Mittwoch, 19. April 2017

Heile Welt

Eigentlich unglaublich

Hier Folter, Brutalität, Mord
Menschenhandel
Frauen werden gequält und vergewaltigt
Kinder dazu gezwungen ihre Eltern zu töten
Unvorstellbare Grausamkeiten

Die Guten sind kaum geschützt

Hier die heile Welt der kleinen Rädchen
Ein schöner Urlaub
Dicke Bäucher
Schöne Musik, schöne Bilder
Kleine luxuriöse Fluchten

Aufrichtig herzliche Begegnungen
Der irre Wunsch anständig zu bleiben
Das unerklärliche Festhalten an der Moral
In Wahrheit nur Ausdruck von Angst?

Unvorstellbarer Reichtum
Unter sich
Unvorstellbare Armut
Unter sich

Nur die Machtlosen können sich die Liebe leisten
Solange sie die Mächtigen gewähren lassen

Volle Tische, volle Bäuche
Nebenan
Hunger, Durst und Krankheit
Nachbarschaft heißt Stacheldraht
Und schnell Rechtfertigungen parat
Oder Rückzug in die Gleichgültigkeit

Die Gnade der glücklichen Geburt
Sensible Menschen verzweifeln
Geben lieber ihr Leben auf
Als Teil dieses Wahnsinns zu bleiben

Eigentlich unglaublich

Donauschifffahrt 3. Tag

Lesen. Schreiben. Musikhören. Seit 4 Uhr. Heute geht es nach Budapest. Der Tag beginnt in guter Laune, wenn auch wieder mal mit Schlafdefizit. Dann um 7 an die Bar. Kaffeetrinken, Nachzügler-Postkarten schreiben. Die Donau vorbeifließen lassen. Mal sehen was heute der Tag so bringt. Karin schläft noch. Wir treffen uns 8:30 Uhr zum Frühstück. Würde gerne schlaue Sachen schreiben. Leider ist mein Kopf leer.

Donauschifffahrt 2. Tag

Es ist schon sehr edel auf diesem Schiff.
Leider fühle ich mich nicht so sehr fit. Ich bin total verschleimt in der Nase und vor allem meine Bronchitis macht mir Probleme. Manchmal geht es, aber manchmal rasselt meine Lunge total und ich muss heftig husten. Dazu kommt, dass ich immer wieder sehr erschöpft bin. Heute nach dem Frühstück musste ich mich unbedingt nochmal hinlegen und ich habe glaube ich sogar geschlafen.

Trotz stürmischen Regens sind wir mit der Straßenbahn in die Innenstadt von Wien gefahren. Immerhin ein kleiner Eindruck.

Dann wieder auf dem Schiff bei üppiger Völlerei - all inklusive. Postkartenschreiben an der Bar. Champignonsleague am Abend. Die Highlights sind Frühstück, Mittagessen und Abendessen - wie in der Psychiatrie. Kein Biking. Keine Stadtrundfahrt.

Was soll die Selbstanklage? Genieße dein Sosein. Bereuen ist sinnlos. Getan ist getan. Nicht getan ist nicht getan. Was soll die Selbstquälerei?

Wie war das? Schluss mit der defizitären Sicht! Neue Wege gehen hin zur Zufriedenheit. Schwierig Jahrzehnte aufzugeben. Der Verzicht auf Klagen hinterlässt ein Vakuum.

Dienstag, 18. April 2017

Donauschifffahrt 1. Tag

Relativ problemlos sind wir um 5 aufgestanden. Wir haben beide relativ zügig unsere restlichen Sachen zusammengepackt und waren 6:30 Uhr am Bahnhof Teningen. Der Zug kam pünktlich und alles schien seinen guten Gang zu gehen.
Als dann allerdings die Nachricht kam, dass unser Anschlusszug 40 Minuten Verspätung hat, kamen wir kurz in Panik, weil wir nicht wußten was die beste Alternativverbindung ist. Wir standen schon auf dem Bahnsteig, als wir doch wieder in den Zug stiegen und nach Offenburg weiterfuhren. Dort hatten wir 1 h Aufenthalt. Jetzt sitzen wir im IC nach Nürnberg und sind wieder ruhiger. Wenn wir unseren Anschluss bekommen, sind wir immer noch rechtzeitig in Passau.
Zuerst wurde ich ziemlich müde und konnte kaum die Augen offen halten. Jetzt bin ich fit und Karin schläft. Typisch antizyklisch - wie so oft.

Montag, 17. April 2017

Mit Lungenrasseln und Hysterie zur Donauschifffahrt

Ich hatte mir ja vorgenommen nicht mehr zu klagen und liebevoll mit mir selbst umzugehen. Trotzdem liegt mir daran, es mitzuteilen, wenn es mir schlecht geht. Also versuche ich einen Mittelweg und versuche möglichst sachlich zu bleiben und nicht pathetisch meinen Zustand zu überzeichnen:

Mir geht's schlecht. Seit etlichen Tagen habe ich es auf der Lunge. In den letzten 2 Tagen ist es schlimmer geworden. Inzwischen rasselt meine Lunge bei jedem Atemzug, den ich tiefer mache. Wenn ich beschäftigt bin, atme ich flach und es fällt mir kaum auf. Wenn ich aber tief atme oder im Bett liegt wird es fast zu einem Röcheln. Das führt dazu, dass ich Angst bekomme und eine Art Hysterie bei mir ausbricht. Und zu guter Letzt verreisen Karin und ich morgen.

Wir machen unseren bisher größten Urlaub. Wir fahren mit dem Zug nach Passau und von da über Wien nach Bratislava und weiter nach Budapest - und dann wieder zurück. Meine unbewussten Ängst vor dieser Reise kommen noch erschwerend dazu. Es ist bei mir immer schon so, dass ich große Ereignisse im Vorfeld nicht verarbeite und sie ohne spürbare Angst auf mich zukommen lassen. Dann aber plötzlich wenn sie da sind, dann wehrt sich meine Seele und ich werde psychisch - und jetzt auch noch körperlich - krank.

Nicht umsonst bin ich vor dem Abitur psychotisch geworden und auch zweimal vor der Abschlussprüfung zum staatliche geprüften Informatiker. Ich habe mich bisher gedanklich auch noch kaum mit unserer großen Reise auseinandergesetzt.

Diese Art und Weise, wie ich mit Life Events umgehe ist schädlich und ich muss da was ändern. Aber heute ist es zu spät. Heute muss ich erst einmal mit den Auswirkungen klar kommen.

Ich bin vorher verzweifelt in der Wohnung auf uns ab gerannt und wusste mir nicht mehr zu helfen. Dann hatte ich die Idee Karins Freundin, die auch Karin heißt anzurufen. Die will mir ihr selbst gemachtes pflanzliches Antibiotika geben. Zuerst hatte ich Bedenken, aber dann habe ich mich entschlossen um 14 Uhr zu ihr zu fahren und mich von ihr behandeln zu lassen. Und endlich habe ich es dann auch geschafft zu duschen und mich zu richten. Auch das hat etwas beruhigt. Aber vor allem das Schreiben jetzt lenkt mich gut ab und ich kann ruhig bleiben.

Es war auch sträflich, dass ich jetzt den 3. Tag in der Wohnung bin. Außer einem Gang an die Mülltonne, war ich überhaupt nicht draußen und habe die Stunden in unserer dunklen Wohnung verbracht. Auch das hat dazu geführt, dass ich mich in alles immer mehr hineingesteigert habe und sogar überlegt habe in die Notfallambulanz des Kreiskrankenhauses zu gehen. Allerdings habe ich mich jetzt für Karin B. entschieden. Ich möchte den Urlaub morgen auf keinen Fall gefährden.

Ich hatte dann vorsorglich auch eine Tavor genommen, was eher dazu geführt hat, dass sich wieder eine nervöser Zustand angemeldet hat - auch eine Problem unter dem ich jetzt schon seit einem Jahr leide. Ein Zustand der mich stark bis komplett blockiert und den ich als sehr quälend empfinde. Gott sei Dank ist es heute nicht zum Endstadium gekommen, da ich mich ablenken konnte.

Spirituell gesehen, könnte es sein, dass sich alles in mir gegen die Entwicklung wehrt, die sich seit längerer Zeit abzeichnet. Immer wieder werde ich damit konfrontiert, dass ich meine Leben ändern will. Das begann mit meiner Kündigung vom Landesverband Psychiatrieerfahrener BW, mit dem ich viel vertrautes und lieb gewonnenes hinter mir lassen musste. Der Streit mit Gabriele hatte solche Ausmaße angenommen, dass ich mich zurückziehen musste. Seitdem bin ich auf der Suche nach eine beruflichen Heimat.

Aber parallel dazu habe ich immer mehr hinterfragt, was für mich wirklich wesentlich ist und inwiefern ich mich als Person weiterentwickelt habe, trotz aller Erfolge, die ich erreicht hatte. Denn bis 2015 war ich derselbe, wie ich 1999 mit meinem Engagement begonnen hatte. Vielleicht nicht mehr so ganz ehrgeizig und vorsichtiger geworden, was meine Risikobereitschaft anbelangt - und auch mit weniger Energie ausgestattet, aber meine Lebensenergie und meinen Lebenssinn bezog ich nach wie vor über meine Arbeit für andere Psychiatrieerfahrene, auch wenn ich nicht direkt als Genesungsbegleiter arbeite.

Noch etwas absurder gedacht, könnte das Böse versuchen zu verhindert, dass ich weiter auf dem guten Weg vorankomme. Es werden mir Knüppel in den Weg gelegt an denen ich scheitern soll. Nicht nur Krankheit, sondern auch Zweifel und Depressionen.

Aber ich will diesen Weg weitergehen, auch wenn ich manchmal beinahe nicht mehr weiter weiß, vor Missempfindungen. Irgendwann kommt wieder eine bessere Stunde und ich kann stolz darauf sein, dass ich die Leiden durchgestanden habe, um nicht zuletzt wieder einen Schritt weiter gemacht zu haben. Hin zu meinem Ziel mit mir selbst ins Reine zu kommen und der Liebesfähigkeit für mich und die Anderen näher gekommen zu sein. Und das ist es, auf was es ankommt.

Stationen der Arbeit


  1. Schule (1968-1982)
  2. Ausbildung (1982-1988)
  3. Normales Berufsleben (1988-1992)
  4. Rehabilitationszentrum Rudolf-Sophien-Stift (1994-1995)
  5. IPE Stuttgart (1999-2011)
  6. Beschwerdestelle Psychiatrie Stuttgart (1999-2005)
  7. Offene Herberge (2000-2011)
  8. Landesverband Psychiatrieerfahrener BW (2002-2015)
  9. EX-IN (2008-heute)
  10. Selbsthilfe mit Köpfchen (2012-heute)
  11. Außerstationäre Krisenbegleitung (ASK) (2012-2016)
  12. Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg (2015-2016)
  13. EX-IN Baden-Württemberg (2016-heute)
  14. Sozialpsychiatrischer Dienst Freiburg (2016-heute)
  15. Bundesnetzwerk Selbsthilfe sselische Gesundheit (NetzG) (2016-2017)
Minijobs
Wein-Handelsagentur Holzwarth (1997, 4 Monate)
1. Landespsychiatrietag (2006, 6 Monate)
Landesverband Psychiatrie-Erfahrener BW (2010, 5 Jahre)
Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg (2015, 1 Jahr)
Sozialpsychiatrischer Dienst Freiburg (2016, bis heute)

Die 5 Phasen meines Lebens


  1. Normale Kindheit und Jugend (bis 1981)
  2. Leidenszeit (bis 1999)
  3. Zeit des Engagements (bis 2009)
  4. Ehe: Endlich dich gefunden, Karin (2009 bis heute)
    a) Machtkampf (bis 2011)
    b) Wende und Genießen (von 2011 bis 2017)
    c) Liebe UND Freundschaft (ab 2017)
  5. Auf der Suche nach mir selbst (ab 2017)

Sonntag, 16. April 2017

Kontakt. Danke dafür.

Schaue einen Film mit jenseitigem Inhalt an. Plötzlich erlebe ich das typische Frösteln und weiß, ich habe Kontakt. Ihr seid da. Ich gebt mir Botschaften und Hilfestellungen. Beantwortet mir meine Fragen. Nicht aus der Ferne, sondern ganz nah. Ich bitte euch, bleibt bei mir. Geht nicht wieder weg. Es ist so schön, wenn ihr mir nahe seid. Aber ich weiß, der Zustand wird nicht lange dauern. Ihr werdet mich wieder verlassen, nachdem ihr mir einen weiteren Schritt gezeigt habt. Und ich werde die Begegnung, wie die vielen anderen, bald wieder vergessen haben. Aber mein Bewusstsein vergisst sie nicht. Ich bin so froh, dass es euch gibt und dass ihr mir auch im Alltag zur Seite steht, wenn ich es will, wenn ich es brauche. Kommt ihr von außen oder von innen aus meinem Herzen? Seid ihr von mir selbst gemacht oder existiert ihr irgendwo wirklich? Aber ist das so wichtig? Ihr seid da, das ist wichtig. Danke für eure Hilfe!

Eigene Sinnsprüche


  1. Wer nie für etwas gebrennt hat, ist zu bedauern.
  2. Strebe nicht, sondern sei.
  3. Fäuste zu Händen. Steine zu Herzen.

Recovery - kurz und bündig

Seit etlichen Jahren begegne ich immer wieder dem Begriff Recovery. Habe sogar etwas darüber gelesen, was ja untypisch für mich ist. Was ist das also, dieses Recovery? 

«Recovery ist ein zutiefst persönlicher, einzigartiger Veränderungsprozess der Haltung, Werte, Gefühle, Ziele, Fertigkeiten und Rollen. Es ist ein Weg, um trotz der durch die psychische Krankheit verursachten Einschränkungen ein befriedigendes, hoffnungsvolles und konstruktives Leben zu leben. Recovery beinhaltet die Entwicklung eines neuen Sinns und einer neuen Aufgabe im Leben, während man gleichzeitig über die katastrophalen Auswirkungen von psychischer Krankheit hinauswächst.»
William Anthony (1993)

«Der Begriff „Recovery“ lässt sich hier in etwa mit „Genesung“, „Wiedererstarken“ oder „Gesundung“ übersetzen. Bei diesem sehr individuellen Prozess verändern sich die eigenen Vorstellungen, Haltungen, Emotionen und Lebensziele. Jeder Mensch mit einer psychischen Belastung hat unabhängig von deren Schwere die Chance auf ein gutes und zufriedenes Leben, selbst wenn manche Symptome andauern sollten. Der Erhalt von Hoffnung und Sinn ist dabei besonders wirksam. Alle Menschen mit Erfahrungen mit schweren seelischen Erschütterungen haben grundsätzlich das Potential zur Genesung. Diese Erfahrungen sind ein Schatz, den es zu würdigen gilt.»
Rainer Höflacher (2017)

Hatte im Netz nach der Definition von Recovery von Anthony gesucht und bin auf dieses Buch gestoßen, dass sogar komplett digital vorliegt. Also wer wissen möchte, was Recovery ist, der schaue mal den Link Pflege in der Psychiatrie - Recovery an. Wer das liest, der weiß theoretisch was Recovery ist.

Aber was habe ich aus eigener Erfahrung zu Recovery zu sagen? Eigentlich nur, dass die Beschäftigung damit mir sehr geholfen hat hoffnungsvoll und zuversichtlich zu bleiben oder wieder zu werden, wenn ich mal wieder schlecht drauf war. Ich kann Recovery nur formelhaft beschreiben, was ich im Folgenden versuchen will:
  • Hoffnung und Sinn sind zu erhalten. Ohne sie ist die Bewältigung psychischer Probleme schwierig.
  • Es kommt nicht darauf an symptomfrei zu werden, sondern ein gutes Leben zu führen, trotz anhaltender Symptome.
  • Nicht die Behandlung ist das Entscheidende, sondern die Befindlichkeit.
  • Recovery ist eine innere Haltung und kann nicht verordnet werden. 
  • Recovery ist ein lebenslanger Prozess, der auch Stillstand und Rückschritt beinhaltet. Aber wer nicht aufgibt, kann meines Erachtens sicher sein, dass es auf Dauer aufwärts geht.
  • Jeder Recoveryweg ist einzigartig. Es gibt nur Leitregeln dafür. Wie diese umgesetzt werden bleibt jedem selbst überlassen. Jeder muss seine eigenen Lebensprioritäten setzen.
  • Recovery wurde von Betroffenen für Betroffene gemacht. Auch deswegen ist es überzeugend.
Soviel aus meiner Sicht zum Thema Recovery