Freitag, 30. Dezember 2016

Vorsatz 2017: Sein lassen

Mich annehmen so wie ich bin
Mit meiner unterdrückten Wut
Mit Genervtsein und schlechter Laune
Mit Lustlosigkeit und Depression
Mit meiner Unsicherheit und Sprachlosigkeit in Gesellschaft
Mit meiner Bequemlichkeit
Mit meiner Unselbstständigkeit

Ich bin gut, weil ich so bin, wie ich bin

Ich werde 2017 nicht leichter leben
Aber ich kann lernen es sein zu lassen

Ich kann lernen gnädig zu mir zu sein
Trotz Leiden

Dienstag, 27. Dezember 2016

Für Karin

Danke für alles, was du für mich getan hast und tust.
Dein offenes Ohr
Dein Verständnis
Deine Bereitschaft mir Dinge abzunehmen
Danke für deine Liebe

Ich wünsche mir, dass auch ich
Dich stärke
Dir gut tue
Dich glücklich machen kann

Werde mich weiter bemühen
So gut ich kann

Dich lieben
So gut ich kann

Sei anderen Stütze und keine Last

Warum an der Schwäche festhalten? Warum immer wieder klagen? Warum nicht männlich weich sein, statt kindlich klein?
Immer wieder bin ich gefangen in meinen inneren Kämpfen und vermutlich wird das auch so bleiben, aber wie begegne ich Ihnen? Ich suche mir Menschen, die Verständnis haben, die mir ihr Ohr schenken, die mir Mut machen wollen. Entschuldigen tue ich das damit, dass ich ein moderner Mann bin, der Schwäche und Fehler zeigen kann. Aber bin ich das wirklich? Ist diese Weichheit nicht nur versteckte Mutlosigkeit? Ist sie nicht nur eine Verschleierung unreifer Angst? Es kann gut so sein.

Aber, wenn es so wäre, was wäre die Konsequenz? Habe ich mit 55 Jahren noch die Möglichkeit solche tief sitzenden Strukturen zu ändern? Trotz innerer Zerrissenheit eine innere Stärke des Umgangs damit zu finden? So, dass ich mich nicht klein machen muss?

Fragen über Fragen. Eine schlechte Art des Philosophierens nur Fragen ohne Antworten in den Raum zu stellen. Also, was sind die Antworten?

Die erste Antwort heißt Mut ein Ziel zu definieren, ohne es gleich wieder einzuschränken mit "das kann ich sowieso nicht". Die zweite Antwort heißt Selbstdisziplin. Wenn mir das genannte Thema wichtig ist, dann habe ich die Pflicht vor mir selbst an diesem Thema dran zu bleiben, durchzuhalten und es nicht wieder gleich zu vergessen oder umzuschmeissen, wenn es schwierig wird.

Was wären also, die Vorgaben, die mir meine innere Instanz macht:

Rainer, du wirst deine inneren Kämpfe nicht verlieren. Es werden wieder Zeiten kommen, wo du unter Schwermut, Lustlosigkeit und Langeweile zu leiden hast. Wo die Leere jede Freude, jedes Interesse, jede Aktivität unmöglich macht. Dann lass es zu. Deine Erfahrung zeigt doch, dass es inzwischen wenig braucht, damit es dir wieder besser geht. Ein gutes Gespräch, eine erfolgreiche Arbeitsgruppe oder ein erfolgreicher Vortrag und das Leiden verschwindet.

Langfristig gesehen,  solltest du aus dir selbst heraus Lösungen finden, aber bis dahin musst du dich mit den Impulsen von außen begnügen.

Einfach nicht zufrieden geben mit dem Status Quo. Dran bleiben zu lernen, dich zu mögen. Nicht nur in starken und erfolgreichen Momenten, sondern gerade dann, wenn Zweifel und Depression nach dir greifen. Du bist ein wertvoller Mensch aus dir selbst heraus, mit all deinen Mängeln und Schwächen. Steh dazu und suche dir nicht jedesmal Menschen, denen du dein Leid klagen kannst. Sei dir selbst dein Helfer.

Werde selbstständig und autonom - und das bedeutet viel mehr als nur putzen und Wäsche waschen, das sind nur Symptome.

Unabhängigkeit zeigt sich vor allem darin, inwieweit ich es schaffe aus mir selbst heraus schlechte Gefühle auszuhalten und zu überwinden. Nicht, dass ich die Menschen nicht mehr brauche. Aber mein Bestreben muss es sein, andere Menschen zu unterstützen und nicht noch mehr zu belasten.

Du hast Gott, Jesus und den Heiligen Geist - das sollte genügen.

"Sei anderen eine Stütze und keine Last.
Gebe endlich das zurück, was du dein ganzes bisheriges Leben von anderen bekommen hast.
Kämpfe deine Kämpfe mit dir selbst und verteile nicht dein Leid auf fremde Schultern. Aber sei zugleich nicht zu hart zu dir, sondern habe Verständnis für dich."

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Rainer allein zuhaus - weihnachtlich?

Rainer allein zuhaus
Tipp: mache jeden Tag etwas, das du noch nie gemacht hast
YouTube auf den Fernseher gestreamt
Interview mit Erich From angeschaut
Jetzt geschmeidige Saxophonemusik über die Soundbar geschaltet.
Lichterbogen und Lichterkette angemacht
Eigene Atmosphäre erzeugt
Sicher: die Ausnahme erzeugt das Maximum an Reiz
Aber heute wird das Wohnzimmer zum kleinen Teil mein Wohnzimmer
Jetzt noch eine eiskalte Cola light

Und wo bleibt Weihnachten?
Heute ist der 22.12.16
Übermorgen ist Weihnachten
Kann ich Weihnachten herbeizwingen?
Wie kann mich die frohe Botschaft erreichen?
Ist sie das schon?
Ohne christlichen Gedanken
Ohne Beschwörung von Liebe und Christus
Einfach Ruhe
Einfach Frieden
Der Versuch dem latenten Kampf zu entgehen
Wissend um den Schmerz
Wissend um die verdrängte Wahrheit
Einfach sein
Keine Glücksgefühle und Euphorie
Friedlich ruhend in mir

Der Schlüssel dreht sich im Schloss
Programmwechsel
Nicht schlechter
Nur anders

Weihnachten zu zweit?

Sonntag, 18. Dezember 2016

Interessenvertreter gesucht

Warum gehen so wenige einen ähnlichen Weg wie ich? Es gibt so viele Psychiatrieerfahrene und so wenige sind bereit, sich dafür einzusetzen, dass die Behandlung und die Begleitung in der Psychiatrie besser wird. Ich meine dabei nicht die Psychiatrieerfahrenen, die psychisch erkrankte Menschen konkret unterstützen, sondern die, die die Verhältnisse ändern könnten.

Sicher es gibt Hindernisse, die erschweren die politische Arbeit. Es braucht einen langen Atem, es darf einem nichts ausmachen zu diskutieren, auch wenn es zu keinem merkbaren Ergebnis kommt. Es ist am Anfang nicht einfach, sich in der Fachwelt der Profis zurecht zu finden. Das beginnt mit der Sprache und endet bei den Abkürzungen.

Und dann vermutlich der wichtigste Grund: entweder man/frau ist finanziell unabhängig oder man/frau hat sich mit Grundsicherung, Hartz IV oder einer kleinen Rente abgefunden. Die Termine der Treffen sind in der Regel tagsüber und es ist für die Berufstätigen viel verlangt, ja teilweise nicht machbar, dass diese jedes Mal einen Urlaubstag opfern. Solange hier keine Lösung gefunden wird, bleibt die politische Arbeit nur wenigen, interessierten Psychiatrieerfahrenen vorbehalten.

Brief an Gott (Nr. 2): So hat uns Jesus nicht gelehrt.

Lieber Gott,

es ist Sonntag, eine Woche vor Weihnachten. Der Tag an dem du uns deinen Sohn geschickt hast. Er brauchte Neues in die Welt - eine Revolution. Die Schwachen wurden zu den Starken. Die Kranken das Interesse eines Glaubens. Das Gebot der Nächstenliebe kam in die Welt. Die Liebe stand nun im Mittelpunkt und nicht Macht, Reichtum und Erfolg. Die Bedeutung der irdischen Güter relativierte sich. Ein Leben in Liebe mit dir wurde der Sinn. Und dass unsere Körper den Tod besiegen könne. Eine Revolution.

Ach lieber Gott. Es gebe so viel zu Bedenken und zu erkunden: den Reichtum des eigenen Geistes, den Zweck der eigenen Existenz umzusetzen.

Und was tue ich? Mich der Schwere hingeben. Die freie Zeit beklagen.

Wie sagte Iris? Sie habe gelernt mit guten Gefühlen im Nichtstun zu verharren und einfach zu warten, bis neue Impulse entstehen. Sie ist Atheistin. Ich würde sagen, in guter Hoffnung warten, bis du dich mir wieder zuwendest. Bis du neue Kraft und neue Ideen wieder in mir erwachen lässt. Bis dahin ruhig und dankbar sein. Dass ich körperlich gesund bin. Dass ich eine Frau habe, die mich liebt. Dass ich Menschen habe, die mir gut tun. Aber ich hadere und beklage. So hat uns Jesus nicht gelehrt.

Ich will innerlich aufstehen. Ich will das Bunte in mir entdecken, das auch existiert, wenn von außen keine Anregungen kommen.

Bitte, lieber Gott, hilf mir dabei.

Weihnachten. Wie geht das?

Weihnachtszeit
Keinen Sinn fürs Nichtstun
Zweifel an meinem Fachwissen
Keine Lust zu lesen
Liege auf dem Sofa
Meine Gedanken kreisen
Was tun?
Keinen Antrieb
Leere im Kopf
Keine Kraft für
Ein Telefonat
Eine Verabredung
Ein Gespräch
Tick, tick, tick
Höre ich die Wohnzimmeruhr
Zäh schleppen sich die Sekunden voran
Wertvolle Lebenszeit vergeht
Wo ist meine Kreativität geblieben?
Mein Tatendrang?
Schwer und Leer
Und trüben Sinnes

Jammerlyrik
Wie in alten Zeiten

Mir gegenüber sitzt Karin
Liest
Zeitung, Werbeprospekte, Regenbogenpresse
Stundenlang
Jeden Abend
Wo nimmt sie diese Ausdauer her?
Das stetige Interesse?
Die Ruhe?

Weihnachten
Zeit der Besinnung
Zeit der inneren Einkehr
Aber wie geht das?

Freitag, 16. Dezember 2016

Alltagsgrau

Du nimmst dir mal die Zeit zum Nichtstun. Hörst die traurig-schöne Musik von Blackmore's Night. Und plötzlich drängt sich der Gedanke wieder auf. Ist das alles? Sicher, die Arbeit gibt dir vieles. Wie ist es zu bewerten, wenn deine Psychosen die Highlights deines Lebens sind; die einzigen Ausbrüche, die du dir gestattet hast. Ansonsten brav und geordnet durchs Leben gegangen. Aber da ist auch kein großer Drang das oder das zu tun. Gut in neblige Watte gepackt oder tatsächlich alle Bedürfnisse befriedigt? Da ist eine liebe Frau mit der du zusammen wohnst. Da ist deine Arbeit, die dich erfüllt und da sind ein paar Menschen, die dir nahe stehen. Also, was willst du überhaupt? Du bist ein undankbarer Mensch. Du denkst die Unzufriedenheit mit aller Gewalt herbei, damit du dich wieder an der Grenze spürst. Akzeptiere das Alltagsgrau und freue dich an den kleinen Dingen und du wirst Ruhe finden und dich nicht halbherzig nach dem Außergewöhnlichen sehnen.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Buch (wird fortgeschrieben)

Ich habe schon mehrfach damit begonnen ein Buch zu schreiben. Über 7-8 Seiten bin ich nie hinausgekommen. Um meine Geschichte aufzuschreiben habe ich ein zu schlechtes Gedächtnis und so spannend ist mein Leben auch wieder nicht. Also über meine Arbeit? Wo kenne ich mich denn so gut aus, dass es für ein ganzes Buch ausreichen würde. Würde es nicht nur eine Aufzählung von Vereinen und Ämtern werden? Und was für eine Botschaft habe ich? Was wollte ich mit einem Buch dem Leser vermitteln?

Dass das Leben schön ist? - wenn die Krise vorbei ist. Das Optimismus gesünder macht? - wenn man finanziell keine Nöte hat. Das Vertrauen die Grundlage aller Beziehungen ist? - wenn man das Glück hat ein gutes Elternhaus gehabt zu haben.

Ich hätte Lust, den Menschen Mut zu machen. Mein Leben ist schon ein Beweis dafür, dass alles gut werden kann - bis jetzt wenigstens. Dass man aus der Katastrophe, aus der psychischen Qual entkommen kann. Wenn man/frau Glück hat oder wenn man/frau das Richtige tut - oder wenn man/frau Gnade von Gott bekommt?

Zwischen amerikanischen "alles ist möglich" und europäischen "alles ist schlecht" liegt wohl die Wahrheit.

Ich war in einem tiefen Wahn gefangen - dauerte mit Unterbrechungen 4 Monate auf der Geschlossenen. 1981. Dann 4 Jahre in tiefer Depression - oder sagen wir mal, mir hats gerreicht. Schon das Heim besichtigt, weil alle die Hoffnung aufgegeben hatten - außer Mutter.

Und dann mit vielen Psychosen dazwischen, Schrittchen für Schrittchen, zurück ins Leben. Nicht geradlinig. Mit Rückfällen und Rückschritten. Aber im Rückblick doch zielorientiert und hartnäckig. Nie wirklich aufgegeben. Sicher hatte ich Glück, dass da immer Menschen waren, die zu mir gehalten haben, die mich unterstützten. Meine Elterm, meine Partnerinnen und mit Einschränkungen auch meine Freunde. War das Glück? Oder habe ich etwas dazu getan, dass ich Helfer hatte? Und da waren ja auch noch die professionellen Helfer. Dr. Klaus O., Dr. Susanne O. oder Dipl.-Psych. Jochen L..

Nach und nach wurde aus meiner Schizophrenie immer mehr eine bipolare Störung - mit einer Prise Schizophrenie, wie meine derzeitige Psychiaterin Frau Ronge so nett sagt.

Samstag, 10. Dezember 2016

Hallo du Verirrter und übrigens Frohe Weihnachten

Hallo Du, der gerade in meinem Blog liest,

ich freue mich, dass du dich hierher verirrt hast. Im Wesentlichen schreibe ich die Texte hier für mich, aber meine Freude über dein Hiersein zeigt, dass ich mir da vielleicht etwas vormache. Denn ich könnte das alles ja auch in mein Tagebuch schreiben. Aber auf jeden Fall werde ich den Blog weiter schreiben, auch wenn mir mal eine zeitlang nichts einfällt.

Ich weiß ja nicht, ob du unter den Texten etwas gefunden hast, was dir gefällt, aber schreib doch an hoeflacher61@gmail.com, wenn du mal Lust hast, dich mit mir persönlich auszutauschen. Freue mich über jeden neuen Kontakt, wenn er respektvoll ist.

Auf jeden Fall wünsche ich dir Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr 2017. Lass es dir gut gehen und feier schön. Vielleicht gelingt es dir sogar zu etwas Besinnung zu finden. Ob du dir aus dem christlichen Glauben etwas machst, weiß ich nicht, aber Weihnachten ist die optimale Zeit dafür Zugang (wieder) zu finden. Allerdings darfst du dich nicht von Industrie und Handel einfangen lassen und bei der Jagd nach dem größten und teuersten Geschenk mitmachen. Dann wird das zum Materiellen, was geistig und spirituell sein sollte. Vor allem im fortgeschrittenen Alter kommt es darauf an, was du dir beim Schenken gedacht hast und nicht, wie teuer das Geschenk ist. Aber das weißt du sicherlich alles selbst und ich sollte nicht so altklug daher schreiben.

Wünsch dir was und schau mal wieder vorbei.

Rainer

Dienstag, 29. November 2016

Das Jenseitige ruht in der Vergangenheit

Es ist halb eins. Habe auf dem Sofa geschlafen. Jetzt liege ich im Bett und höre traurige Lieder. Eine andere Welt deutet sich an, ohne dass ich wirklichen Eintritt hätte. Hinter einer nur ahnbaren Grenze ruhen die Erlebnisse meiner Vergangenheit. Sie locken und warnen zugleich. Erlebnisse die mein Leben prägten. Die mich anders machten und mich in großen Schmerz und Leiden brachten. Ich wurde an den Rand der Gesellschaft gedrängt und musste auf einen üblichen Lebenslauf verzichten.

Wie ich mich gerade auch anstrenge, der Zugang bleibt mir verschlossen - und das ist gut so. Ich habe mjch an das Alltagsgrau gewöhnt und meine Seele lockt mich nicht mehr in das Jenseitige.  Und diese.wenigen Momemte in denen ich dieses vermisse sind auszuhalten. Zu viel würde kch verlieren, wenn ich wieder eintauchen würde.

Deshalb ruht diese Vergangenheit gut in meinem Herzen und macht mich immer noch einwenig zu einem besonderem Menschen, aber ich brauche diese Besonderheit nicht mehr in der Gegenwart, um an Selbstwert zu gewinnen.

Ich brauche meine Frau, ich brauche meine Freunde und ich brauche meine Arbeit. Aber ich brauche keine Psychose mehr. Hoffentlich.

Samstag, 26. November 2016

Planen und Tun

Pläne schmieden gestaltet Zukunft
Ohne Tun bleibt diese Traum

Einen Tag Zeit im Hotel
Aber wie genutzt
Keine Lust mehr auf ehrgeizige Vorhaben
Die an der Wirklichkeit scheitern

Stolze Big Five For Live
Ohne konkrete, erreichbare, meßbare Ziele

1.Tiefe Beziehungen leben?
Was heißt das konkret?
Wie umsetzen?
Mehr Freunde ist nicht die Lösung
Aber wie zu mehr Tiefe kommen?
Ein Prozess mit mir alleine?
Oder mit Gegenüber?
Wer?
Bernhard J.?

2. Christlichen Glauben leben?
Mehr Bibel lesen gelingt mir nicht
Helma und die Zeugen sind zu fern
AG Religiösität/Spiritualität bei NetzG scheint eine Möglichkeit
Meßbar, konkret, erreichbar
Was antwortet Dr. Utsch?

3. Psychiatrieerfahrene (anders) stärken?
Gruppe mit Wohnungslosen gründen
Mittwochnachmittag in Freiburg
Androidlerngruppe Wohnungslose?
Meßbar, konkret, erreichbar

4. Firma gründen?
Nur in Variation zu erfüllen
Als EU-Rentner unmöglich
Alles hängt von Rainer S. ab
Wird er ein Gewerbe anmelden?
Kann ich "ehrenamtlicher Mitgründer" werden?
Geduld ist gefragt
Aber meßbar, konkret, erreichbar

5. Neues erleben?
Relativ
Morgens Brötchen holen für Karin
Oder Weltreise
Noch nie Getanes tun
Das genügt
Mikrotun oder Makrotun
Alles gilt
Kreativität ist gefragt

Wieder nur geplant?

Donnerstag, 24. November 2016

Persönliches zu Selbstbestimmung und Inklusion

Ich sage immer wieder zu meiner Frau, da wir beide nicht mehr im Berufsleben stehen und unser Auskommen großteils von der Rentenversicherung bekommen, sind wir vom Staat abhängig. Das hat den Nachteil, dass wir sehr zu meinem Bedauern nicht mehr aus eigener Kraft unseren Lebensunterhalt sichern können, aber hat auch den Vorteil, dass wir von keinen Arbeitgebern und Kollegen abhängig sind. Da ich schon sehr lange berentet bin und mich auch nicht von den Nachbarn abhängig gemacht habe, habe ich viel mehr unter meiner Selbststigmatisierung gelitten, als unter Stigmatisierung und Fremdbestimmung. Zumal ich mir als Freunde und Bekannte andere Psychiatrieerfahrene gesucht habe und dort auf viel Verständnis gestoßen bin. Ich musste mich so nie der Kritik der Normalbürger oder auch Stammtischparolen stellen. Ich sage manchmal von mir, dass ich ein Inklusionsversager bin, da ich inzwischen gar keinen großen Wert mehr darauf lege inmitten der Gesellschaft zu leben, meine psychiatrieerfahrene Kollegen und meine Arbeit geben mir alles was ich brauche - gelegentlich auch den Zweifel und die Trauer. Wenn ich einen anderen Psychiatrieerfahrene treffe, bin ich in kürzester Zeit in einer menschlichen Tiefe, wie ich bei den meisten nichtpsychiatrieerfahrenen Menschen erst nach langen "Vorbereitungsgesprächen" oder auch nie komme. Ich weiß, dass dadurch mein Horizont reduziert ist, aber es geht mir gut damit. Einer meiner Big Five For Life ist "Tiefe Beziehungen leben" und das gelingt mir eben eher mjt Psychiatrieerfahrenen. 

Aber jetzt bin ich ganz vom Thema Selbst- und Fremdbestimmung abgekommen, außer dass ich mich von der Euphorie um die Inklusion nicht fremdbestimmen lasse, wie auch von der zunehmenden Bedeutung des Selbstbestimmungsprinzips, selbst wenn diese wirklich gesellschaftlich für viele sicherlich erstrebenswert sind. 

Übrigens würde ich mich sicherlich sofort beklagen, wenn ich mein hohes Maß an persönlicher Freiheit verlieren würde. Ich war schon vom Elternhaus her, eher zu wenig eingeschränkt, was meiner persönlichen Entwicklung nicht immer gut getan hat - bis heute. 

Wer nie wirklich unter Fremdbestimmung gelitten hat, der verkennt vielleicht auch den hohen Wert der Selbstbestimmung. 

Herzliche Grüße aus Berlin

Mittwoch, 23. November 2016

Brief über Elternhaus und Empathiefähigkeit

Liebe/r FreundIn, 

danke für deine ausführlichen Zeilen. Ich bin von deinen Schilderungen sehr berührt. Es zeigt eben, dass wir ab einem bestimmten Alter alle auf eine lange Lebensstrecke zurückblicken können. Und bei uns Psychiatrieerfahrenen ist es oft ein Weg des Leidens und des Schmerzes. 

Manche von uns haben das Glück, die Persönlichkeit und/oder die Fähigkeiten und den Willen, diese Herausforderungen zu bestehen und gestärkt aus den schwierigen Zeiten hervorzugehen. Manchen gelingt es nicht. Die finden wir dann im schlimmsten Falle in den Heimen oder auf der Straße wieder - oft zerbochen, verbittert, mut- und hoffnungslos und in einem katastrophalen gesundheitlichen Zustand. 

Viel macht dabei unser Elternhaus aus. Ich weiß nicht, was du für Erfahrungen mit deinen Eltern gemacht hast, aber ich weiß, dass mich meine Eltern sehr geliebt haben und es ihnen immer ein Anliegen war, dass es mir gut geht. 

Gewiss, mein Vater war ein Alkoholiker, vor dessen agressiv-männlichen Ausstrahlung ich bis zu seinem Tode 1998 mit 71 Jahren Angst hatte. 

Gewiss meine Mutter war eine Frau, die mich aus welchen Gründen auch immer, nicht loslassen konnte und einen verwöhnten, unselbstständigen Mensch aus mir machte. Sie war 2x in der Psychiatrie wegen Depressionen, hat einen Suizidversuch hinter sich und starb im August 2013. Sie musste viel leiden in ihrem Leben - an sich selbst und unter meinem Vater. Ihr Leben begann quasi mit dem Tod meines Vaters. Ich vermute, du weißt, was ich meine. 

Aber beide waren tolle Menschen und eben in ihren Grenzen gefangen. Sie haben mir einen Optimismus und Lebenswillen mitgegeben, die mich gerettet haben. Sie haben mich nie klein gemacht und gedemütigt, wie es so viele von uns auszuhalten haben. Und sie haben mir alle Werte mitgegeben, die wichtig für ein ordentliches Leben sind. Ich sage trotz allem, ich hatte ein gutes Elternhaus. 

Gerade hatte ich ein interessantes Erlebnis mit Georg Schulte-Kemna, ehemals Leiter der Sozialpsychiatrie der Bruderhausdiakonie in Reutlingen hier. 

Ich hatte ja meinen Text "Wege zur Interessenvertretung Psychiatrieerfahrener im Gemeindepsychiatrischen Verbund" unserer AG Partizipation Baden-Württemberg vorgelegt und um Rückmeldung gebeten. Er sagte dann, dass in meinem Text der Aspekt der Unzufriedenheit mit den Verhältnissen und der zugehörige Leidensdruck fehle, um Veränderungen zu erreichen. Mir ist mit dieser Kritik klar geworden, dass mir meine Motivation für mein Engagement tatsächlich nicht aus dieser Quelle gespeist wird, sondern ich einfach den Wunsch habe die Psychiatrie für uns Psychiatrieerfahrene besser zu machen. Sicher ich sehe schon immer wieder die Mängel, aber eigentlich bin ich nicht wirklich empört über die Zustände. Mag das an fehlender Empathie oder sogar an einer gewissen Gleichgültigkeit liegen, aber es ist so. 

Ich arbeite schon seit Jahrzehnten an mir empathischer zu werden und habe die Erfahrung machen müssen, dass Erfolge da sehr schwer zu erreichen sind. Es ist für mich ein sehr hoher Wert mitfühlend und zugewandt zu sein. Und es macht mich immer wieder traurig, dass mir das für mich nur unzureichend gelingt. Sicher, ich habe mit Verhaltensweisen angewöhnt, die meine Unberührtheit kaschieren. Aber mein Herz wünscht sich mehr. 

So, jetzt schließe ich diese Mail und habe ein komisches Gefühl wegen meiner Offenheit. Trotzdem überlege ich, ob ich sie auf meinen Blog stellen soll. Kannst ja mal auf www.gblog.hoeflacher.info schauen, wenn's dich interessiert. 

Lass es dir gut gehen und pass auf dich auf. 

Herzliche Grüße 

Rainer 

Sonntag, 20. November 2016

Brief an Gott (Nr. 1): Du bist - basta.

Lieber Gott,

heute schreibe ich dir also meinen ersten Brief. Gerade ist Karin in der Versammlung und ich habe mir vorgenommen, diese Zeit dir zu widmen und dir zu schreiben.

Mir geht's zur Zeit sehr gut. Meine Arbeit macht mir Freude und in der Ehe mit Karin gibt es auch keine existenziellen Probleme.

Sicher ist es ungut, dass inzwischen Karin den ganzen Haushalt macht und sie hat sich deswegen auch schon zu Recht beklagt. Ich sollte mich wirklich bemühen diesen Zustand zu ändern. Ich könnte gut auch die Wäsche übernehmen. Aber warum schreibe ich da im Konjunktiv? Ich werde mehr im Haushalt machen und ich werde in Zukunft die Wäsche machen, sind doch die richtigen Formulierungen, oder was meinst du, lieber Gott?

Der Haushalt, wie die Körperpflege, sind Lebensthemen für mich. Wird es mit jemals gelingen, hier nachhaltige Veränderungen zu erreichen? Wenn ein wirklicher Wille da ist, dann müsste das doch zu schaffen sein. Ich bin einfach saumäßig bequem und gewohnt, dass mir der Haushalt gemacht wird. Auch meinem Körper gegenüber bin ich nachlässig, was sich irgendwann mal bitter rächen wird. Oder soll ich es aufgeben und es einfach so akzeptieren wie es ist, nach 55 Jahren? Damit will ich mich dann eben auch nicht zufrieden geben, weil es meinen inneren Werten widerspricht.

Aber zurück zu dir, lieber Gott.

Geht es dir auch gut? Geht es Gott eigentlich immer gut? Bestimmt nicht. Du bist sicherlich auch nicht glücklich über die Menschen. Wie sie sich gegenseitig bekämpfen, foltern, quälen und ermorden. Zudem zerstören sie ihre eigenen Lebensgrundlagen und verändern die Natur so, dass sie nicht mehr so ist, wie du sie ursprünglich für uns gemacht hast.

Na ja, du hast dir das mit dem freien Willen selbst ausgesucht und das hast du jetzt davon.

Aber irgendwann willst du Jesus ja wieder zu uns schicken und dafür sorgen, dass es uns dann gut geht. Vermutlich werde ich das nicht mehr erleben, aber keiner weiß ja, wann es soweit ist. Ehrlich gesagt kann ich es mir auch nicht vorstellen, wie es ist, wenn dann auf einmal Engel auftauchen oder die apokalyptischen Reiter. Vielleicht darf man deine Bibel auch wirklich nicht wörtlich nehmen, wie es die meisten Theologen heute machen. Aber sowie man interpretiert, gibt es eben auch zahlreiche Arten der Interpretation. Manchmal bis zu Beliebigkeit, wie es mir manchmal erscheint.

Richtig ernsthaft gefragt, ob es dich eigentlich gibt, habe ich mich eigentlich noch nie. Für mich bist du eine Tatsache, die nicht der Begründung bedarf. Du bist - basta. Weiß auch nicht, wie ich zu dieser Überzeugung gekommen bin. Vermutlich liegt es an der Art und Weise, wie mir meine Mutter den christlichen Glauben nahe gebracht. Sie hat einen Samen gepflanzt, der schnell aufging und einen festen Platz in meiner Seele gefunden hat.

Umso mehr irritiert es mich, wie sich Mutter vor ihrem Tod noch verändert hat. Sie wurde störisch, ungerecht und überhaupt schwierig. Wo war die zugewandte, wohlwollende, liebevolle Mutter geblieben? Es macht Angst, wenn man sieht, dass das Alter den Menschen nochmal grundsätzlich verändern kann oder kommen hier Anteile hoch, die in jüngeren Jahren nur unterdrückt worden waren?

So lieber Gott. Jetzt beende ich diesen Brief und hoffe, dass es dir gut geht. Und danke fürs Lesen, obwohl du ja wirklich viel zu tun hast.

Liebe Grüße
Rainer

Mittwoch, 16. November 2016

Neues Handy One Plus 3

Gestern kam jetzt mein Neues Handy. Bin ab sofort neuer Besitzer eines One Plus 3. Habe den Google Launcher aktiviert und die Apps meines Nexus 5 wurden allesamt automatisch installiert. Von der Oberfläche ist das One Plus jetzt mit dem Nexus identisch. Ich habe 5.5 Zoll Display, 64 GB Speicher, Snapdragon 821 als Prozessor, Fingerabdrucksensor, eine bessere Kamera und erweiterte Gesten. Von der Bedienung her nicht viel Neues. Langweilig?

Leider kann man das One nicht an HDMI anschließen. Da muss ich für meine Androidlerngruppe weiterhin das Nexus nehmen.

War es überhaupt notwendig ein neues Handy zu kaufen? Mal sehen, wie lange der Akku im One Plus hält. Da hat das Nexus ja nach 2 Jahren geschwächelt.

Hoffentlich passt das One in die Hosentasche.

Trotz allem: Ein super Handy für 400 €!

Freitag, 11. November 2016

NetzG: mit neuer Kraft voraus....

Ich bin ganz glücklich und froh, dass ich. mich entschieden habe für den stellv. Vorsitz des Bundesnetzwerkes Selbsthilfe seelische Gesundheit (NetzG) in Kassel zu kandidieren. Ich wurde gewählt und seit 9.11.2016 habe ich dieses Amt jetzt inne.

Das heißt mit 55 Jahren bin ich also mit meiner Selbsthilfearbeit auf der Bundesebene angekommsn.

Ich durfte in Kassel auch eine Referat im Plenum halten mit dem Titel "Wege zur Interessenvertretung Psychiatrieerfahrener im Gemeindepsychiatrischen Verbund (GPV)". Dieses war sehr erfolgreich und ich konnte mir so eine gute Ausgangsposition für meine weitere Arbeit schaffen. Zu diesem Thema werde ich auch in der psychosozialen Umscbau einen Artikel veröffentlichen und die Langversion des Textes in Baden-Württemberg an den richtigen Stellen platzieren. Mein Ziel ist es eine Fortbildung für psychiatrieerfahrene Interessenvertreter im GPV zu initiieren.  Ob dabei die Bundesebene eine Rolle spkelen kann, weiß ich im Moment noch nicht. Auf jeden Fall will ich für diese Idee Verbündete suchen und vor allem Geldgeber.

In folgenden Verinen und Initiativen arbeite ich derzeit mit:

1. Experienced-Involvement Südbaden (EX-IN SB)
2. Selbsthilfe mit Köpfchen e.V. / Initiative Psychiatrie-Erfahrener Freiburg (IPE)
3. Bundesnetzwerk Selbsthilfe seelische Gesundheit (NetzG) e.V.
4. Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe seelische Gesundheit / PeerCom
5. Landesverband Gemeindepsychiatrie Baden-Württemberg e.V.
6. Experienced-Involvement Baden-Württemberg (EX-IN BW)

Also: mit neuer Kraft voraus....

Zurück auf dem Boden.... Gott sei Dank!

Langsam erhole. ich mich von dem Motivationsschub durch John Strelecky. Mir kommt inzwischen mein Ziel meine Rente aufzugeben so unreif und unvernünftig vor, dass ich es kaum glauben kann, dass ich das ernsthaft in Erwägung gezogen habe.

Auch die Unzufriedenheit mit meinem Leben empfinde ich als enorm hochmütig. Ich habe genug Geld, eine liebe Frau an meiner Seite, Freiheit und Unabhängigkeit und tolle Aufgaben für deren Erreichen ich auch Anerkennung bekomme. Und ich? Ich will mehr, mehr und mehr.

Bernhard hat mir nochmal das Märchen vom Fischer und seiner Frau erzählt, das mir immer schon gut gefallen hat, aber dessen Inhalt ich vergessen hatte - wie sinnbildlich.

Es. geht darin um einen sehr armen Fischer, der einen Fisch fängt. Dieser zeigt sich als verwunschener Prinz und fleht den Fischer an, ihn am Leben zu lassen. Obwohl der Fischer nichts zu essen hat, wirft er ihn unversehrt ins Meer zurück. Daraufhin verspricht der Prinz dem Fischer ihm alle Wünsche zu erfüllen. Leider hat dieser eine schlimme Ehefrau. Diese schickt ihn immer wieder zum Prinzen mit immer extremeren Wünschen, bis sie zum Schluss mächtiger als Gott sein will. Damit ist die Geduld des Prinzen am Ende und als der Fischer heimkehrt, sitzt seine Fraubwieder wieder in ihren ärmlichen Verhältnissen.

Schon als Kind hat mich der Spruch fasziniert mit dem der Fischer den Prinzen ans Ufer bittet: "Mine Fru de Ilsebill, di will nit so, as ich wohl will...". Find ich super.

In diesem Sinne will ich mich nicht wie die Frau des Fischers sein, sondern dankbar für das schöne Leben sein, dass Gott mir nach meiner Leidenszeit mit meiner psychischen Erkrankung geschenkt hat. Ich führe ein Leben in der Comfortzone und sollte darüber froh sein, und nicht zwanghaft das Unglück herbeiwünschen.

Wie sagte Bernhard sinngemäß: Manche Träume können nur in Variationen erfüllt werden, wenn man/frau sie sich ohne Rücksicht auf Verluste erfüllen will, dann können sie schnell zu existenzgefährdenden Alpträumen werden.

Ixh hoffe also darauf, dass es Rainer S. irgendwann gelingt ein Gewerbe für PeerCom anzumelden. Danm werde ich ihn ehrenamlich unterstützen. So gründe ich so auch ein bisschen eine Firma.

Samstag, 5. November 2016

Wenn es dem Esel zu wohl wird,.... Rückzieher

Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, bin ich wieder auf dem Boden. Es wäre wirklich verrückt, wenn ich meine Rente zurückgäbe. Ich weiß doch, dass ich die Härte des Alltagslebens nicht aushalten würde. Ich denke, ich habe nach wie vor ein Problem damit, dass ich behindert bin und kann meine Krankheit nicht wirklich akzeptieren. Ich definiere mich nach wie vor über Leistung und beziehe viel Energie aus Anerkennung und Erfolg. Ob ich jemals aus mir selbst heraus mit mir zufrieden sein kann, Zeit des Nichtstun, ohne Termine und Aufgaben genießen können?
Auf jeden Fall habe ich die Idee begraben, mich noch selbstständig zu machen oder eine sozialversicherungspflichtige Anstellung zu bekommen. Ich wäre Irre, wenn ich auf diese Weise meine Sicherheit, meine Unabhängigkeit und meine Freiheit aufgeben würde und mich dem harten Existenzkampf ausetze. Es muss andere Lösungen geben, wie ich meinem Leben eine neue Richtung geben kann, um der Routine zu entkommen und Neues zu wagen.

Mittwoch, 2. November 2016

Firma gründen und Rente zurückgeben!

Ich habe das Gefühl, dass ich mit meinem Leben an einen Scheideweg stehe. Entweder ich verwirkliche mir eines meiner Big Five For Life und gründe eine Firma oder ich lebe den Rest meines Lebens in Sicherheit so weiter. Mit 16 habe ich einen Spruch geschrieben, den ich heute noch auswendig weiß: Ich möchte mit dem Risiko des Absturzes leben und nicht in einer dumpfen Sicherheit verblöden.
Bis jetzt habe ich das auf eigenartige Weise mit meiner Psychose erreicht. Aber seit 5 Jahren lebe ich solide, psychisch weitgehend gesund, habe keine Geldsorgen und heiratete sogar 2010. Ich habe mit meinem Minijob eine fachlich abwechslungsreichen Alltag. Aber genau betrachtet ist das alles reine Routine geworden. Ich setze mir fachliche Ziele, die ich oft auch erreiche. Wenn ich sie nicht erreiche ist es aber auch ok. Das ist auf die Dauer unbefriedigend. Eigentlich hat das alles seinen Reiz für mich verloren. Je mehr ich schreibe, umso klarer sehe ich.
In 3 Jahren, mit 58 werde ich meine Rente aufgeben und alleine von meiner Firma PeerCom leben. Ohne wenn und aber. Entweder Karin unterstützt mich oder ich muss es ohne sie durchziehen. Die Würfel sind gefallen.

Dienstag, 1. November 2016

Es wird Zeit, mein Leben zu ändern

Es wird Zeit ich zu sein
Nicht alles umkrempeln
Aber vorbei mit der Abhängigkeit von Anerkennung
Vorbei mit so sein, wie ich sein sollte
Sondern so sein wie ich bin
Es muss mehr in meinem Leben geben als Psychiatrie
Ich höre Konstantin Wecker seit über 30 Jahren
Und so wenig davon habe ich umgesetzt

1. Meinen Glauben besser leben
2. Tiefere Beziehungen leben
3. Eine Firma gründen
4. Neues erleben
5. Psychiatrieerfahrene anders stärken wie bisher

Meine Big Five For Life

Jetzt stellt sich die Frage, was bedeutet das konkret?
Was tun?

Mehr bald davon in diesem Blog.

Montag, 31. Oktober 2016

Innehalten

Es ist jetzt fast 2 Uhr und ich habe den 2. Band von The Big Five For Life von John Strelecky zu Ende gelesen. Ein guter Moment, um inne zu halten und zu bilanzeren.

Wo stehe ich gerade? Was mache ich mit meiner Lebenszeit? Werde ich in 20 Jahren Dinge bereuen, die ich jetzt nicht getan habe?

Ein zentraler Teil meines Lebens ist meine Arbeit. Wenn ich ehrlich bin zu zentral. Da gibt es nichts, was Platz daneben finden könnte, außer meiner Ehe mit Karin. Mein Smartphone ist zwar eine Art Ausgleichsbeschäftigung für mich, aber ohne meine Arbeit hätte das Gerät lange nicht die Bedeutung, die es derzeit für mich hat. Alles dreht sich um die Arbeit. Das macht zwar Freude und verhindert Langeweile, aber es ist nicht gut, wenn man zu einseitig ist. Das Denken wird eindimensional und es fehlen die kreativen Impulse von außen. Aber andererseits frage ich mich, warum soll ich nicht das tun, was mir Erfüllung und Freude macht.

Diese Situation ist ein Problem vor dem ich schon lange stehe und das ich beständig vor mir herschiebe. Will ich es wirklich lösen, oder lasse ich es dabei,es zum umschreiben und dann genauso weiterzumachen wie bisher - ohne mich bewusst dafür entschieden zu haben?

Was wären überhaupt die Alternativen für das Leben, das ich jetzt führe?

Sicherlich mein fachlicher Werdegang ist schon von Veränderungen geprägt. Ich habe mit der Initiative Psychiatrie-Erfahrener und der Beschwerdestelle Psychiatrie Stuttgart 1999 mit meiner Selbsthilfearbeit begonnen. Dann haben wir zusammen den Selbsthilfeverein Offene Herberge e.V. gegründet, der bis heute von Bärbel Nopper geführt wird, nachdem sie den Vorsitz von mir übernommen hatte. Parallel habe ich mir ein weiteres Standbein mit meinem Amt des stellvertretenden Vorsitzenden beim Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg geschaffen. Dann habe ich 2008 zusätzlich EX-IN Stuttgart gegründet, dass heute noch EX-IN-Kurse durchführt. Als dann Uschi Zingler, die Vorsitzende des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg 2010 verstarb, schuf ich mir dort den Minijob des Geschäftsführers. Als ich 2011 in die Heimat meiner Frau, nach Teningen bei Freiburg zog, beendete ich meine Mitarbeit bei der Offenen Herberge und bei EX-IN Stuttgart und konzentrierte mich auf den Geschäftsführerposten. Und wieder erarbeitete ich mir parallel weitere Betätigungsfelder. Ich wurde stellvertretender Vorsitzender des Freiburger Vereins Selbsthilfe mit Köpfchen und wurde Interessenvertreter im Gemeindepsychiatrischen Verbund Freiburg. Zudem gründete ich 2012 eine Selbsthilfegruppe und 2015 die Initiative Psychiatrie-Erfahrener Freiburg. Als dann 2015 der Streit mit Gabriele, der stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg mich zu sehr belastete und nicht lösbar war, kündigte ich im Oktober 2015 beim Landesverband und wurde schon im nächsten Monat beim Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg mit Minijob eingestellt. Die weite Entfernung zwischen Ravensburg und Teningen brachte aber Probleme mit sich. Als Konsequenzen aus den Streitereien im Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg und aufgrund meiner dortigen schrittweisen Distanzierung, gründete ich eine 12köpfige Expertengruppe Psychiatrieerfahrener mit dem Namen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe seelische Gesundheit, die irgendwann in das Peer-Dienstleistungsunternehmen PeerCom übergehen soll. Inzwischen hatte ich im Sozialpsychiatrischen Dienst Freiburg vorgeschlagen, ob man nicht in Freiburg ebenfalls einen EX-IN-Kurs anbieten solle. So ergab sich die Möglichkeit in Freiburg mit Projektgeldern für 3 Jahre eingestellt zu werden. Ich entschloss mich die Stelle in Ravensburg zu kündigen und begann mit nahtlosem Übergang im September 2016 mit einem Minijob beim Sozialpsychiatrischen Dienst Freiburg bei dem Caritasverband Freiburg-Stadt. Damit sind wir in der Gegenwart angekommen und ich bin inzwischen 55 Jahre alt.

Wenn es meine Gesundheit zulässt, sieht es gerade danach aus, dass mein Leben in genau diesen Bahnen weiterlaufen wird. Zudem habe ich 2010 geheiratet, was meinem Leben Kontinuität und Sicherheit gegeben, aber auch zu einem soliden, häuslichen Dasein geführt hat, sieht man mal von meinen beruflich motivierten Reisen ab. Will ich das alles so?

Gesetzt ist meine Ehe mit Karin. Dies ist eine Konstante, die ich beibehalten will, weil sie mir gut tut, mich gesund hält und weil ich Karin liebe - obwohl ich gar nicht genau weiß, ob ich zum Gefühl der Liebe fähig bin.

Aber meine Arbeit? Wo sind noch Freiräume, noch Themen, die ich entdecken könnte? Wo sind meine Big Five For Life? Sicher die Herzenwünsche tiefe Beziehungen und den Glauben zu leben, eine Firma zu gründen, Psychiatrieerfahrene zu unterstützen und Neues zu erleben habe ich definiert. Aber was bedeutet das konkret? Es gilt diese Ziele mit konkreten, nachprüfbaren Fakten zu versehen, damit ich nicht im Beliebigen haften bleibe.

Wenn ich auf meinen Bauch höre, sagt mir dieser, dass ich etwas ändern sollte. Aber das ist besonders schwer, wenn eigentlich oberflächlich gesehen alles gut läuft.

Also was bedeutet es an Verhaltensänderungen, wenn ich tiefere Beziehungen leben will? Was konkret soll ich tun, um ein besserer Christ zu werden? Welche neuen Erlebnisse soll ich mir vornehmen? Und wie ist es möglich eine Firma zu gründen, ohne meine Erwerbsunfähigkeitsrente zu verlieren? Und wie kann ich Psychiatrieerfahrene noch mehr oder anders unterstützen, wie ich es ja schon seit Jahren tue? Ich denke diese 5 Fragen, die sich aus meinen Big Five For Life ergeben, gilt es anzugehen.

Aber jetzt ist es schon fast halb drei und heute werde ich da wohl nicht mehr sehr viel weiter kommen. Also dann, bis zum nächsten Blogeintrag.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Sprüche

Die beste Art einen Freund zu haben, ist einer zu sein.
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Wenn einer einen Traum träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele denselben Traum träumen, kann es der Beginn einer neuen Wirklichkeit sein.
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Wenn etwas geschehen soll, was es noch nie gab, muss ich etwas tun, was ich noch nie getan habe.
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Wer das Unmögliche versucht, kann das Mögliche erreichen.
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Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen.
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Mit einem Freund an deiner Seite ist kein Weg zu lang.
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Hoffnung, Glaube, Liebe; aber die Liebe ist das Größte unter ihnen.
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Problemlösungen: Love it, change it or leave it.
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Gott gebe mir die Kraft und den Mut, das zu ändern, was ich ändern kann.
Die Gelassenheit, das zu hinzunehmen, was ich nicht ändern kann.
Und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.
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Wenn du etwas wissen willst, frage einen Erfahrenen und keinen Gelehrten.
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Montag, 3. Oktober 2016

Glück durch Verzicht?

Schmerz in der Brust. Jetzt allein in der Wohnung und ich freunde mich mit der Situation an. Nicht rausgegangen, nicht mit zur Schwiegermutter, keine Lust auf nichts.

Likör ins Glas, Soundbase angeschmissen, schreibend der Schwere entkommen. Ich sein. Bloggen.

Doch wo sind die Themen?

John Strelecky. Mein neuer Mentor. Gute Wahl? Ich habe ihn noch nie gesehen, noch nie gesprochen. Seine Big Five for Life faszinieren mich. Doch ist seine Philosophie nicht zu amerikanisch? Alles ist machbar mit der richtigen Einstellung. Wenn überhaupt, gilt das nicht nur für psychisch Gesunde? Wenn die Krankheit Grenzen setzt, sind dann nicht Kompromisse gefragt? Wenn dein Innerstes dich am Boden hält, sind große Lebensziele dann nicht Utopie? Fragen ohne Antworten sind keine sinnvolle Art des Nachdenkens. Rainer, entscheide dich für den geträumten Weg des alles Machbaren oder für die deprimierende Realität des Scheiterns und an die Anpassung der Ziele an die scheinbaren Gegebenheiten.

Meine Lebensweg ist ein Beweis dafür, dass das Scheitern der Beginn von etwas neuem Guten sein kann. Aber er ist wohl auch ein Beweis dafür, dass die Big Five for Life nur die Richtung vorgeben. "Es kommt nicht darauf an, dass ein Ziel erreicht wird, sondern dass es sinnvoll ist".

Habe ich mich verannt? Habe ich Größenideen?

- Firma gründen?
- Neues erleben?
- Psychiatrieerfahrene stärken?
- Glauben leben?
- Tiefe Beziehungen leben?

Hirngespinste, die keine Ensprechung zu dem Menschen haben, der von der Schwere gefangen an seinem bequemen Sofa klebt. Wo ist das Leben, das zu diesen Zielen passt? Wo ist das notwendige Erleben dazu?

Die Lebensphilosophie der kleinen Leute, sich mit Wenigem zufrieden zu geben und sich an den kleinen Dingen zu freuen, ist in meinem Fall wo eher angebracht.

Sonntag, 2. Oktober 2016

Whatsapp an den Freund

Immer wieder erwischt sie mich. Diese Zerrissenheit gemischt mit Traurigkeit und Wut. Früher ein Griff zum Telefon und weggeredet - oder auch nicht. Heute funktioniert diese Strategie nicht mehr. Karin muss es aushalten oder ich mit mir alleine. Gott sei Dank gibt es auch andere Zeiten. Was ist der Kern meines Wesens? Regiert da der Vater oder die Mutter - und wo bin ich?

Ich stoße immer wieder an deine Grenzen und es fällt mir schwer diese zu akzeptieren. Die Alternative wäre ein Schlussstrich. Sackgasse. Morgen ist ein neuer Tag mit neuen Chancen. Schmerzen vergehen und werden mit den Jahren leichter zu ertragen - wenn man Glück hat. Ob ich heil werden kann, weiß ich nicht. Der Weg ist das Ziel und es kommt nicht darauf an, ob ein Ziel erreicht wird, sondern ob es sinnvoll ist - ende ich pflichtgemäß meinen Text mit zwei Sonntagssprüchen kurz vor Montag, ohne zu wissen, was davon bei dir ankommt.

Samstag, 24. September 2016

Highlights 2016

Urlaub in Willstätt

Frieda im Krankenhaus

Karins OP

Tagung "Gemeinsam mehr erreichen!"

Vortrag ZISG Mannheim "Outing und Selbsthilfe"

EX-IN Modul "Fürsprache"

Kündigung beim ZfP Südwürttemberg in Ravensburg zum August

Arbeitsbeginn beim Sozialpsychiatrischen Dienst Freiburg (EX-IN Südbaden) zum September.

Tagung "Auftakt EX-IN BW"

EX-IN Präsentation in Waldshut

4 Tage in Stuttgart: Landesbehindertenbeirat, AG LPT, Netzwerk, private Treffen mit Elke+Klaus O. +Katja+Jürgen, Treffen AG Selbsthilfe seelische Gesundheit mit Karl Heinz, Franz-Josef, Verena, Rainer, Bernhard

Erstellung des Antrags bei Aktion Mensch für EX-IN Südbaden

2 Treffen der AG Selbsthilfe seelische Gesundheit im Juli und im September.

Treffen in Mainz zum Netz.

Vier glückliche Tage "Urlaub" in Stuttgart: Interessante Sitzungen und ein Leute-Trefftag.

Gründungsversammlung NetzG, Wahl zum stellv. Vorsitzenden und Vortrag "Wege zur Interessenvertretung Psychiatrieerfahrener im Gemeindepsychiatrischen Verbund" in Kassel

Berlinreise zum DGPPN-Kongress in Berlin für 4 Tage

Vortrag zum Thema "Selbstsorge" in Tiengen beim "bunten Nachmittag" mit Weinanfall

Vortrag in Winnenden zum Thema Tagesstätten zum dortigen Jubiläum mit der besten Currywurst seit Jahren.

Interessenvertretung im Gemeindepsychiatrischen Verbund (GPV)

Gremienarbeit des Autors im GPV

Mitglied im GPV Stuttgart von 2001 bis 2011
Mitglied im GPV Freiburg von 2012 bis heute

Maßnahmen zur Etablierung von Interessenvertretung im GPV

KlientenInnen/PatientInnen auf breiter Basis ansprechen

Klassische Selbsthilfe fördern

WfbM-Mitarbeitende ansprechen

Thema im GVP besprechen

PsychiatriekoordinatorInnen involvieren
Mentorenprinzip anwenden

Es braucht Protagonisten

Nutzerorientierte Veranstaltungen durchführen

(Finanzielle) Anreize für die Interessenvertreter sicherstellen

Günstige persönliche Voraussetzungen der Interessenvertreter (IV) 

Geduld mit sich selbst, bis man/frau in den Themen drin ist und sich daran gewöhnt hat in der Öffentlichkeit zu sprechen.

Den Wunsch etwas zu verändern

Mit kleinen Erfolgen zufrieden zu sein

Lust zum Diskutieren

Erfahrungen mit dem psychiatrischen Hilfesystem

Eine Gruppe für die man/frau sprechen kann und gute Kontakte zu anderen Psychiatrieerfahrenen

Den Wunsch die Situation Psychiatrie-Erfahrener zu verbessern.

Weitere Aspekte der Arbeit als IV

IV müssen gleichberechtigt Informationen bekommen wie andere GPV-Mitglieder (eMailverteiler, Konzepte, Protokolle, Einladungen, ...)

IV müssen sich der Problematik der Instrumentalisierung durch andere GPV-Mitglieder bewußt sein. 

Was bringt mir Gremienarbeit?

Die Gelegenheit Psychiatrie mit zu gestalten.

Interessante Begegnungen

Wissenszuwachs zu psychiatrischen Themen

Für Menschen ohne Arbeit: eine (sinnvolle?) Aufgabe

Eventuell Verdienstmöglichkeiten

Für unsichere Menschen: eine besseres Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein

Montag, 19. September 2016

Liebe heißt...

Rücksicht nehmen.
Sich nicht so wichtig nehmen.
Aufmerksam bleiben.
Zärtlich sein.
Kompromisse machen.
An sich arbeiten.
Sich selbst mögen.
Hin und wieder etwas schenken.
Im Gespräch bleiben.
Gefühle äußern.
Auch eigene Unternehmungen machen.
Auch eigene Freunde haben.
Die Schwächen des Anderen akzeptieren.
Den Anderen nicht verändern wollen.
Dem Anderen etwas Liebes sagen.
Sein Geld mit dem Anderen teilen.
Eine eigene Meinung behalten.
Nicht unbedingt Recht haben wollen.
Für den Anderen auch unangenehme Dinge tun.
Zuhören.
Versprechen halten.
Zuverlässig sein.

Also auch eine schwierige Angelegenheit.

Macht Liebe unfrei oder ist es dann keine Liebe?

Erwachsen werden

Auf der Rückfahrt von Stuttgart. Zwei Sitzungen gehabt. Landesbehindertenbeirat und Gespräch mit KVJS. Da war ich wieder ich selbst bzw. der selbstbewusste Teil von mir. Es ist schon eigenartig wie wandlungsfähig der Mensch ist. Gute Stimmung - schlechte Stimmung, freundlich - gereizt, energievoll - gelähmt.
Habe gestern meine Big-Five-For-Life gefunden. BePsyFiNeG. Tiefe Beziehungen führen. Psychiatrieerfahrene stärken. Firma gründen. Neues erleben. Glauben leben. Der 16.9.16 in Willstätt war der Beginn von etwas Neuem. Hatte mein zweites Buch von John Strelecky gelesen. Kann noch nicht sagen, wohin die Reise geht, aber ich hoffe auf nachhaltige Veränderung. Ich möchte mich selbst finden und mehr ich sein. Ich spüre immer wieder wie negative Gefühle und destruktives Denken mich blockieren. Wie der Erwachsene in mir unterdrückt wird. Ich bin dann angeberisch, gereizt, gelangweilt, aggressiv, beleidigt, faul und egoistisch. Das hat zwar auch seine Berechtigung, aber ist für mich nicht erwachsen. Ich werde sicherlich nie perfekt werden - ich bin nicht Jesus. Aber mich meinem Ideal annähern will ich mich schon, auch wenn ich schon 55 bin.
Ich freue mich jetzt auf Karin und hoffe, dass sich diese Freude die nächsten Tage hält.

Sonntag, 18. September 2016

Meine Big Five For Live: Psyfting

Meine Big Five For Life: BePsyFiNeG (Bepsyfineg)

1. Be = Tiefe Beziehungen führen (Ehe, Familie, Freunde)

2. Psy = Psychiatrieerfahrene stärken (PeerCom, SmK, EX-IN Südbaden, LVGPBW)

3. Fi = Firma gründen (PeerCom)

4. Ne = Neues erleben (Wandern, Kultur, ...)

5. G = Christlichen Glauben leben


oder PsyFTiNG (Psyfting)


Meine Zweck der Existenz

Ich möchte ein liebender Mensch werden beziehungsweise bleiben.



Mittwoch, 14. September 2016

Liebe lernen mit ihm

Es muss da etwas sein - dass die Liebe bringt. Sie uns lehrt und uns den richtigen Weg zeigt. Selbst wenn Generationen von Wut und Ärger in dir wüten, zeigt er dir wie du es besiegen kannst. Es ist kein leichter Weg, aber wenn du glaubst, wirst du die Liebe finden. In dir, im Menschen dir gegenüber - ja in der Welt, in der gemordet und gequält wird. Er bereitet dich darauf vor, dass du irgendwann Stärke und Mut zeigen kannst, wenn es darum geht, den Weg der Liebe zu gehen - gegen alle Schmerzen, ja selbst gegen den Tod.

Er prüft dich jeden Tag. Wie du deine Ehe führst, wie du deine Freunde behandelst, ob du zu deiner Familie stehst.

Hoffe, dass er dich nicht prüft im Krieg und im Elend, denn dann braucht es mehr als guten Willen. Dann musst du zum Helden werden, wie viele Helden vor dir - die nicht in den Büchern stehen.

Sonntag, 11. September 2016

Tränen

Höre mir an, wie Kontantin Wecker, Hannes Wader und Reinhard Mey gemeinsam singen. Es treibt mir Tränen in die Augen. Was sind das für Tränen? Unausprechbare Schwingungen treffen mein Herz. Trauer. Trauer über all die Qual in mir und in der Welt. Der Schmerz der Folteropfer, der Ermordeten. Ernsthafte Musik transportiert Seelen und nicht nur Worte und Melodien. Und es gibt so viele geschundene Seelen. Ich wäre stolz darauf, wenn meine Tränen für diese Menschen flössen. Aber ich weiß es nicht. Wer kennt schon seine Tiefen - und Abgründe?

CSU-Bekenntnisse

Sitze bei Verwandten. Geburtstagsfeier. Eigentlich nette Leute. Plötzlich wird es politisch. CSU-Bekenntnisse werden formuliert. Argument auf Argument kommt aus wohlinformierten Mund. Meine wenigen Gegenargumente kommen mir schwach vor. Wenn jetzt doch wirkliche Linke, wirkliche Herzensmenschen als Verbündete da wären. Ich bin eben überall nur Mitläufer. Ich schweige hilflos. Das Thema wechselt. Was bleibt ist meine Scham - mir selbst gegenüber.

Mittwoch, 17. August 2016

Der Krankheitsbegriff in der Psychiatrie

Als ich Anfang der 2000er mehr mit dem Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener zu tun hatte, begegnete ich zum ersten Mal der Aussage "Psychische Erkrankung? Gibt es nicht!". In dieser Ausschließlichkeit verwunderte mich dies und ich dachte, wie man auf so eine Idee kommen konnte, wo doch die ganze Welt von den psychisch Kranken spricht. Aber seitdem zucke ich innerlich immer zusammen, wenn ich von den psychisch Kranken rede oder schreibe. Wie kommt es genau dazu?

Was ist eigentlich das Kriterium dafür, dass ich mich als krank bezeichnen muss. Letztendlich legt das der Arzt fest. In der somatischen Medizin gibt es da meistens messbare Grenzwerte oder andere eindeutig nachweisbare Sachverhalte. Wenn man da genau hinschaut ist es auch nicht mehr so einfach, denn Grenzwerte werden festgelegt und können sich ändern, wobei dann mit einem geänderte Grenzwert die Krankheit "verschwindet". Aber eine gewisse Klarheit herrscht da schon.

Bei den psychisch Erkrankungen ist es da deutlich schwieriger Kriterien festzulegen. Die Diagnosen der Psychiatrie beruhen auf Einschätzungen und Beobachtungen der Symptome. Es gibt keine messbare Sicherheit. Was gestern noch als Erkrankung galt, kann morgen schon gesund sein. Der Krankheitsbegriff der Psychiatrie ist in hohem Maße von den aktuell gültigen Übereinkommen der Gesellschaft abhängig. Oft wird die Homosexualität als Beispiel dafür erwähnt, die noch vor Jahren als Krankheit galt, ja homosexuelle Handlungen waren vor längerer Zeit noch strafbar. Aber auch in den Klassifikationssystemen der Psychiater wie ICD 10 oder DSM-5 kommen ständig neue Krankheitsdefinitionen dazu.

Für mich persönlich ist Krankheit mit Leiden verbunden und mit einer deutliche Einschränkung der Fähigkeit den Alltag zu bewältigen. Ein Mensch, der aus Angst seine Wohnung nicht mehr verlassen kann und somit Hilfe braucht, um überhaupt zu überleben, hat eine psychische Erkrankung, Ein anderer Mensch, der von der Vorstellung gequält wird von seinen Kollegen verfolgt zu werden und dadurch nicht mehr zur Arbeit gehen kann, ist psychisch krank.

Aber wo wird die Grenze zur Krankheit überschritten und was ist, wenn der betreffende Mensch sich gar nicht krank fühlt? Ist man oft nicht viel zu schnell damit, einem Menschen eine psychische Erkrankung zuzuschreiben. Einerseits entlastet den Betroffenen die Bezeichnung krank, da er jetzt ein Recht auf Hilfen hat oder das Recht, nicht mehr zur Arbeit gehen zu müssen. Andererseits bedeutet es einen Menschen als krank zu definieren, diesen auszusortieren, ihm den Stempel aufzudrücken, er könne nicht mehr mithalten. Und gerade bei psychischen Erkrankungen, die Menschen häufig schwierig machen, ist die Gefahr groß, diese als Kranke abzuschieben ins psychiatrische Hilfesystem, in die Rente, in die Grundsicherung und sich nicht die Mühe zu machen, sich mit diesem Menschen auseinander zu setzen oder in der Arbeitswelt zu halten. Hier ist die Gefahr Menschen Unrecht zu tun ungleich größer als in der somatischen Medizin.

Ich möchte nicht so weit gehen, den Krankheitsbegriff in der Psychiatrie ganz abzuschaffen, dafür gibt es für mich auch zu eindeutige Fälle, wo ich die Zuschreibung Krankheit für mich zulassen kann. Aber es ist wichtig, sich dich Sensibilität für dieses Thema zu erhalten und bei allgemeinen Aussagen darauf zu achten, das Wort Krankheit unreflektiert zu gebrauchen. Es ist oft zutreffender Menschen seelische Belastungen zuzuschreiben, als sie vorschnell als krank zu bezeichnen. Auch das Wort Behinderung finde ich im Prinzip nicht unangemessen. Es trifft doch häufig zu, dass Menschen durch seelische Phänomene in ihren Möglichkeiten behindert sind und drückt keine Abwertung aus. Leider wird bei uns Behinderung immer noch mit etwas Minderwertigen in Verbindung gebracht, weshalb sich viele psychisch leidende Menschen gegen den Begriff behindert wehren. Hoffen wir, dass die neue Definition von Behinderung der UN-Behindertenrechtskonvention da etwas ändert. Hier ist man/frau nicht nur behindert, sondern man/frau wird auch behindert.

Die Menschen die psychiatrische Diagnosen bekommen haben, gaben sich Anfang der 1990er Jahre den Namen Psychiatrieerfahrene. Dies beschreibt den Umstand, dass man/frau mit psyschiatrischer Behandlung in Berührung gekommen ist und sagt nichts über die Person selbst aus. Allerdings gibt es auch Menschen, die seelisch belastet sind und noch in keiner psychiatrischen Behandlung waren. In der Fachwelt hat sich die Bezeichnung Psychiatrieerfahrene durchgesetzt, allerdings ist dieser Begriff insofern unscharf, als dass zum Beispiel psychiatrische Fachkräfte auch Erfahrungen mit der Psychiatrie haben.

Die EX-IN Bewegung spricht von seelischen Erschütterungen, was ein sehr weicher Ausdruck ist und nahezu jeden Menschen in irgendeiner Form anspricht.

Marktplatz Emmendingen

Hier sitze ich im Sommer in Emmendingen am liebsten - Lokal Palio im alten Rathaus. 



Die ist die Vorzeigetouristraße in Emmendingen: die Lammstraße.


Montag, 15. August 2016

Haushaltstagebuch - let's go

So diesmal möchte ich mich einem für mich schwierigen und sehr persönlichen Thema widmen, nämlich der Selbstständigkeit:

Es fing bei mir schon sehr früh an. Ich erkrankte mit 9 Jahren an einer schweren Hirnhautentzündung, die ich nur knapp überlebte. Es war aber eine seltene Form und Gott sei Dank konnte ich danach wieder normal am Schulunterricht teilnehmen. Ich schaffte es sogar nach 100 Tagen Klinikaufenthalt ohne Sitzenbleiben durchzukommen. Ich war trotzdem immer ein relativ guter Schüler - nie Spitze, immer so zwischen 2 und 3.

Aber schon damals wurde ich das Sorgenkind der Familie und wurde meinem Bruder vorgezogen. Zumal der schulisch nicht so erfolgreich war wie ich und kein Abitur machte.
Genau vor diesem Abitur erwischte mich dann mit 19 Jahren meine erste Psychose und ich durchlebte die schizophrene Hölle, wobei ich nicht weiß, was schlimmer war, die Erkrankung oder die Erlebnisse in der Psychiatrie von 1981 -  das beeinflusste sich ja auch gegenseitig.
Also wurde ich wieder das Sorgenkind und dieses Image legte ich bei meiner Mutter bis zu ihrem Tod 2013 nicht mehr ab. 

1992 verlor ich in Horb meine Anstellung und zog für 10 Jahre wieder zurück ins Elternhaus - ins Hotel Mamma. Ich fiel 5 Jahre in eine schwere Depression. Ich redete kaum noch, lag viel im Bett und auf dem Sofa, spürte nur noch Schwere und Verzweiflung und verlor jegliches Selbstwertgefühl. Auch hier beeinflussten sich zwei Fakten gegenseitig. Auf der einen Seite war die Depression, aber auf der anderen Seite auch die übertriebene Fürsorge meiner Mutter. Ich hatte ja noch nie etwas zuhause im Haushalt tun müssen, aber jetzt bekam ich jeden Handgriff abgenommen. Ich hospitalisierte sozusagen im Elternhaus. 

2002 zog ich dann ganz unerwartet in eine eigene Wohnung. Aber auch hier unterstütze mich meine Mutter permanent im Haushalt. Ich verbot ihr mal sogar mich in meiner Wohnung zu besuchen, was ich 3 Monate aushielt - dann freute sie sich, als ich sie wieder um ihre Unterstützung bat.

Bis heute habe ich es nicht geschafft ein selbstständiger Mann zu werden. Von 2002-2010 lebte ich so recht und schlecht alleine - wie gesagt: mit der Unterstützung meiner Mutter. Als ich dann mit Karin, die ich 2010 heiratete, zusammenzog, lernte ich viel dazu. Allerdings hielt ich das nicht lange aus. Meine Betätigung im Haushalt wurde immer weniger.. Die Küche wurde mein Gebiet, das heißt ich koche für uns und halte die Küche so einigermaßen in Ordnung. Die Wäsche macht Karin und den Rest auch. Immerhin gehe ich meistens Einkaufen. Aber das eigentliche Management des Haushaltes macht Karin.

Schon bevor wir zusammengezogen sind, habe ich auf einem Autobahnrasthof einen Magnet mit der Aufschrift "Auf die Meinung des Hausherrn kommt es hier nicht an. Fragen Sie die Managerin" gekauft. Das ist wohl schon überzogen formuliert, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt schon drin, denn die eigentliche Managerin unseres Alltages ist Karin, weil ich dazu nicht in der Lage bin und es mir auch diesbezüglich sehr bequem mache. Das heißt, ich darf mich nicht beklagen, denn es läge ja an mir, diesen Zustand zu ändern. 

Aber wie bekomme ich das hin? Antwort: Mit einem starken Willen und Disziplin. Aber vor allem an letzterem mangelt es mir immer schon. Ich lebe schon immer vorwiegend nach dem Lustprinzip. Bei meiner Arbeit bin ich diszipliniert, aber sonst gehe ich meist den bequemen Weg - wie es mir schon seinerzeit mein Vater vorgeworfen hat.

So, bevor mein Post jetzt aber vor Selbstmitleid drift, möchte ich betonen, dass alleine ich dafür verantwortlich bin, wie ich lebe. Sicherlich hat mich meine Erziehung geprägt und meine Erkrankung hat mich auch stark daran gehindert einen selbstständigen Weg zu gehen, weil ich zeitweise schon auf die Hilfe meiner Eltern angewiesen war. Aber ehrlich gesagt, hätte ich schon die Gelegenheit gehabt, mich zu ändern - wenn ich wirklich gewollt hätte.

Und so habe ich in vielen Gesprächen mit vielen Sozialarbeitern und Psychologen diese Themen beackert und nicht hat sich geändert. 

Nun stellt sich also die Frage: Ist das Alles noch zu ändern oder nicht? Eigentlich vertrete ich ja die Haltung, dass man/frau sich bis ins Alter hinein noch ändern kann. Ist heute der erste Tag der Änderung? Soll ich ein Haushaltstagebuch führen? Ich liebe es doch Daten zu erfassen, wie ich es jetzt mit meinem Schrittzähler tue, um mich mehr zu bewegen. Ist doch vielleicht wirklich eine gute Idee?

Ok, heute ist der erste Tag meines restlichen Lebens. Let's go Haushaltstagebuch.

Donnerstag, 4. August 2016

Bis Asche aus mir wird

Über Facebook und die Nachrichten schauen wir in eine Welt, die sich radikalisiert, die kriegerischer wird, wo Vertreibung, Gewalt, Folter und Mord Tagesordnung ist.

Ich rette mich in meine kleine Welt. Ein kleiner Rentner, mit einer psychischen Belastung und mit dem gelegentlichen Irrglauben wichtig zu sein.

Ich gehe gewohnte Wege, bin abends zuhause und mache meine Urlaube im Umkreis von maximal 200 Kilometer. Meine Sorgen beschränken sich darauf, dass meine Frau gesund bleibt und wie es mit meiner kranken Schwiegermutter weitergeht. Ein Leben wie im Paradies.
Auch eine Art des Wegsehens. Wäre es nicht notwendig Farbe zu bekennen? Gegen Krieg, gegen Rassismus, für Frieden und Freiheit für alle Menschen, für die Liebe? Laut werden, schrein, sich empören?

Wenn ich andere frage, wie sie mit der Weltlage zurecht kommen, antworten sie, ein guter Mensch im nächsten Umfeld sein und ansonsten weiterleben wie bisher - am besten ohne schlechtes Gewissen. Genügt das? Aber was soll ich tun. Ich veröffentliche meine Meinung in Facebook und ansonsten bin ich in einem mehr oder weniger apolitischen Umfeld. Will die Psychiatrie verbessern, psychisch leidenden Menschen helfen - aber ja nicht über den Tellerrand blicken.

Mir gefallen Konstantin Wecker, Eugen Drewermann und seit kurzem Sarah Wagenknecht. Aber eher weil sie mir imponieren. Ihr Mut, ihre Bildung und ihre Konsequenz. Ich selbst fühle mich da manchmal wie ein Abziehbild. Ich werde ja schon unsicher, wenn die Nachbarin im Netz Stimmung gegen Flüchtlinge macht oder wenn andere mich mit ihren Ängsten vor der Islamisierung Deutschlands anstecken. Wo ist sie hin, die Willkommenskultur?

Europa rückt nach rechts und ich halbherzig nach links. Morgen werde ich zum Arzt gehen und mittags zur Vorstandssitzung - alles wie gehabt.

Ach ja, und dann noch kurz mal wieder einen Jammertext loslassen, wie schlecht die Welt und wie schlecht ich selbst bin. Bis die Augen zufallen und Asche aus mir wird.

Sonntag, 31. Juli 2016

Meine Lieblingsgedichte

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Novalis

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit werden gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

.................
Stufen
Hermann Hesse

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

.................
Im Nebel
Hermann Hesse

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

....................
Der Panther
Rainer Maria Rilke

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein

................
Unser Trauspruch
Psalm 71,20 (Züricher Bibel)

"Der Du uns schauen
ließest viel Angst und Not,
Dir wirst uns wieder beleben,
uns wieder heraufführen
aus der Tiefe der Erde."

.................
Sonnengeflecht
Novalis

a) Feuer bricht in die Zeit 
Nun steht er auf der Höh - der Mensch 
er schreit: Die Erde, sie ist mein 
und Tierwelt und Natur kämpfen 
um's Überleben, um ihr Sein 
FEUER BRICHT IN DIE ZEIT 
BRENNT IN DES MENSCHEN ERD UND LEIB' 
Ein Teil der Menschen kann entflieh'n 
sich retten mit dem Schiff auf's Meer 
und Tag und Nacht werden ausgelöscht 
die Sonne scheint nicht mehr 

b) Sonnenfinsternis 
Dunkelheit umtanzt das Schiff 
und Kälte zieht ins Gebein 
die Zeit geht mit der Ewigkeit 
am Todespfad spazieren 
Da bäumen sich die Wogen auf 
ein Sturm umbraust die Erd' 
die See schnellt hoch und löscht das Land 
Totenstille greift die Hand 

c) Dämmerung 
Langsam klärt sich der Horizont 
funkelnde Sterne beschwören die Stund' 
blutrote Wolken schweben in'der 
Fern' 
Angst bricht aus der Wund' 

DOCH DA ERHEBT SICH AUS DEM MEER 
GOLDGLÜHEND IN IHRER PRACHT 
LEUCHTENDWARM UND WUNDERBAR 
DIE SONNE ÜBER DER WELT EMPOR 
Menschen stehen wieder am Beginn 
der Erdenkleid verbrannt im Feuerwind 
Fruchtbarkeit sucht wieder ihr Gesicht 
und mit ihr der Mensch sein neues Paradies

Sonntag, 24. Juli 2016

Medienkompetenz, Inklusion und Outing

Ein Kumpel sagte mir am Telefon, jemand hätte kritisert, dass ich überall mit meinem Realnamen im Internet auftrete. Ich weiß schon lange, dass das ein Risiko mit sich bringt, zumal ich in Facebook durchaus auch politische Äußerungen mache. Warum tue ich das?

Einerseits habe ich ein gewisses Bedürfnis mich öffentlich zu machen. Aber das ist nicht alles. Ich bringe es. nicht fertig, mich hinter einem Pseudonym zu verstecken. Ich bin über 30 Jahre offen mit meiner Erkrankung umgegangen und irgendwie habe ich mich daran gewöhnt mit meiner Person hinter meinem Leben und meinen Erlebnissen zu stehen. Da ich schon 20 Jahre nicht mehr arbeite, ist das auch nicht so problematisch, als wenn man auf einen Arbeitgeber oder Kunden angewiesen ist.

Aber manchmal habe ich schon ein mulmiges Gefühl, wenn icb daran denke, was man/frau über mich im Internet herausbekommen kann, wenn man/frau es will. Bisher habe ich Glück gehabt, aber wenn man/frau bedenkt, dass ich früher im IT-Bereich gearbeitet habe, dann kann man/frau bei mir wohl nicht von besonderer Medienkompetenz sprechen.

Es ist sowieso für psychiatrieerfahrene Menschen eines der wichtigsten Themen, wie im nahen Umfeld oder auch in der Öffentlichkeit mit der Tatsache umzugehen ist, dass eine psychiatrische Diagnose vorliegt. In meinen Begegnung mit vielen Psychiatrieerfahrenen führt das Problem des Outings immer zu lebhaften und intensiven Diskussionen. Jeder Psychiatrieerfahrene kann dazu was sagen, weil jeder die Stigmatisierung der Erkrankung in unserer Gesellschaft spürt, selbst wenn man/frau noch gar kein Opfer von Stigmatisierung geworden ist.

Ich selbst kann wenig von Ausgrenzungserfahrungen und Nachteilen berichten, den ich bin ja schon lange von der Arbeitswelt unabhängig und bewege mich nur in Psychiatriekreisen. Um die Anderen, die sogenannten "Normalos", habe ich mich nie besonders bemüht. Ich gehöre nicht zu den Psychiatrieerfahrenen, die sich bewusst anstrengen um Kontakt zu nichtpsychiatrieerfahrenen Menschen zu bekommen und den Kontakt zu ihren Leidensgenossen meiden, weil sie nicht über Probleme reden  bzw. sich "runterziehen" lassen wollen.

Ich nenne mich manchmal scherzhaft "Inklusionsversager", weil ich jemand bin, der zwar nichts dagegen hätte inkludiert zu werden, aber keine Lust hat, sich sonderlich dafür anzustrengen. Zu wohl fühle ich mich in meiner Subkultur und sehe auch die Nachteile, die die Welt der "Normalos" mit sich bringt.

Ich stelle bei mir fest, dass ich in meiner Welt zu den Wortführern gehöre und sowie ich meinen Schutz- und Schonraum verlasse, eher eine Randfigur bin. Das macht es mir natürlich schwer, mich nach außen zu orientieren. In meiner Welt bekomme ich viel Anerkennung und hatte schon viel Erfolg. Darüber hinaus muss ich mich Normen und Regeln unterwerfen, denen ich nicht gerecht werde. Ich beherrsche nicht die Kunst des Smalltalks und bin sehr einseitig interessiert. Die Memschen mit ihren Sorgen und Eigenarten interessieren mich am meisten und bei den üblichen Begegnungen wird das erst ein Thema, wenn man/frau sich gut kennt. Bei Psychiatrieerfahrene bin ich in kürzester Zeit bei tiefen und existentiellen Themen und das gefällt mir und das brauche ich. Mit meiner Arbeit beschäftige ich mich fast rund um die Uhr irgendwie mit Psychiatrie oder mit deren Randgebieten. Ich bin ein Spezialist, der sich für fachfremde Themen wenig interessiert.

Aber zurück zur Medienkompetenz. Ich hoffe nicht, dass ich meine Offenheit nicht irgendwann bereuen muss. Bei den aktuellen politischen Tendenzen kann es schon sein, dass Psychiatrieerfahrene irgendwann wieder verfolgt werden und da gehöre ich sicherlich zu den ersten. Immerhin habe ich das Glück als Deutscher geboren zu sein und deutsche Wurzeln zu haben - soweit sind wir schon!

Es gilt Position gegen Faschismus und Radikalismus zu beziehen. Und es ist immer noch besser das anonym zu tun, als gar nicht.

Sonntag, 17. Juli 2016

Neue Ziele angehen

Heute morgen bin ich aufgewacht und bekam die Botschaft, Arbeit ist abgeschlossen. Es gilt nun andere Ziele ins Visier zu nehmen. Die Beschäftigung mit meiner persönlichen Entwicklung und mein Glaube sollen in den Mittelpunkt meines Interesses rücken. Das bedeutet  die verstärkte Auseinandersetzung mit der Bibel und die Suche nach der Nähe von gläubigen Menschen. Zudem will ich ganz allgemein mich anderen Menschen zuwenden, um im Miteinander über mich selbst dazu zu lernen. Ich will weiter dem Ideal der Liebesfähigkeit nachstreben. Wie das konkret aussehen soll, weiß ich noch nicht.
Auf jeden Fall will ich das Treffen der "die LINKE" aufsuchen, um meinen Horizont politisch zu weiten.
Dazu möchte ich mich mehr um meinen Körper kümmern, das heißt mehr Radfahrern, den neuen Schrittzähler nutzen und zum Tischtennis zu gehen.

Wieder mal nur gute Vorsätze? Und morgen geht alles weiter wie bisher? Es wäre nicht das erste Mal, dass ich an meiner Unbeweglichkeit scheitere.

Samstag, 16. Juli 2016

Warten auf das Jenseitige

Nächtliche Schlaflosigkeit löst mich von Geschäftigkeit und Alltag, bringt mich dem Unsagbaren näher. In der Stille höre ich in mich hinein. Die Gedanken kreisen und suchen Halt. Aber da ist nichts Fassbares, nur die Ahnung einer Weite hinter der Wirklichkeit. Die Tür ist heute nur spaltbreit offen. Es reizt mich durchzugehen, doch irgendetwas hintert mich. Zu weit habe ich mich in letzter Zeit entfernt von dem Eigentlichen, von dem, was die Seele nährt.
Zaghaft öffnet sich das Bewusstsein und wünscht sich Eintritt. Da warten die Nächte der Dämonen und die Geschenke der Engel. Wie festgebunden an das Greifbare, sehne ich mich nach dem Ungreifbaren und dem Unbegreifbaren.
Gewährt mir Eintritt. Öffnet mir die Tür. Ich bin das Einer- und Allerlei satt.
Doch es nützt nichts. Ich bin am Boden gefangen und habe den Zugang verloren. Nur ein Schimmern dringt in mein Alltagsgrau.
So bleibe ich enttäuscht in Sicherheit zurück und nehme mir vor wach zu bleiben, um den Moment nicht zu verpassen, wenn ich gerufen werde., um meinen Beitrag für die jenseitige Welt zu leisten - im ewigen Kampf zwischen Gut und Böse.

Sonntag, 26. Juni 2016

Meine aktuelle Arbeit (Stand 27.6.16)

Partizipation
Habe im Januar 2015 die Arbeitsgruppe Partizipation Baden-Württemberg gegründet. Gründungsmitglieder waren Georg Schulte-Kemna, Barbara Mechelke, Michael Konrad und ich. Später kam Iris Maier-Strecker, Inge Schöck und Martin Brodmann dazu. Die AG hat die Tagung "Gemeinsam mehr erreichen!" am 2.3.16 geplant und durchgeführt. Wir hatten ca. 150 TeilnehmerInnen und die Tagung war sehr erfolgreich. Alle Rückmeldungen waren positiv. Das Sozialministerium hat uns finanziell unterstützt.
Dann habe ich am 22.6.16 das Thema Partizipation im Landesarbeitskreis Psychiatrie Baden-Württemberg (LAK) vorgestellt und das Ziel erreicht, dass Partizipation in Zukunft Schwerpunktthema für das Sozialministerium und die TeilnehmerInnen des LAK wird.
Als nächstes werde ich eine Planungsgruppe mit Vertretern der Liga, der Zentren für Psychiatrie, der Kommunen, der Angehörigen und der Bürgerhelfer ins Leben rufen, um unser Anliegen zu konkretisieren und strukturieren.

Hometreatment
Im April 2014 entschied ich mich als Ergebnis einer Regio AG intensiver mit dem Thema Hometreatment zu beschäftigen. Ich durfte im Landesarbeitskreis Psychiatrie Baden-Württemberg einen Vortrag dazu halten und das Sozialministerium machte Hometreatment zum Schwerpunktthema. Daraufhin schrieben Prof. Jürgen Armbruster, Inge Schöck, Paul Peghini und ich einen Brief an das Sozialministerium und baten, dass Sozialministerium solle eine Hometreatment-Tagung ausrichten. Dieses übergab diese Aufgabe an das Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg. Die Tagung wurde sehr erfolgreich. Es waren knapp 200 TeilnehmerInnen da. Weitere hatten sich angemeldet. Als Ergebnis wurde die Arbeitsgruppe Modellprojekte / Hometreatment nach § 64b vom Sozialministerium gegründet. Die TeilnehmerInnen der AG schlugen 4 Projekte vor. Die AOK verwehrte ihre Mitarbeit. Von den anderen Krankenkassen wurden 2 Projekte angenommen. In Heidenheim (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie) ein Hilfenetzwerk mit Hometreatment und in Mannheim ein Adoleszentenzentrum (Zentralinstitut). Ohne den nachdrücklichen Willen des Sozialministeriums wären diese Projekt nicht entstanden. Derzeit finden bilaterale Gespräche zwischen den Projektträgern und den Krankenkassen statt.

EX-IN
In Freiburg engagiere ich mich seit Mai 2005 verstärkt für EX-IN.

EX-IN Baden-Württemberg
Mehrere Personen hatten die Idee in Baden-Württemberg eine Art Landesverband für EX-IN zu gründen. Besonders von Bedeutung waren dabei Daniel Tutte, Andrea Sülzle und ich. Es entstand eine Arbeitsgruppe, die eine Auftaktveranstaltung plante, mit der EX-IN BW zum ersten Mal an die Öffentlichkeit geht. Am 1.7.2016 findet diese Veranstaltung statt.

EX-IN Deutschland
Am 8.-9.4.16 fand die Mitgliederversammlung von EX-IN Deutschland statt. Hier meldete ich mich zu der Arbeitsgruppe Regionalisierung, in der für EX-IN und seine Standorte eine förderale Struktur aufgebaut werden soll. Im Juni war ich zum ersten Mal bei dieser AG dabei.

Ländernetzwerk Bodenseeregion - seelisch gesund am See
Auf Initiative von Rainer Schaff und Andrea Sülzle und den Gemeindepsychiatrischen Verbünden der Bodenseeregion entstand die Idee am Bodensee länderübergreifend tätig zu werden. Es trafen sich Vertreter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mehrfach in Überlingen, Friedrichshafen und Bregenz. Am 24.6.16 wurde dann das Ländernetzwerk Bodenseeregion - seelisch gesund am See gegründet und dessen Leitlinien verabschiedet. Ein Ziel des Netzwerkes ist der Aufbau eines EX-IN Kurses in Friedrichshafen. Aber auch noch andere Vorhaben wird das Ländernetzwerk durchführen. Seit 12. November 2016 bin ich beim Ländernetzwerk aktiv. In diesem Rahmen möchten Rainer Schaff und ich den geplanten Länderverbund Psychiatrieerfahrener DACH (Deutschland-Österreich-Schweiz) als Sektion in das Ländernetzwerkes eingliedern.

Minijob beim Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg Ravensburg
Von November 2015 bis September 2016 bin ich beim Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg bei Dr. Michael Konrad in Ravensburg als Peer-Mitarbeiter im Qualitätsmanagement mit Minjob angestellt. Im Rahmen dieser Anstellung bin ich beschäftigt mit der Information-, Beratungs- und Beschwerdestelle Ravensburg, dem ICF, mit der AG Gemeinde-Psychiatrie-Kultur, dem Ländernetzwerk und dem Projekt Betroffenenbeteiligung in Ravensburg. Nach dem Ende meiner Anstellung werde ich weiter bei der Betroffenenbeteiligung mitmachen und an dem Projekt "Sektorenübergreifende medizinische Versorgung" des Sozialministeriums für Ravensburg teinehmen.

Länderverbund Psychiatrieerfahrener DACH (Deutschland-Österreich-Schweiz)
Nach der Idee von Rainer Schaff planen wir mit einem Länderverbund Psychiatrieerfahrener DACH die Selbsthilfe in der Bodenseeregion zu vernetzen. Zuerst werden die Initiativen Psychiatrie-Erfahrener in Ravensburg, Konstanz und Lindau gegründet. Zusammen mit der bereits bestehenden Initiative Psychiatrie-Erfahrener Bodensee (iPEBo e. V.) entsteht dann der Regionalverbund Psychiatrieerfahrener Bodensee/Oberschwaben. Parallel werden wir über das Ländernetzwerk erste Kontakte mit den Psychiatrieerfahrenen aus Österreich und der Schweiz aufnehmen. Uns ist klar, dass dies ein langfristiges Vorhaben ist.

Selbsthilfe mit Köpfchen e.V. Freiburg (SmK)
Bei SmK bin ich stv. Vorsitzender und habe die Selbsthilfegruppe Psychiatrie-Erfahrener Emmendingen (2012) und die Initiative Psychiatrie-Erfahrener Freiburg (2015) gegründet, die ich auch leite. Im Auftrag von SmK vertrete ich die Psychiatrieerfahrenen im Gemeindepsychiatrischen Verbund Freiburg.

Sonntag, 19. Juni 2016

Geistwelt - wiedermal

Gestern das bekannte Frösteln: Terminator
Es oder sie waren wieder da.
Sie sagten oder ich wußte "Fernseher aus"
Und dann: Nichts

Heute ohne Frösteln: Beatiful Creatures
Ich wußte oder sie sagten "Fernseher aus"
Was tun?
Sie sagten "Schreibe"
Schreibe davon
Offen und ehrlich

Nun, also denn:

Ich weiß nicht wer sie sind. Immer mal wieder begegne ich Ihnen. Sie sprechen mit. Lange war es Helmuth Beutel, dann zeitlang Klaus Obert. Dann kam Klaus Laupichler und es wurde zum normalen Dialog. Hilfreich, tröstend und immer nur wenn ich wollte. Plötzlich aber erkannte ich, dass Klaus nicht der war, der er zu Lebzeiten zu sein schien. Ein perfekter Schauspieler, der jahrelang trainierte seinen Teufel zu verbergen. Empathie statt Gewalt. Ich entschied mich für Jesus und ich scheiterte, an meiner Ungeduld an meinem Herrschaftszwang und ich verlies ihn wieder enttäuscht. Manchmal ein kurzer Dialog mit Klaus, mehr nicht. Zurück in der Welt des mit den Augen sehbaren und mit den Ohren hörbaren. Zurück in der flachen Welt.

Und jetzt, heute Abend?
"Schreib darüber. Offen und ehrlich"
Und ich tues es
Und es fließt durch mich

Ich verstehe nicht wohin es führt. Ich begreife keinen Sinn. Es fließt durch mich.

Da ist eine Welt. Den meisten verschlossen. Aber nicht, weil sie nicht können, sondern weil sie nicht wollen. Sie setzen ihrem Denken Grenzen, weil sie Angst haben vor dem was hinter den Grenzen wartet und lauert. Dunkelheit, Angst, Wahnsinn, aber auch Sinn und Erfüllung. Welt geboren, Welt verloren.

Und jetzt?

Wo kämpft ihr? Wo kämpft das Gute seinen Jahrtausendkampf gegen das Böse - ohne dich, mein Leser? Aber immer mal wieder mit mir. Findet Eingang, durch mich, in deine Welt. Lässt etwas zurück, wenn es wieder geht. Unerklärlich, fein und zart. Aber es wächst. Wirkt, unbemerkt von den Groben und geistig Blinden. Den hoffenden Nihilisten, den selbstbewussten Rationalisten, den Logikern, die Sicherheit spüren in ihren Grenzen.

Und jetzt, war das alles?

Keine Welt retten? Keinen Rat im Kopf? Ihre Wege sind unerschließbar. Vielleicht spendet diese Energie im Moment woanders Wärme und Licht und Leben. Energietransfer auf überirdischen Ebenen. Konzentriert, fokkusiert, verdichtet, universell bündelt sich gegen Hass und Gewalt. Die Welt verschwindet. Die mir sichtbaren Grenzen beschreiben die Welt, die gerade noch existiert. Jenseits nur Nichts, Leere, schwarz. Aller verfügbare Energie 2. Grades versammelt in meiner Wahrnehmung. Aber warum, wozu, auf welchen Wegen?

Sagt mir es doch. Ich muss warten. Auf meine Bewährung und meinen Tag. Wenn ich gerufen werde. Um zu retten, um dem Grausamen die Stirn zu bieten. Heraus aus meiner bequemen Schutzzone. Wo die harte Wirklichkeit mich konfrontiert mit meiner Angst, mit meiner Stärke und mit dem wahren Ausmaß meiner Persönlichkeit. Dann wird es ernst und es gilt mutig Farbe zu bekennen. Werde ich scheitern? Werde ich sterben? Werde ich versinken im Wahn - endgültig?

Ich brauche euch. Ihr Stimmen und euch Menschen, um meine Angst zu besiegen und meinen Mut zu finden. Ich weiß, es wird noch dauern. Ich bin noch nicht so weit.

Bleibt bei mir. Verlasst mich nicht. Ich brauche euch, wie ihr mich braucht.

Menschenrechte brauchen Menschlichkeit. Ich werde mein Bestes tun.

Den Toten zum Gedenken

Hildur:
20 Jahre Freunde
Am Leben verzweifelt
An Verbitterung und Hoffnungslosigkeit gestorben 2014

Uschi:
Selbsthilfekollegin
Powerfrau
Für Psychiatrieerfahrene gelebt und gestorben
Herztod 2010

Klaus:
Selbsthilfefreund
Eindrucksvolle Persönlichkeit
Gewünschter bester Freund
Im Dienste der Psychiatrieerfahrenen gestorben
Herztod 2015

Melanie:
Unerfüllte Liebe
Dann gute Freunde
Jahrelang schwer gelitten
Erlöst durch Suizid 2004

Thomas:
Naher Freund
Aufgegeben trotz guter Chancen
Tod im Affekt, im Wahn
Durch Suizid gegangen in den 90ern

Tante Lina:
Herzensgute Tante
Mutters Vertraute
Kraftvoll und optimistisch
Zu früh gestorben 2010

Marianne:
Mutters beste Freundin
Ihr Tod brach Mutter das Herz

Gitta:
1992 erste Begegnung im Bürgerhosptal
Um die 60 im Jahr 2016 gegen den Krebs verloren

Geliebte Mutter:
Vermutlich Lungenembolie
2014 gestorben

Geliebter und gefürchteter Vater:
Bauchaterienaneurysma
1998 gestorben

Wie sich alles ändert

Sonntagnachmittag
Endlich für Musik entschieden
Nach depressiv gebremsten Telefonieren
Dose Energy Drink geöffnet

Mal wieder Flucht ins Schreiben
Früher stundenlang in Kneipen und Cafés
Jammerlyrik
Heute im trauten Heim
Wohlgestaltet von der lieben Ehefrau

Wie sich das Leben ändert

Heute sind die Abstürze eher erträglich

Früher Zeilen verfasst in einem kleinen Otavheft unterwegs
Oder am Desktoprechner in Worddateien
Stundenlang
Leitzordner gefüllt

Heute wird geschrieben
Mit dem Tablet auf dem Bauch im Bett oder auf dem Sofa
Mit dem Smartphone im Zug
In Facebook
In meinem Blog
In Evernote
eMailing findet meist mobil statt
Tausende Dateien gespeichert

Wie sich die Zeiten ändern

Früher Musik aus starkem Onkyoverstärker
Mit großen Standboxen
Über 100 Watt
Plattenspieler, CD-Player, Kassettendeck

Heute Musik aus kleinem Bose Mini Soundlink Lautsprecher
Mobil, mit Akku und Bluetooth
Gestreamed mit MP3-Sammlung aus Play Musik von Google
Oder per Streamingabo bei Spotify
Die CD-Sammlung verstaubt in Klappboxen im Keller
Langspielplatten längst verschenkt

Wie sich die Welt verändert

Früher
Initiative Psychiatrie-Erfahrener Stuttgart
Selbsthilfeverein Offene Herberge e.V. mit EX-IN Stuttgart
Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Würrtemberg e. V.

Heute
Selbsthilfe mit Köpfchen e.V. Freiburg
EX-IN Südbaden
Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg Ravensburg

Wie sich die Arbeit ändert

Früher eine Frau nach der anderen
Kurz und knapp
Dann wieder Single
Einmal 8 Jahre brutto
Einmal 6,5 Jahre
Einmal 2 Jahre
Getrennte Wohnungen selbstverständlich
Mehr nicht

Heute verheiratet
Umgezogen
Von Stuttgart 200 km entfernt
Nach Teningen bei Freiburg
Ein Paar, eine Wohnung
Treue garantiert
Die Nadel im Heu gefunden

Vater tot
Mutter tot

Wie sich die Liebe ändert

Freitag, 17. Juni 2016

Zwang und Gewalt in der Psychiatrie

War heute auf einem Podium in Tübingen zum Thema "Zwischen Zwang und Verelendung". Da wurde das Vergangene wieder lebendig. Die erste Standortbestimmung in der ich mich für Zwangsbehandlung ausgesprochen hatte. Die Rede im Landtag, als ich von den eigenen Leuten ausgebuht wurde. Der Rausschmiss aus dem BPE. Die Diskussionen mit Gabriele Brenner und anderen. Die Kehrtwende zur Contraposition gegen Zwangsbehandlung. Die erneuten Diskussionen in der Öffentlichkeit. Und dann zu guter Letzt meine gewählte Enthaltung zu diesem Thema.

Nun also wurde ich wieder befragt. Nach der Lektüre des Beitrags von Valentin Aichele, dem Leiter der Monitoringstelle zur Behindertenrechtskonvention, war ich aktuell eher auf gegen Zwangsbehandlung eingestellt. Ich argumentierte mit den Menschenrechten als Maß aller Dinge. Dann kamen wieder die Argumente von den vielen durch Zwangsbehandlung geretteten Menschen.

Ein unauflösbares Spannungsverhältnis zwischem dem Recht auf Selbstbestimmung in dem Sinne, dass die Patienten bei krankheitsbedingter Einsichtsunfähigkeit durch Zwangsbehandlung die Selbstbestimmung zurückgewinnen können und andererseits dem Recht auf die Unversehrtheit der Person und der Menschenwürde. Der Gesetzgeber hat sich für ersteres entschieden.

Ein Thema bei dem sich die Geister scheiden oder es aufgegeben wird ein endgültiges Ja oder Nein zu fordern. So habe ich mich entschieden. Ich tendiere mal da und dortin, aber mehr nicht. Aber der Gesetzgeber muss sich entscheiden und spricht sich für die Zwangsbehandlung aus, wenn auch mit hohen rechtlichen Hürden.

Auch aus meiner eigenen persönlichen Erfahrungen mit Fixierung und Zwangsspritze war ich mir bisher nicht sicher, ob die Zwangsmaßnahmen akzeptabel waren oder nicht. Heute sage ich sie wären allesamt vermeidbar gewesen, denn wirklich gewaltbereit war ich nicht und ein angemessener empathischer Umgang hätte mich dazu gebracht Psychopharmaka zu nehmen.

Aber nun möchte ich mich von diesem Thema wieder distanzieren, da es mich zu sehr aufwühlt und in innere Konflikte bringt.

EX-IN ist angesagt und da stehe ich zu 100 Prozent dahinter.