Freitag, 17. Juni 2016

Zwang und Gewalt in der Psychiatrie

War heute auf einem Podium in Tübingen zum Thema "Zwischen Zwang und Verelendung". Da wurde das Vergangene wieder lebendig. Die erste Standortbestimmung in der ich mich für Zwangsbehandlung ausgesprochen hatte. Die Rede im Landtag, als ich von den eigenen Leuten ausgebuht wurde. Der Rausschmiss aus dem BPE. Die Diskussionen mit Gabriele Brenner und anderen. Die Kehrtwende zur Contraposition gegen Zwangsbehandlung. Die erneuten Diskussionen in der Öffentlichkeit. Und dann zu guter Letzt meine gewählte Enthaltung zu diesem Thema.

Nun also wurde ich wieder befragt. Nach der Lektüre des Beitrags von Valentin Aichele, dem Leiter der Monitoringstelle zur Behindertenrechtskonvention, war ich aktuell eher auf gegen Zwangsbehandlung eingestellt. Ich argumentierte mit den Menschenrechten als Maß aller Dinge. Dann kamen wieder die Argumente von den vielen durch Zwangsbehandlung geretteten Menschen.

Ein unauflösbares Spannungsverhältnis zwischem dem Recht auf Selbstbestimmung in dem Sinne, dass die Patienten bei krankheitsbedingter Einsichtsunfähigkeit durch Zwangsbehandlung die Selbstbestimmung zurückgewinnen können und andererseits dem Recht auf die Unversehrtheit der Person und der Menschenwürde. Der Gesetzgeber hat sich für ersteres entschieden.

Ein Thema bei dem sich die Geister scheiden oder es aufgegeben wird ein endgültiges Ja oder Nein zu fordern. So habe ich mich entschieden. Ich tendiere mal da und dortin, aber mehr nicht. Aber der Gesetzgeber muss sich entscheiden und spricht sich für die Zwangsbehandlung aus, wenn auch mit hohen rechtlichen Hürden.

Auch aus meiner eigenen persönlichen Erfahrungen mit Fixierung und Zwangsspritze war ich mir bisher nicht sicher, ob die Zwangsmaßnahmen akzeptabel waren oder nicht. Heute sage ich sie wären allesamt vermeidbar gewesen, denn wirklich gewaltbereit war ich nicht und ein angemessener empathischer Umgang hätte mich dazu gebracht Psychopharmaka zu nehmen.

Aber nun möchte ich mich von diesem Thema wieder distanzieren, da es mich zu sehr aufwühlt und in innere Konflikte bringt.

EX-IN ist angesagt und da stehe ich zu 100 Prozent dahinter.

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