Donnerstag, 4. August 2016

Bis Asche aus mir wird

Über Facebook und die Nachrichten schauen wir in eine Welt, die sich radikalisiert, die kriegerischer wird, wo Vertreibung, Gewalt, Folter und Mord Tagesordnung ist.

Ich rette mich in meine kleine Welt. Ein kleiner Rentner, mit einer psychischen Belastung und mit dem gelegentlichen Irrglauben wichtig zu sein.

Ich gehe gewohnte Wege, bin abends zuhause und mache meine Urlaube im Umkreis von maximal 200 Kilometer. Meine Sorgen beschränken sich darauf, dass meine Frau gesund bleibt und wie es mit meiner kranken Schwiegermutter weitergeht. Ein Leben wie im Paradies.
Auch eine Art des Wegsehens. Wäre es nicht notwendig Farbe zu bekennen? Gegen Krieg, gegen Rassismus, für Frieden und Freiheit für alle Menschen, für die Liebe? Laut werden, schrein, sich empören?

Wenn ich andere frage, wie sie mit der Weltlage zurecht kommen, antworten sie, ein guter Mensch im nächsten Umfeld sein und ansonsten weiterleben wie bisher - am besten ohne schlechtes Gewissen. Genügt das? Aber was soll ich tun. Ich veröffentliche meine Meinung in Facebook und ansonsten bin ich in einem mehr oder weniger apolitischen Umfeld. Will die Psychiatrie verbessern, psychisch leidenden Menschen helfen - aber ja nicht über den Tellerrand blicken.

Mir gefallen Konstantin Wecker, Eugen Drewermann und seit kurzem Sarah Wagenknecht. Aber eher weil sie mir imponieren. Ihr Mut, ihre Bildung und ihre Konsequenz. Ich selbst fühle mich da manchmal wie ein Abziehbild. Ich werde ja schon unsicher, wenn die Nachbarin im Netz Stimmung gegen Flüchtlinge macht oder wenn andere mich mit ihren Ängsten vor der Islamisierung Deutschlands anstecken. Wo ist sie hin, die Willkommenskultur?

Europa rückt nach rechts und ich halbherzig nach links. Morgen werde ich zum Arzt gehen und mittags zur Vorstandssitzung - alles wie gehabt.

Ach ja, und dann noch kurz mal wieder einen Jammertext loslassen, wie schlecht die Welt und wie schlecht ich selbst bin. Bis die Augen zufallen und Asche aus mir wird.

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