Sonntag, 22. Januar 2017

Denken in Strukturen

Ich frage mich immer wieder, warum ich nicht so empathisch bin, wie ich es gerne wäre und ob sich Empathie (noch) lernen lässt.

Ich bin so erzogen, dass zu tun, was Autoritäten sagen. So war es für mich auch klar, dass ich mich meinem Vater folgend bemühen musste in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern gut zu sein. Ich habe mich in Mathematik und Physik viel mehr angestrengt, als in geisteswissenschaftlichen-sprachlichen Fächern. Auch war für mich klar, dass ich ein technisches Fach studiere, auch wenn ich Deutsch Leistungskurs hatte. Danach arbeitete ich als Programmierer.

Mein Denken war seit vielen Jahren auf Strukturen trainiert. Kann es sein, dass da der Mensch zu kurz kommt? Erst als ich meine Arbeitsstelle verlor und dann letztendlich in die Frührente musste, wendete ich mich aus eigener Betroffenheit den Schwachen und Kranken zu.

Bin ich vom Denken in Strukturen so geprägt, dass mir das Soziale fremd ist und bleibt?

Weniger anders sehen

Ich selbst bin zur Zeit eher in einer Phase der "Selbstreduktion" und die Denkweise "alles ist möglich" durch die Denkweise "weniger ist mehr" zu ersetzen. Wenn Glück von außen bestimmt wird, ist es ein abhängiges Glück. Neues zu entdecken bedeutet nicht, dass man/frau mehr machen muss, sondern vielleicht genügt es, weniger unter einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Nachdem mein Auf- und Ausbruchsversuch gescheitert ist, jetzt die Wende nach Innen.

Es ist so schwierig etwas zu ändern, vor allem, wenn eigentlich alle Wünsche befriedigt sind.

Liebesenergie statt Abgestumpftheit

Eigentlich lebe ich gut. Habe wirklich alles, was ich zum Leben brauche. Aber da ist oft so eine Schwere, die auf mir lastet. Es fehlen große Momente der Freude, aber auch das Leiden ist eher subtil und nicht mehr mit so großen Schmerzen verbunden. Jeder Tag vergeht mit seinen Herausforderungen, ja auch mit seinen Highlights, aber meine Tiefe wird nicht mehr berührt.

Glück ist weniger das, was ich erlebe, sondern wie ich die Welt wahrnehme.

Ich kann mich an zwei ganz große Momente in meinem Leben vor vielen Jahren erinnern. Der Eine war, als ich frühmorgens das vereinzelte Zwitschern eines Singvogels hörte und der Andere, als mich unter der Dusche der in einem Wassertropfen gebrochene Lichtstrahl der Sonne blendete. Diese beiden großen Erlebnisse habe ich auch nach 30 Jahren nicht vergessen.

Aber wie finde ich zu großer Erlebnisfähigkeit zurück? Sicherlich ist die zunehmende Abgestumpftheit auch eine Konsequenz des Alterns.

Wieviel sollte man vom Leben erwarten? Grenzenloses Ausleben von ruhenden Sehnsüchten oder bietet es sich an, sich mit der Beschränktheit der Möglichkeiten abzufinden? Oder hat man/frau da gar nicht die Wahl?

Es gibt immer noch große Tage in meinem Leben, aber erstens werden es immer weniger und zweitens erzeugen sie immer weniger Gefühle in mir.

Soll ich jetzt wieder den großen Aufbruch zelebrieren, nur um wieder an mir zu scheitern oder mich einfach den  Gegebenheiten hingeben?

In den 2 Tagen, als ich meine Erkältung auskurierte und diese im Wesentlichen auf der Couch verbrachte, merkte ich, dass es da noch eine andere Qualität gibt. Nämlich die Qualität des Nichtstuns, des Insichgehens.

Nachdem mein letzter Auf- und Ausbruchsversuch kläglich gescheitert ist, will ich versuchen die Lebendigkeit in mir zu finden und nicht zuletzt Ruhe und Leichtigkeit zu entdecken, die es unnötig machen zwanghaft im außen auf Erlebnisjagd zu gehen.

Wir tragen in uns ein Bild der Welt, das wir selbst in uns verschönern können. Hier setzt jede nachhaltige Veränderung an. Das wirkt sich dann vielleicht auf das Verhalten aus und nicht zuletzt verändert sich dadurch die Welt. Und wenn dann das Freisetzen unserer Liebesenergien für uns selbst, sich transformieren in Liebesenergien, die sich nach außen ausbreiten, dann bringen wir ein Stück Frieden und Wohlergehen in die Welt.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Freitag, 13. Januar 2017

Risiko des Absturzes

(Mein?) Gott befiehlt nicht, er rät mir und manchmal habe ich die Gnade, seine Vorschläge zu erkennen.

Ich bin vom Leben reich beschenkt worden. Ich darf Schwächen haben. Du, der du im beruflichen Existenzkampf lebst, musst Stärke heucheln, wo Angst ist. Es sei denn, du bist größer als ich und bist bereit mit dem erhöhten Risiko deines Absturzes zu leben - trotz Ehepartner, Kinder, Haus und Hof.

Mein Lebenssatz, den ich mit jungen Jahren schrieb "ich möchte mit dem Risiko des Absturzes leben, und nicht​ in einer dumpfen Sicherheit verblöden" verwirklichte ich (nur?) mit meiner psychotischen Störung. Wo wäre ich heute, wenn es Macht und Reichtum geworden wäre?

Ich habe den Absturz überlebt und weiß heute, dass Sicherheit ein hoher Wert ist. Aber wenn ich die Wünsche meines Herzens kenne, dann führt das übermäßige Streben nach Sicherheit zum lebenslangen Unglück.

Mein Vater wollte nie reich werden. Warum genau hat er mir nie gesagt. Ich weiß, dass er Menschen helfen wollte und er wählte dazu das Amt des stellvertretenden Betriebsratvorsitzenden der Stuttgarter Straßenbahnen AG. Für mich ist er eine beeindruckende Persönlichkeit, der an seiner Weichheit gescheitert ist, weil er sie nicht leben konnte.

Sonntag, 8. Januar 2017

Vom Sinn

Bis vor kurzem dachte ich, das der Lebensinn selbst gemacht ist, das heißt, dass wir uns selbst dafür entscheiden können, was wir als unseren Sinn des Lebens wählen können. Nach einigen Gesprächen jedoch, habe ich diese Ansicht revidiert.

Ich denke jetzt, dass es uns mitgegeben ist, was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Es ist uns überlassen, diesen Zweck der Existenz (John Strelecky) zu ermitteln und diesen dann umzusetzen. Wer hier fündig geworden ist, dem stehen große Energien zur Verfügung, seiner Bestimmung zu folgen. Dies birgt auch Erfüllung und Freude für das Leben und den Alltag.

Das Glück findest du bei den Wünschen deines Herzens und dem Mut sie umzusetzen.