Montag, 13. November 2017

Bericht von den EX-IN-Interventionstagen Hannover 6./7.11.2017

Bericht
von den Interventionstagen des Vereins EX-IN Deutschland am 6./7.11.2017 in Hannover

1. Tag 6.11.2017

I. Plenum Vernetzung

A) Wahl der Landessprecher:

MEINUNGSBILD

1. Gewählt werden dürfen nur Mitglieder von EX-IN D. Wählen dürfen nur Mitglieder von EX-IN Deutschland.
bekam wenig Stimmen, da es noch zuwenige Mitglieder von EX-IN D gibt und die ganze EX-IN Bewegung mitgenommen werden soll. Die Verhältnisse in den Ländern sind zu unterschiedlich. Teilweise mehrere (konkurrierende) EX-IN Vereine. Teilweise Einzelkämpfer. 

2. EX-IN Deutschland entscheidet jeweils über die Landessprecher-Vorschläge aus den einzelnen Ländern
bekam eine klare Mehrheit, da so individuell durch EX-IN Deutschland auf die Bedingungen in jedem Bundesland eingegangen werden kann. 

Problem: In den Ländern haben sich in der Zwischenzeit sehr unterschiedliche EX-IN Strukturen gebildet, die im Moment nicht von EX-IN Deutschland durchdrungen sind. Die Länder waren schneller als EX-IN Deutschland 

B) Diskussion über Vernetzung allgemein

Hauptproblem ist, das niemand einen Überblick über die GenesungsbegleiterInnen hat. Ais Datenschutzgründen existieren keine Listen. Nur jeder Standort kennt seine EX-INlerInnen. Die Integration ist in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich weit fortgeschrittenen. Obwohl EX-IN Deutschland alle Zertifikate ausgestellt hat, sind dort nur die Namen der GenesungsbegleiterInnen bekannt ohne Kontaktdaten. 

II. Austausch Trainernetzwerk

Eingangsrunde, Themensammlung, Statements
  • NRW hat 4 Standorte, bis zu 7 parallel verlaufende Kurse, Parallelstrukturen
  • Selbstständigkeit mit EX-IN 
  • Sachsen-Anhalt: erst 1 Kurs
  • Wie therapienah ist EX-IN? 
  • Achberger Themenvorschläge
    • Wie umgehen mit Kursabbrüchen?, Anforderungen zu hoch? 
    • Aktualisierung des Curriculums und Einführung neuer Methoden
    • Refreshkurs für Trainer für neues Wissen und neue Methoden
    • Problem: Ablehnung des Portfolios
    • Matching: Wie findet der Absolvent genau den für ihn passenden Job?
    • Wie kann die Qualität der Kurse und der Trainer gesichert werden?
  • Grundproblem: EX-IN zwischen Finden eines Arbeitsplatzes und Selbstentwicklung
  • Reflexion misslungener Arbeitsverhältnisse, d. h. warum sind manche EX-INlerInnen am Arbeitsplatz gescheitert 
  • Wie kann Vernetzung der GB nach dem Kurs gefördert werden. 
  • Wichtig: Trainer müssen Zeit für gegenseitigen Austausch haben
  • Problem: Wenn Trainer nicht miteinander harmonieren.
  • Wie kann die EX-IN Bewegung gestärkt werden? Lobbyarbeit?!
  • Wagenbrenner:
    • Klärung des Begriffs "Ausbildung"
    • Umgang mit Kursabbrüchen 
    • Eignung und Qualität der KursteilnehmerInnen und des Kurses. Auswahlverfahren 
  • Sielaff: Es gibt (seltene) internationale Treffen, um die Module weiter zu entwickeln. Wichtig ist, dass darüber ein Austausch der Trainer untereinander stattfindet. 

PAUSE, Strukturierung der Themen

Qualität der Tandemarbeit, Qualität der Trainer
  • Am Anfang herrscht zwischen den Trainern meist Harmonie. Die Tandems entwickeln sich. Spannungen und Konflikte können entstehen. 
  • Achberger plädiert
    • durchgängige Begleitung des Kurses durch die Trainer
    • gemischt-geschlechtliche Tandems
    • Rollen klären (vor allem bei Erfahrenen-Trainern mit Sozialberuf) 
      • Profi bringt Profierfahrung ein
      • Erfahrenentrainer bringt Genesungserfahrung ein
      • Es muss immer klar sein in welcher Rolle gerade gesprochen wird. 
    • Wenn der Trainer zugleich für die Organisation des Kurses zuständig ist, kann das Probleme geben. Rollenkonflikt: Finanzen, Interessenkonflikt Träger-Trainer, Überlastung des Trainers
  • Wichtig: Zeitnahe Reflexion der Trainer über das, was im Kurs geschehen ist. Was war gut, was war schlecht,... 
  • Spannungsverhältnis: Wie sehr ist der Trainer Moderator oder Mitdiskutant? 
  • Die Aufgaben des Trainers verändern sich im Laufe des Kurses. Vieles automatisiert sich. Mehr Raum für den Fokus auf die Entwicklung der Teilnehmer eröffnet sich. 
  • Fragen zur Rolle des Trainers: Wieviel Bindung gehe ich ein? Wie sehr bin ich Therapeut? Wieviel Distanz muss ich wahren? Soll ich bei Treffen außerhalb des Kurses dabei sein? Darf ich mich befreunden? 
  • In gewissen Abständen die Teilnehmer fragen, was sich bei ihnen verändert hat. 
  • Wie sehr bringt sich der Erfahrenentrainer mit seiner eigenen Geschichte ein? 



Umgang mit Kursabbrüchen und mehr
  • Fokus auf Arbeitsplatzsuche baut Druck auf und kann überfordern. Ergebnisorientierung kann belasten. 
  • Es gibt in manchen Kursen Teilnehmer deren Finanzierung noch nicht gesichert ist. Ist das sinnvoll? Inwieweit sollte das Geld darüber entscheiden, ob ich den Kurs machen kann/darf, wenn ich geeignet bin? Bsp: 1 Teilnehmer hatte erst im 12. Modul seine Finanzierung. 
  • Problem: Ausschließen eines Teilnehmers durch die Trainer. Ablehnung eines Portfolios? 
  • Es ist fast schon normal, dass im Kurs Krisen auftreten. Die Teilnehmer unterstützen sich auch gegenseitig. Rollen klären. 
  • Exkurs zur Finanzierung 
    • In Hamburg gibt es Einzelfallentscheidungen des Jobcenters den Kurs zu finanzieren 
    • Holtmann: Jobcenter sind nicht auf AZAV Zertifizierung angewiesen. Haben Ermessensspielraum. Finanzierung sollte vor Kursbeginn geklärt sein. 

Therapienähe des Kurses, Ergebnisorientierung vs. Persönlichkeitsentwicklung
  • Übliche Formulierung: EX-IN ist keine Therapie, hat aber therapeutische Effekte
  • Frage: Was genau ist therapeutische Wirkung? Was ist Therapie? 
  • Umgang mit Krisen
    • Berlin: Wenn Teilnehmer rausgehen wg. Krisen, gehen Trainer nicht hinterher
    • Teilnehmer sollen selbst für ein Hilfenetz sorgen, das sie während des Kurses begleitet. Zum Beispiel Patenschaften. 
    • Holtmann: Trainer sollten immer gesprächsbereit sein bei Krisen
    • Eigenverantwortung der Teilnehmer stärken und beachten
    • Achberger: Ständige Reflexion über die Teilnehmer. Auch Einzelgespräche werden durchgeführt. 
    • Wird auch gemacht: Nach 5 Modulen Einzelgespräch über den Stand des Teilnehmers. 
    • Sielaff
      • Aus der Schilderung von Genesungswegen dürfen keine Krankheitsgeschichten werden. 
      • EX-IN wirkt immer therapeutisch, schon vom Ansatz her. Die Frage ist, wie mit dieser therapeutischen Wirkung umgegangen wird. EX-IN will durch die Reflexion und Bearbeitung von Erfahrungen einen Recoveryweg anstoßen, das ist therapeutisch. 
    • Achberger: der erste und wichtigste Schritt ist, dass der Teilnehmer zu einer positiven Identität findet. 
    • Mücke: Sie wolle nicht therapiert werden, sondern qualifiziert. 
    • Meinung: Der Trainer muss nicht immer da sein, wenn es einem Teilnehmer schlecht geht. Er ist kein Therapeut. 
    • Sielaff: Der Trainer muss die Dinge in der Hand haben und den Überblick bewahren. Er hat die Verantwortung für den Prozess. 
    • Achberger: Für mich ist EX-IN Erwachsenenbildung und keine Therapie. Obwohl ich selbst Therapeutin bin, arbeite ich im Kurs nicht therapeutisch. 
    • Was wirkt bei EX-IN? Was sind die Wirkfaktoren? Es gibt keine Evidenzstudien für EX-IN. Das ist aber für Kostenträger wichtig. Gruppendynamik wird zu wenig beachtet.
  • Sielaff: EX-IN ist nicht mit anderen Kursen vergleichbar. Nirgendwo wird in dieser Weise mit Erfahrung gearbeitet. 
  • Genesungsbegleiter ist kein Traumberuf, d. h der Lebensweg hat eher zwangsweise dorthin geführt. Aber auch Profis haben Brüche in ihren Biografien. 

Der Vorstand wird ein weiteres Trainer-Treffen organisieren, wo konkret an den Modulen gearbeitet wird. Die Trainer sollten aber was Vernetzung anbelangt Eigeninitiative entwickeln. Eine Idee ist die Organisation von regionalen Trainertreffen. 

Fazit: Das Treffen war ein freier Erfahrungsaustausch. Die Themensammlungsrunde dauerte sehr lange und sehr viele unterschiedliche Themen wurden genannt. Auch nach  der Themenstrukturierung in der Pause wurde nicht konsequent an Themen gearbeitet. Es bleibt eine gewisse Beliebigkeit und Ergebnisoffenheit, die vielleicht typisch für Interventionsgruppen sind. 

2. Tag 7.11.2017

Statement Achberger 
  • Arno Deister, der aktuelle Präsident der DGPPN, setzt sich dafür ein, dass GenesungsbegleiterInnen in die neue PsychVVG aufgenommen werden. 
  • Wichtig ist es, sich in den Ländern über die Liga dafür einzusetzen, dass GenesungsbegleiterInnen in die Landesrahmenverträge zum Bundesteilhabegesetz als Fachkräfte aufgenommen werden. Rainer Höflacher ist Mitglied der AG Landesrahmenvertrag des Sozialministeriums Baden-Württemberg in der Leistungserbringer, Leistungsträger und Leistungsberechtigte vertreten sind. In Berlin sind GB bereits im Landesrahmenvertrag genannt. Es muss explizit GenesungsbegleiterInnen drin stehen. 
  • Der Vorstand von EX-IN Deutschland soll auf die Fachstelle Bundesteilhabegesetz zugehen und GenesungsbegleiterInnen für die Fortbildungen zur Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung vorschlagen. 
  • Die S3-Leitlinie Psychosoziale Hilfen soll bzgl. GenesungsbegleiterInnen von den Anwesenden angeschaut werden. 

Es gibt bei EX-IN Deutschland folgende AGs:
  1. AG Curriculum 
  2. AG Forschung 
  3. AG Regionalisierung / Landessprecher
  4. AG Qualität 

Das Plenum verteilt sich in diese AGs und arbeitet in Kleingruppen an den zugehörigen Themen. Danach berichten die AGs ihre Ergebnisse im Plenum. 

A) AG Curriculum 

Sielaff bietet an Standorte, die neue Module oder Fortbildungen anbieten, persönlich zu unterstützen. Man solle direkt auf sie zugehen. 

1. Wissenserweiterung zu den Modulen

Um zu erreichen, dass das Wissen um die Umsetzung der Module steigt, einigt man sich auf folgende 4 Schritte, die zuerst in einem Experiment am 1. Modul für die anwesenden 6 Trainer getestet werden sollen:

1. Die Materialien der anwesenden 6 Trainer zum ersten Modul werden an Jana Westfal gemailt. 
2. Jana sortiert die Materialien vor, kategorisiert eventuell und stellt sie in einer Dropbox allen zur Verfügung. 
3. Wenn sich ein Trainer von einer Ausarbeitung angesprochen fühlt, ruft er beim Autor an und tauscht sich über deren Inhalt und Absicht aus. Beide erweitern so ihr Wissen. 
4. Die AG Curriculum trifft sich bei der Jahrestagung in Berlin im Februar und bewertet den Verlauf des Experiments. 

2. EX-IN Weiterbildungen 

Die Anwesenden sammeln, was in den einzelnen Regionen bzgl. Weiterbildungen gemacht wird. 
  • Netzwerktreffen (GB und Profis treffen sich in Berlin) 
  • Trialogische Workshops
  • Fachtagungen
  • Hamburg
    • Weiterbildung für GB in Arbeit
    • Fortbildung für GB zum Thema Suizidalität / Suizid
    • Partizipative Forschung (überegionales Modul 1 und 2
    • Peerarbeit bei Kinder psychisch kranker Eltern
  • ......

Es werden Themen für Fortbildungen gesucht:
  1. Praxis als arbeitender GB
  2. Rollenschärfungen
  3. Gruppendynamik
  4. Offener Dialog 
  5. Suizidalität 
  6. Tandems in der Praxis
  7. Qualitätssicherung 
  8. Konzeption und Durchführung von Recoverygruppen

Ergebnis: Sielaff und Aumann konzipieren eine trialogische Weiterbildung zum Thema Gruppendynamik an. 

B) AG Landessprecher

1. Landessprecher wünschen, dass ihnen ihre Fahrt- und Übernachtungskosten ersetzt werden. Sie werden einen entsprechenden Antrag an den Vorstand von EX-IN Deutschland stellen. 
2. Als Ziel wünschen sich die Landesaprecher, dass in den Ländern Landesverbände entstehen und wenn möglich auch so heißen. 
3. Es wurden 2 Sprecher des Landessprecherrates für 2 Jahre gewählt 
  1. Andrea Sülzle (Baden-Württemberg) 
  2. Wolfgang Pohlmann
4. Das nächste Treffen des Ländersprecherrates ist am 25.2.18 in Berlin im Rahmen der Jahrestagung. 

C) AG Forschung

4 Themen wurden besprochen:
  1. Erforschung der persönlichen Recoverywege von GB
  2. Erforschung der EX-IN Kurse
  3. Publikationen der Texte von Lebensgeschichten von GB
  4. Vernetzung 
Erforschung der Kurse
  • Welche Erhebungsinstrumente gibt es? 
  • Wie sehen die Wirkfaktoren von EX-IN aus? Wirkungsforschung
  • Die gefundenen Instrumente (Fragebögen) frühzeitig an Kurse weitergeben (auch über die Trainer der Trainerkurse)
  • Forschungsdesign entwickeln
D) AG Qualität 

Grundproblem: Standards vs. Vielfalt

Themen für die Qualität sind:
  • Nachholzeiträume, z. B. können Module nach Jahren noch nachgeholt werden. Wieviel Module können nachgeholt werden? 
  • Arbeiten als GB ohne Zertifikat 
  • Gruppengröße nach oben begrenzen
  • Standardisiertes Bewerbungsverfahren 
  • Qualität eines Kurses feststellen und sichern
    • Prüfkommission am Standort
    • Schriftliche Qualitätsabfragen bei den KursteilnehmerInnen 
  • Nachweis der Qualität nach außen. Z. B. gegenüber Kostenträgern 
  • Qualifikationsvertrag vorgeben? 
Wichtige Hinweise

  1. Die AG Qualität entscheidet über die Erteilung der Kurszertifizierung! 
  2. Es gilt die Vereinbarung von EX-IN Deutschland, dass bezahlte versäumte Module deutschlandweit kostenfrei an anderen Standorten nachgeholt werden können. 

Samstag, 11. November 2017

Nur für meine Freunde!

[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Glaubst du, dass es das Böse gibt, es in und außer dir ist und dass es mit geistigen Mitteln besiegt werden kann bzw. muss?
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Glaubst du an Kräfte und Fähigkeiten in manchen Menschen, die mit üblichen Mitteln nicht erklärbar sind und die wirksam sind?
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Glaubst du an die Welt jenseits unserer Welt? An die Geistwelt?
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Glaubst du an Jesus und an Gott?
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Für meinen nächsten Sieg gegen das Böse brauche ich Verbündete, den ich habe Angst vor Depression und Wahn.
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Kannst du mir sagen, was du als böse empfindest und was du dagegen tust bzw. tun könntest?

Sonntag, 1. Oktober 2017

Durchhalten lohnt sich

Mit 19 fing es an. Ich erkrankte an einer Psychose, die mein Leben grundlegend verändern sollte. Die erste Psychose war ein wahrer Horrortrip mit Wahnvorstellungen und Ängsten wie aus einem Roman von Stephen King. Inzwischen sind es 17 Aufenthalte in der Psychiatrie - meist in der Geschlossenen - und knapp 25 akute Psychosen inklusive Zwangsmaßnahmen. Gott sei Dank nahm deren Intensität mit den Jahren ab. In den 90ern erlebte ich für 4-5 Jahre eine Zeit, die ich heute meine depressive Hölle nenne. Nichts ging mehr, ich litt fürchterlich und es war schon die Heimeinweisung im Gespräch. Bis 1992 hatte ich es trotz Erkrankung geschafft mein Abitur nachzumachen, eine Ausbildung zum Informatiker abzuschließen und einige Jahre als Softwareentwickler zu arbeiten. 1996 ging dann nichts mehr und ich musste mit 35 Jahren in die Frührente. Erst ab da ging es langsam bergauf. Der Tod meines Vaters, ein neues Medikament und eine neue Partnerschaft waren weitere Gründe dafür, dass es mir besser ging. Aber nachhaltig gerettet hat mich mein intensives Engagement in der Selbsthilfe Psychiatrieerfahrener, das mich bis heute trägt. Doch der entscheidende Schritt zu weitestgehender Genesung war 2010 die Heirat mit meiner Frau Karin. Heute bin ich 56 Jahre alt und führe ein erfülltes Leben, das natürlich auch noch Entwicklungspotential hat. Mein Anliegen ist es, mein Erfahrungswissen zu nutzen, um so psychisch erkrankte Menschen zu unterstützen und das psychiatrische Hilfesystem zu verbessern.

Sonntag, 24. September 2017

Einfach 5 Worte

Du lebst, also tu es.

Echt sein

Das Eine ist es, wie gut du die Regeln gelernt hast, die zu einem erfüllten und zufriedenen Leben führen. Das Andere ist es, ob du dich daran hältst. Das Überzeugende ist das Leben, das du führst. Aber oft bleibt es unbemerkt, wenn Worte und Taten nicht übereinstimmen. Nur du weißt sicher, ob du anderen gegenüber du selbst bist. Der Versuch, die Anderen zu täuschen, schadet dir letztendlich, auch wenn es deinem Ansehen nutzt.

Für euch

Was ich dir zu bieten habe, ist der Weg aus der tiefen Nacht der Depression und das Zurück aus der weit enfernten Welt des Wahns. Ich kann dir die Schritte zeigen vom Chaos zur soliden Sicherheit einer geordneten Welt, wenn du das willst. Ich kann dir zeigen, was es heißt nicht aufzugeben und über die Jahre doch voran zu kommen, die seelischen Einschränkungen zu überstehen und zu integrieren.

Aber ich will dir auch nicht eine ausgeglichene, selbstsichere Persönlichkeit vorspielen, die Zweifel und Leiden überwunden hat. Wenn ich dir von Recovery und Empowerment erzähle, dann wisse, dass auch ich noch auf dem Weg bin. Das oft meine Stimmung schwankt, wie ein schlanker Baum im Wind. Habe noch keine langen Wurzeln und festen Wuchs. Vielleicht werde ich daran noch ein Leben lang vergeblich arbeiten.

Ich habe über 20 Jahre Erfahrung mit der Nähe zu anderen psychiatrieerfahrenen Menschen. Kenne ihre Schwächen, ihre Stärken. Es sind mir viele begegnet bis heute. Sie sind meine Kollegen, fast wie eine Familie - egal was du davon hältst.

Ich konnte mir mit den Jahren viel Wissen aneignen, das ich dir gerne zur Verfügung stelle. Nur die Rolle des Genesungsbegleiters kenne ich bis jetzt nur ansatzweise aus eigener Erfahrung. Damit musst du dich begnügen.

Ich freue mich auf dich, auf unser gegenseitiges Lernen, auf deine Freude, deine Trauer, deinen Schmerz und will deine Wut verstehen.

Ich bin für dich da mit allem was ich bin - nicht mehr und nicht weniger.

Samstag, 23. September 2017

Brauche ich ein 4. Leben?

Wie erwartet schaffe ich es nicht täglich abends zu meditieren, Tagebuch zu schreiben und dankbar zu sein. So muss ich es eben machen wann und so oft es geht.

Gestern haben Stefan und ich zum ersten Mal unseren Recoverykurs in Emmendingen geleitet. Es war gut und hat großen Spaß gemacht, einerseits mit den Teilnehmern, andererseits auch mit Stefan. Ich habe den Eindruck, ich habe das ganz gut gemacht. Das gibt mir auch Mut für den EX-IN-Kurs. Ich fühle mich eben einfach wohl mit "meinen" Psychiatrieerfahrenen.

Ansonsten geht es mir zur Zeit ganz gut. Ich bin gut beschäftigt und bin relativ ausgeglichen.

Nächste Woche geht es nach Villingen-Schweningen in die Polizeihochschule - Karin geht mit bummeln in Schwenningen. Und den Tag drauf fahre ich für eine Nacht nach Darmstadt.
Ich lasse es zur Zeit einfach so laufen, ohne großen Änderungswillen. Ich habe ja keinen großen Leidensdruck und so schiebe ich den Beginn meines 4. Lebens vor mir her.

Brauche ich überhaupt ein 4. Leben in dem ich mich mehr um mich kümmere, mehr zu mir selbst und zur Ruhe finde und neue Dinge ausprobiere? Die Motivation und der Wille dazu haben wieder abgenommen.

Die 4 Leben sind:

1. Kindheit und Jugend (1961-1981: 20J)
2. Psychische Leidenszeit (1981-1999: 18J)
3. Selbsthilfearbeit (1999-2017?: 18J)
4. Selbstfindung und Neues (?2017-2035: 18J)

Ich denke, es macht keinen Sinn komplett mit der Selbsthilfearbeit aufzuhören. Dazu liegt mir zuviel daran. Aber zu reduzieren und Neues ausprobieren wäre sicherlich gut.

Donnerstag, 7. September 2017

Liebe ist...

Liebe ist
... ein ganz tiefes positives Gefühl für jemanden oder etwas.
... ein Lebewesen oder eine Sache immer wieder wichtiger nehmen zu können, als sich selbst.
... Rücksicht zu nehmen.
... zu teilen.
... ein Lebewesen an das ich oft denke und das ich vermisse, wenn es länger nicht da ist. Kann auch eine Sache sein.
... wenn ich froh bin, wenn es dem Lebewesen gut geht, das ich liebe. Kann auch eine Sache sein.

Liebe als Heilmittel

Heute mal auf der Suche
Nach Optimismus
Nach Stärkung
Nach Hoffnung
Um dies weiterzugeben
Denn auch das ist in mir
Gute Sätze finden
Nicht auswendig gelernt
Nicht nachgesprochen
Originale schreiben, die soeben geboren
Das ist schwer

Meine erste Frage gilt Gott
Bist du gläubig?
Hat Gott dich verlassen?
Dann sei gewiss, dass du dich irrst

Denk an die Liebe
Entdecke wieder diese Bejahung deiner selbst
Du bist wertvoll
Gehe liebevoll und gnädig mit dir um
Sei dein bester Freund
Entdecke dein Herz für dich
Du bist es wert

Denk an die Liebe
Entdecke herzliche und wohlwollende Gefühle für die Menschen
Für die in deiner nächsten Nähe
Sie freuen sich über ein gutes Wort
Über eine gute Tat
Sie sind es wert, auch wenn es dir anders erscheint
Deinesgleichen zu unterstützen gibt Kraft

Suche ganz tief nach der Liebe in dir
Sie ist sicher da
Suche das warme Gefühl
Für dich
Für die Anderen
Für die Welt

Folge dem Prinzip Liebe
Die Selbstliebe
Die Nächstenliebe

Auch wenn du sie nur in der Ferne erahnst
Auch wenn ihr Licht erloschen scheint
Sie existiert
Glaube an sie
Und es wird besser!

Dienstag, 5. September 2017

Beim Schreiben bist du bei dir

Du bist nicht zum Meditieren gemacht
Du bewegst dich nicht gerne
Wenn du keinen Termin hast
Verbummelst du deine Zeit in der Wohnung
Hörst Musik
Liest
Schreibst
Schaust Video
Redest mit deiner Frau
Oder pflegst deine schmerzende Lustlosigkeit

Aber alle Welt sagt
Ohne Meditation
Ohne Bewegung
Ist alles nichts

Du setzt dir Ziele
Für die dir der Wille fehlt
Die vielleicht gar nicht deine eigenen sind

Wenn du schreibst, bist du bei dir
Keine langen Texte
Kein Buch
Du erzählst keine Geschichten

Du schreibst über Befindlichkeit
Reflektierst stichwortartig
Du öffnest dich und zeigst dich
Sogar der ganzen Welt

Wen interessiert's?
Ein paar Leser wären schön

Jesus - dran bleiben

Jesus brachte uns die Liebe
Die eigentliche Stärke der Schwachen
Die Feindes- und Nächstenliebe
Die Seligkeit der Leisen, Behinderten, Demütigen, Bescheidenen
Jesus war ein friedlicher Revolutionär
Mit Wort statt Schwert
Aber er wusste auch, was er nicht wollte
Er konnte zwischen richtig und falsch unterscheiden

Ich wünsche mir, dass Jesus mein allgegenwärtiger Freund wird
Gott begleitet mich schon ein Leben lang
Aber der Zugang zur menschgewordenen Liebe Jesu scheint mir oft verwehrt

Gerne folge ich deinem Weg
Aber es braucht präsenten Willen, Offenheit und Entschlossenheit
Es geht nicht ohne eigenes Zutun
Ich will dran bleiben

Montag, 4. September 2017

Sei's drum

Du liest meine Fachartikel
Du hörst mich am Rednerpult
Du weißt von meinen Aktivitäten
Vereins- und Gruppengründungen jede Menge
EX-IN Trainer
Vereinsvorstand hier und da
Peer mit Minijob
Da ist ein Macher
Eine Persönlichkeit

Doch was weißt du wirklich von mir?
Die Zweifel in langen Stunden
Genervtsein, schlechte Laune
Das kleine Leben, das ich sonst so führe
Abhängigkeit und Unselbstständigkeit
Eingeschränkte Belastbarkeit

Jetzt öffnen sich deine Augen?
Du fühlst dich abgestoßen?

Sei's drum

Du richtest mit gelernten Werten
Nur wer mit dem Herzen sieht ist offen für die Liebe
Die uns alle retten könnte
Dich
Mich
Die Welt

Sonntag, 3. September 2017

Gewiss es ist in Ordnung

Glück umgibt mich
Ehefrau, Wohnung, Essen
Wunscherfüllung überall
Frieden im Land

Noch schenkt uns das Leben viele Möglichkeiten
Auch wenn es kleine Leben sind

Doch dieser ruheloser Dämon
Macht Genuss zu Seltenheit

Doch Stopp
Wieder eines dieser zahlosen Klagegedichte?

Raus auf den Balkon
Den Abschied des Sommers miterleben
Den Dämon sein lassen
Nicht bekämpfen
Nicht verjagen
Ihn spüren und annehmen
Ihn anhören und sprechen lassen

Und plötzlich sehe ich kurz den Schmetterling hoch über mir dahinflattern
Sie sind so selten geworden
Und plötzlich höre ich die Stimmen aus dem Radio des Nachbars
Und plötzlich nehme ich das leise Rauschen der Blätter wahr

Ein heller Tag im September
Schon merklich kühler

Der Dämon zieht sich zurück in seine Feuerhöhle
Ich weiß, er wird wiederkommen
Vielleicht schon heute Abend

Ich bin gerade nicht glücklich
Auch nicht frei von Schwere
Trotzdem ruhig und gewiss es ist in Ordnung


Sonntag, 20. August 2017

Sonntagmorgenblues

Gestern noch voller Mutmacherworte
Heute schwere Last auf der Brust
Doch wer misst das Gewicht?

So viel wäre möglich
Doch nichts lockt

Gestern noch Lachen und Reden mit dem Bruder
Heute Leere im Kopf und keine Worte
Sonntagmorgen mit seinem besonderen Flair

Einfach warten und da sein

Gefühle fühlen
Und nicht bekämpfen
Die Schwere schwer sein lassen

So viele gute Ideen in Büchern
Kluge Sprüche, kluge Tipps
So viel gelesen, geredet und gedacht

Und nichts gelernt...?

Immer einwenig beschwert
Immer einwenig gebremst
Mal mehr, mal weniger

Grund für mehr Psychopharmaka?

Ich wehre mich
Es ist noch auszuhalten
Trotz allem ich bleiben
Unvernünftig?

Freitag, 18. August 2017

Einfach nur warten und da sein

Er weinte
Hatte "Der Rabe Nikosch" gelesen
Er dachte an seine Selbsthilfegruppe...

An's Vorlesen

Auch das wollte er noch lernen:
Einfach nur warten und da sein

.......................................................
"Der Rabe Nikosch" aus "Deinem Kinderherzen zugeschrieben" von Ulla Schmidt im Ulla Schmidt Verlag

Mittwoch, 16. August 2017

Lass den Großen das Große

Du bist um 6 aufgestanden
Und hast dich mal wieder gefragt:
Was tun?
Was könntest du noch Großes tun in deinem Leben?
Endlich dein Buch schreiben!
Eineinhalb Stunden geplant und gedacht
Dann frustriert beendet
Dein Leben ist klein und du willst groß sein
Du bist bequem und willst erfolgreich sein
Erwache!
Freunde dich mit dem Kleinen an
Sehe dort das Wunderbare
Lass den Großen das Große
Finde alltägliche Wege zum Glück
Und lebe ruhig und geduldig
Vielleicht wird dir irgendwann doch wieder ein großes Geschenk gemacht
Wenn nicht, dann eben nicht



Donnerstag, 10. August 2017

Für meine Freunde

Hallo, mein lieber Freund
Hallo, meine liebe Freundin

Darf ich dich so nennen?
Von mir aus
Von dir aus

Du bist gekommen
Wahrscheinlich wirst du wieder gehen
Wie so viele Menschen in einem langen Leben

Trotzdem bist du ein Schatz
Der Licht in mein Leben bringt

Dein offenes Ohr
Dein Verständnis
Deine Geduld
Eine Heimat für meine Gedanken
Eine Heimat für meinen Schmerz
Ein Echo für mein Lachen
Ein Gegenüber in lichten und dunklen Stunden

Ich bin kein Mensch für's Alleinsein
Bin froh, über unsere Begegnung
Will Erwartungen klein halten
Genießen was ist
Sein lassen, was nicht ist

Wünsche mir, dir auch ein Unterstützer zu sein

Lass uns gemeinsame Wege gehen
Lass uns frei miteinander sein
Wir begleiten uns im wechselhaften Sein und Tun
Und tun uns gut

Ich will dir ein herzliches Danke sagen
Es ist schön, dass es dich gibt

Sei dir dein bester Freund

Sei dir dein bester Freund
Mach Schluss mit den hohen Ansprüchen an dich
Sei wie eine Mutter zu dir
Die bedingungslos liebt
Verurteile dich nicht, sondern sehe deine Schwächen als Besonderheit
Streichle dich in Gedanken
Flüstere dir zärtliche Worte zu
Zeige Verständnis
Akzeptiere deine Schwere, deine Mittelmäßigkeit, deine Blockaden, deine Sprachlosigkeit, deine Bösartigkeit
Vergleiche dich nicht schädlich für dich
Sei wachsam gegenüber deinem Teufel in dir
Der dich klein macht und leidend
Lausche den Stimmen, die dich quälen
Und sage: Stop!
Pflege die Stimme, die dich wohlwollend begleitet
Die dich lobt und dir rät
Hör ihr zu
Lade sie ein
Heiße sie willkommen
Suche ihre Nähe
Lächle den Schmerz weg
Indem du ihn lässt
Er wird gehen wie er gekommen ist
Solange du dir ein Freund bist

Mittwoch, 9. August 2017

Heilung der Seele ist immer möglich

Ich weiß es sicher
Glück ist möglich

Bei allen Tiefen
Bei aller Zerrissenheit
Bei all den quälenden Stunden
Ich weiß es sicher

Es gibt Licht
Auch für dich

Wenn dich das Leben niederdrückt
Wenn die Dämonen in dir spucken
Dich foltern
Der Schmerz unaushaltbar scheint

Dann wisse
Seelenfrieden ist möglich
Auch für dich

Gib nicht auf
Wirf dein Leben nicht weg
Es gibt offene Ohren
Offene Herzen
Suche sie
Kreise nicht um dein Selbst
Um dein Leid
Um dein Schicksal

Deine Qual scheint unendlich
Aber wisse
Heilung ist möglich
Heilung der Seele ist immer möglich

Soviel Deshalb im Angebot

Wo bist du nur?
Wenn ich suche
Wenn ich richtig sein will
Wo bist du nur?
Wenn ich unsicher dem Nachbar begegne
Wenn ich wieder besser sein will

Du hast soviel Deshalb im Angebot

Ich verbanne dich an den Rand
Wie dumm von mir
Ich höre dich nicht
Wenn ich meine Alltagskämpfe kämpfe

Ich verzichte auf deine Geschenke
Für mich
Für die Menschen

Ich wünsche mir ein wacheres Ohr
Für deine Stimme
Für deinen täglichen Rat

Deine Gegenwart heilt

Blick über den Zaun am Morgen

Früher Morgen lockt das Besondere
Michael Jackson hüllt dich ein
Fordert Bewegung
Wieder mal zwischen Suchen und Sein
Die Emotionen sein lassen
Ohne Ergebnis, ohne Fixierung
Dich sein lassen im Eins
Unmöglich
Aber immerhin ein kleiner Blick über den Zaun

Montag, 24. Juli 2017

Ein neuer Tag

Gestern noch schwermütig im Zweifel
Aber heute erwacht der Tag mit neuen Chancen für dich
Auch heute nicht froh gestimmt
Aber doch etwas Hoffnung
Dass du findest was du suchst

Sogar die Sonne findet einen Weg durch die Wolken
Und erhellt für kurze Zeit dein Zimmer

LICHT ist das Ziel deines Strebens
Verbindung zur unendlichen, ewigen Welt
Voller reiner Erfüllung und Freude

Schritte machen hin zur deiner Entwicklung
Ehrgeiz, Geltungssucht, Anerkennung, Euphorie verlieren ihre treibende Kraft
Was bleibt ist Leere und Dunkelheit
für deine suchende Seele

Aber ein göttlicher Funke in dir gibt dir Orientierung
Nicht konkret
Nicht thematisch
Aber deine Werte sind fest verankert

Aktivität
Freiheit
Selbstbestimmter Fortschritt
Wohlwollen den Menschen gegenüber
Alles Kinder der Liebe

Gestern noch schwermütig im Zweifel
Heute ein Hoffnungsschimmer am Horizont
Nicht wirklich froh, immer noch beschwert

Aber ein weiterer Beginn am Morgen des neuen Tages
Nur ein Kompass​, keine Landkarte

Sonntag, 23. Juli 2017

Das Leben, das du dir wünscht

Führst du das Leben, das du dir wünscht?
Wenn ja, warum klagst du dann?
Wenn nein, warum lebst du nicht anders?

Du hast alle Möglichkeiten und änderst nichts

Verloren die Ziele
Kein Brennen mehr für eine Sache

Gefangen
In deinen Gewohnheiten
In deiner Bequemlichkeit
In der Krankheit?

Mit 56 liese sich doch noch was bewegen und gestalten

Wo findest du nachhaltige Motivation
Und nicht ein Strohfeuer nach dem anderen?

Was wollen dir deine Gefühle sagen?

Zeit für ein 3. Leben?
Was? Wo? Wie?
Die letzten 18 Jahre kleben an dir

Führst du das Leben, das du dir wünscht?
Wohl nicht mehr.

Sonntag, 16. Juli 2017

Gelungenes Leben

Es beschäftigt mich immer wieder: Was ist ein gelungenes Leben? Ist es wirklich so, dass letztendlich jeder und jede für sich entscheidet, wann sein oder ihr Leben gelungen ist, oder gibt es verallgemeinerbare Antworten?

Letztendlich hängt das wohl von der Kultur und von den Werten in einer Gesellschaft ab. Wenn Menschen Interesse haben, andere auszubeuten, dann ist für diese ein gelungenes Leben, wenn ihnen dies gelingt. Sowie man ein Leben bewertet setzt man Werte dafür ein. Oder ist jede und jeder davon überzeugt, dass sie oder er zu den Guten gehört? Das kann ich mir angesichts der Unmenschlichkeiten, die geschehen kaum vorstellen.

Sind Werte immer relativ? Sind zum Beispiel die Menschenrechte universell? Leicht haben es die Gläubigen. Sie beziehen ihre Werte aus ihrem Glauben.

Ist es euch wichtig, dass die Gesellschaft nach euren Werten funktioniert oder ist das für euch etwas ganz Individuelles? Wenn ersteres für euch gilt, ist immer ein gewisses Maß an Unsicherheit damit verbunden, wie eure Werte letztendlich wirken. Aber diesem Dilemma kann sich wohl kein Mensch entziehen. Höchstens man hat zu gar nichts eine Meinung.

Ich orientiere mich an den christlichen Werten und vertraue auf Gott. Ansonsten hoffe ich, dass andere Menschen aufgrund meines Lebensstils und meinen Äußerungen meine Werte als attraktiv ansehen. Mit allen Zweifeln, die damit verbunden sind.

Meiner Meinung nach geht kein Weg an der Liebe vorbei - Liebe für sich selbst und Liebe für die Menschen. Alles andere führt zu Schaden und zu Unglück.

1. Meine Großeltern hatten folgenden Spruch an der Wand: Was nütze es dem Menschen, so er die ganze Welt gewänne. Wenn Sünder Welten hätten, was nützten sie im Fluch.

2. Jesus sagt: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.

3. Der Volksmund sagt: Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu.

Ich gehe davon aus, dass es keinen Menschen gibt, der nicht bewertet. Unser Gehirn ist so programmiert. Entscheidend ist, dass wir diesen Bewertungsvorgängen gegenüber aufmerksam sind, diese immer wieder hinterfragen und eventuell ändern. Anderen ihre Freiheit zu lassen, solange sie niemandem schaden und sie nicht zu verurteilen, das wäre optimal.

Also bewerten wir automatisch die Leben der Anderen. Es ist jedoch sehr individuell, wie stark dies beim Einzelnen ausgeprägt ist. Es gibt Menschen, die sehr enge Bewertungskriterien anlegen und die gesellschaftlichen Normen und Gesetze stark verinnerlicht haben und Menschen, die viele Lebensentwürfe als gelungen ansehen können.

Übergreifende Werte, die von vorne herein für alle Menschen Gültigkeit haben, gibt es meines Erachtens nicht. Auch die Menschenrechte müsen erkämpft werden und sind nicht aus der Natur des Menschen, sondern aus der Vernunft geboren.

Die Bewertung eines Lebens ist ein Wechselspiel zwischen dem Selbst und der Gesellschaft. Und da gibt es aus Sicht des Selbst und aus Sicht der Gesellschaft gelungene und weniger gelungene Leben. Inwiefern man für nicht gelungene Leben Verständnis hat, ist eine andere Frage.

Für die Gläubigen allerdings, wird das Leben auf göttlichen Skalen gemessen - was bei falsch verstandenem Glauben zu viel Leid führen kann.






Samstag, 8. Juli 2017

Klassentreffen

Kaum geschlafen
6 Uhr morgens
Noch wirkt das Klassentreffen in mir nach
Meine Worte passieren Revue
Habe ich gerade das gemacht, was ich vermeiden wollte?
Meine Frau, meine Erfolge, meine Rente
Alles andere als cool
Leider hatte ich das wohl nötig
Und dann die Schwärmereien der jungen Jahre
Immer noch attraktiv
Alte ungeliebte Erfahrungen erwachen
Selbst nach 45 Jahren
Aber auch echte Freude über manches Wiedersehen
Ein Erlebnis
So oder so

Beim nächsten Treffen mache ich es besser

Sonntag, 25. Juni 2017

Schreiben sagt Es

Mich zieht es zum Schreiben
Kein Buch
Nur ein paar Sätze
Gedanken festhalten
Kennst du das auch?

Du tauchst ein in eine andere Welt
Dich erfüllt ein Thema
Du suchst Ideen
Du spürst dich nicht mehr
Und trotzdem bist du ganz nah bei dir

Er sieht zu und hofft
Auf seine Fähigkeit zu finden
Auf seine Fähigkeit Neues auszuprobieren

Sie ist sein ganzes Glück
Sie gibt ihm Sicherheit und Struktur
Aber auch sehr viel Alltag
Sie würde sich freuen
Aber auch bremsen

Was schließen wir daraus?
Da wartet ein Potential auf uns!?
Lockt uns da ein neues Ufer
Das Heimat gibt für unser suchendes Ich?

Wohin treibt ihr?
Werdet ihr auch zukünftig Erfüllung finden?

Was sie wohl tun werden?
Oder doch ein Buch?
Oder eine Sammlung "The best of"
Werden sie gut auswählen?!

Ich-du-er-sie-wir-ihr-sie
Es ist wie es ist, sagt Es
Schreiben, sagt Es.