ist? Wenn du traurig und schwermütig bist, dann hat das auch seinen Sinn, seine Berechtigung.
Deine Bequemlichkeit jetzt ist ein Teil von dir, der angenommen werden will.
Übe dich in diesem Denken. Vielleicht überwindest du deine Selbstanklagen und dein Selbstmitleid.