Montag, 15. August 2016

Haushaltstagebuch - let's go

So diesmal möchte ich mich einem für mich schwierigen und sehr persönlichen Thema widmen, nämlich der Selbstständigkeit:

Es fing bei mir schon sehr früh an. Ich erkrankte mit 9 Jahren an einer schweren Hirnhautentzündung, die ich nur knapp überlebte. Es war aber eine seltene Form und Gott sei Dank konnte ich danach wieder normal am Schulunterricht teilnehmen. Ich schaffte es sogar nach 100 Tagen Klinikaufenthalt ohne Sitzenbleiben durchzukommen. Ich war trotzdem immer ein relativ guter Schüler - nie Spitze, immer so zwischen 2 und 3.

Aber schon damals wurde ich das Sorgenkind der Familie und wurde meinem Bruder vorgezogen. Zumal der schulisch nicht so erfolgreich war wie ich und kein Abitur machte.
Genau vor diesem Abitur erwischte mich dann mit 19 Jahren meine erste Psychose und ich durchlebte die schizophrene Hölle, wobei ich nicht weiß, was schlimmer war, die Erkrankung oder die Erlebnisse in der Psychiatrie von 1981 -  das beeinflusste sich ja auch gegenseitig.
Also wurde ich wieder das Sorgenkind und dieses Image legte ich bei meiner Mutter bis zu ihrem Tod 2013 nicht mehr ab. 

1992 verlor ich in Horb meine Anstellung und zog für 10 Jahre wieder zurück ins Elternhaus - ins Hotel Mamma. Ich fiel 5 Jahre in eine schwere Depression. Ich redete kaum noch, lag viel im Bett und auf dem Sofa, spürte nur noch Schwere und Verzweiflung und verlor jegliches Selbstwertgefühl. Auch hier beeinflussten sich zwei Fakten gegenseitig. Auf der einen Seite war die Depression, aber auf der anderen Seite auch die übertriebene Fürsorge meiner Mutter. Ich hatte ja noch nie etwas zuhause im Haushalt tun müssen, aber jetzt bekam ich jeden Handgriff abgenommen. Ich hospitalisierte sozusagen im Elternhaus. 

2002 zog ich dann ganz unerwartet in eine eigene Wohnung. Aber auch hier unterstütze mich meine Mutter permanent im Haushalt. Ich verbot ihr mal sogar mich in meiner Wohnung zu besuchen, was ich 3 Monate aushielt - dann freute sie sich, als ich sie wieder um ihre Unterstützung bat.

Bis heute habe ich es nicht geschafft ein selbstständiger Mann zu werden. Von 2002-2010 lebte ich so recht und schlecht alleine - wie gesagt: mit der Unterstützung meiner Mutter. Als ich dann mit Karin, die ich 2010 heiratete, zusammenzog, lernte ich viel dazu. Allerdings hielt ich das nicht lange aus. Meine Betätigung im Haushalt wurde immer weniger.. Die Küche wurde mein Gebiet, das heißt ich koche für uns und halte die Küche so einigermaßen in Ordnung. Die Wäsche macht Karin und den Rest auch. Immerhin gehe ich meistens Einkaufen. Aber das eigentliche Management des Haushaltes macht Karin.

Schon bevor wir zusammengezogen sind, habe ich auf einem Autobahnrasthof einen Magnet mit der Aufschrift "Auf die Meinung des Hausherrn kommt es hier nicht an. Fragen Sie die Managerin" gekauft. Das ist wohl schon überzogen formuliert, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt schon drin, denn die eigentliche Managerin unseres Alltages ist Karin, weil ich dazu nicht in der Lage bin und es mir auch diesbezüglich sehr bequem mache. Das heißt, ich darf mich nicht beklagen, denn es läge ja an mir, diesen Zustand zu ändern. 

Aber wie bekomme ich das hin? Antwort: Mit einem starken Willen und Disziplin. Aber vor allem an letzterem mangelt es mir immer schon. Ich lebe schon immer vorwiegend nach dem Lustprinzip. Bei meiner Arbeit bin ich diszipliniert, aber sonst gehe ich meist den bequemen Weg - wie es mir schon seinerzeit mein Vater vorgeworfen hat.

So, bevor mein Post jetzt aber vor Selbstmitleid drift, möchte ich betonen, dass alleine ich dafür verantwortlich bin, wie ich lebe. Sicherlich hat mich meine Erziehung geprägt und meine Erkrankung hat mich auch stark daran gehindert einen selbstständigen Weg zu gehen, weil ich zeitweise schon auf die Hilfe meiner Eltern angewiesen war. Aber ehrlich gesagt, hätte ich schon die Gelegenheit gehabt, mich zu ändern - wenn ich wirklich gewollt hätte.

Und so habe ich in vielen Gesprächen mit vielen Sozialarbeitern und Psychologen diese Themen beackert und nicht hat sich geändert. 

Nun stellt sich also die Frage: Ist das Alles noch zu ändern oder nicht? Eigentlich vertrete ich ja die Haltung, dass man/frau sich bis ins Alter hinein noch ändern kann. Ist heute der erste Tag der Änderung? Soll ich ein Haushaltstagebuch führen? Ich liebe es doch Daten zu erfassen, wie ich es jetzt mit meinem Schrittzähler tue, um mich mehr zu bewegen. Ist doch vielleicht wirklich eine gute Idee?

Ok, heute ist der erste Tag meines restlichen Lebens. Let's go Haushaltstagebuch.

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