Sonntag, 28. Mai 2017

Zum Thema Tagesstruktur

Alle sprechen von der Wichtigkeit der Tagesstruktur für den Menschen. Auch bei psychisch erkrankten Menschen sei es von hoher Bedeutung, dass der Tag nicht nach Belieben verbracht werden soll. Alle bemühen das Wort Tagesstruktur, aber wie ist diese definiert? Wann besteht eine Tagesstruktur und wann nicht? Bei Menschen, die keiner regelmäßigen Beschäftigung nachgehen ist das gar nicht so leicht zu sagen. Wenn ich morgens um 6:30 Uhr aufstehe, um um 8 Uhr in der Werkstatt für behinderte Menschen zu sein, dann gibt es da gar nichts zu diskutieren. Wenn ich jeden Montag, Mittwoch und Freitag zum Mittagessen in die Tagesstätte gehe, dann sind das regelmäßige Termine, die meinen Tag strukturieren. Und tatsächlich trägt das wesentlich dazu bei, dass sich meine psychische Befindlichkeit verbessert. Also ist alles ganz einfach. Ich nehme mir jeden Tag vor aus dem Haus zu gehen, organisiere mir verbindliche Termine außer Haus und ich habe meinen Tag strukturiert. Aber oft funktioniert das eben nicht. Es fällt mir gar nicht so leicht mich aufzuraffen die Wohnung zu verlassen. Dagegen spricht eine Trägheit und Lustlosigkeit, die kaum zu überwinden ist oder meine Symptome verhindern das Rausgehen. Einer meiner Freunde kann aufgrund seiner Angstzustände nur in Ausnahmefällen ins Freie gehen. Nun hat er das Glück, dass er sich für digitale Bildverarbeitung interessiert. Aus diesem Hobby hat er eine Arbeit gemacht. Er sitzt jeden morgen zu einer bestimmten Uhrzeit an den PC und lernt Methoden und Verfahren der Bildverarbeitung. Dies ist auch eine Tagesstruktur, die sich in der eigenen Wohnung vollzieht. Ich bewundere diesen Freund. Woher nimmt er diese Disziplin? Woher nimmt er diese Begeisterung für seine Arbeit, dass er über Jahre hinweg sich seine Motivation erhalten konnte?

Aus meinen schwierigsten Lebenszeiten kenne ich das auch. Ich hatte jahrelang keine Arbeit, hatte schwere Depressionen und wußte nicht, was ich mit meiner vielen Zeit anfangen sollte. Ich ging regelmäßig in die Tagesstätte des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Somit hatte ich einen Grund mich außerhalb der Wohnung aufzuhalten. Aber der Tag ist lang. Das genügte mir nicht. Was tun? Ich kultivierte meine Neigung zum Schreiben. Ich setzte mich fast jeden Tag für mindestens ein halbe Stunde an den PC und schrieb. Einfach meine Reflexionen festzuhalten, Jammerlyrik zu verfassen, wie ich die Gedichte selbstironisch nannte, war ein Ausweg für mich, der Bedeutungslosigkeit meiner langen Stunden zu entfliehen. Und das eigenartige war, dass ich mir über dieses Schreiben eine Art Identität schaffen konnte. In dieser Zeit fühlte ich mich, wie ein Schriftsteller, ein Dichter, obwohl meine Texte alles andere als hohe Qualität hatten. Die Frage, was bin ich, konnte ich somit beantworten. Eine große Hilfe für mich am Leben zu bleiben.

Es stellt sich mir die Frage, ob ein Aspekt der Tagesstruktur die Regelmäßigkeit ist. Aber ich selbst bin ein Gegenbeispiel. Sicher habe ich auch Termine die regelmäßig statt finden. Einmal im Monat eine Vorstandssitzung freitags, zweimal im Monat die Selbsthilfegruppe auch freitags oder jeden Mittwoch meine Bürozeit für meinen Minijob. Aber das genügt nicht die vielen Stunden eines Lebens zu füllen. Der Großteil meiner Termine ergibt sich von mal zu mal im Rahmen meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Selbsthilfe Psychiatrieerfahrener.

Samstag, 27. Mai 2017

Du lebst

Du bist allein. Spotify präsentiert dir Alexandras Lieblingsmusik. Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu. Ohne große Events. Trotzdem Wechselbäder, wie so oft. Die Höhen deiner sprachlichen Fantasien wechselten mit lustloser Schwere. Nun das Resümee eines weiteren Samstags, der dich 24 Stunden kostete. Entwicklung, Stillstand oder Rückschritt. Ist da was, was bleibt? Dein demenzartiges Gedächtnis wird den Tag schrumpfen lassen. Er wird tausenden anderen folgen, die sich auflösten. Vielleicht wird er versinken in den Weiten deines Unbewussten, vielleicht wird er wie ungelebt verschwinden.

Du greifst an dein Herz. Du lebst.

Deine Nahrung sind die Daten deiner schwindenden Erinnerungen. Aber du lebst. Jetzt. Die Gegenwart. Absolute Null zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Deine Brust hebt und senkt sich. Das ist es was wirklich zählt.

Noch.

Alle Lust will Ewigkeit

Die Welt ist in deinem Kopf. An einem ruhigen Samstagnachmittag kann dein Geist explodieren. Ohne Alkohol, ohne Drogen, alleine. Die Wirklichkeit kann sich mit Farben füllen in einem abgedunkelten Zimmer. Nur das Display deines Tablets leuchtet dir entgegen. Laute Rockmusik aus deinem Kopfhörer begleitet deinen Ausflug in die Höhen der Emotionen. Du brauchst gerade kein Gespräch mit Gott, um im Fließen zu sein. Kraft deines Willens hebst du ab. Keine Ziele, keine Ablenkung, keine Psychologie. Du spürst die Kraft des Universums. Du strebst den höchsten Höhen entgegen. Allein durch die Macht des Wortes. Flucht? Vielleicht. Aber das schmälert nicht die Macht des Moments. Dein Atem geht ruhig, aber dein Herz will springen. Deine Fantasie als Mittel zum Glück. Deine Sprache als Himmelsleiter. Von Oben schaust du herab und verstehst nicht mehr die Wehen des Alltags. Depression und Angst treiben tief unten von dir unberührt ihr Unwesen. Das Ende aller Sehnsucht. Das Ende allen Begehrens. Unvollstellbare Kraft bricht in dir auf. Bricht durch die Zeit. Füllt den Raum. Überflutet dich von Innen. Ein Ausflug ins Paradies des reinen Ursprungs. Nichts hält, nichts bremst, nur dein Körper verhindert deine Auflösung. Auf den Wogen der Euphorie treibst du der Erfüllung entgegen.

Alle Lust will Ewigkeit.

Neue Wege aus der Depression?

Du bist mit guter Laune aufgewacht und aufgestanden. Hast viel Whatsapp geschrieben. Deine Serie auf DVD geschaut. Hast dir Cordon Bleu mit Pommes gemacht. Hast dich am Tag und an dir erfreut. Und dann?
Jetzt wäre es an der Zeit, unter die Dusche zu gehen. Raus zu gehen und das schöne Wetter nutzen.
Aber es gelingt dir nicht. Deine Stimmung sinkt, dein Herz wird schwerer und du fragst dich lustlos, was tun.
Wie gehst du mit dieser Situation um? Fühlst du dich wie immer schlecht, weil du Zeit vergeutest, weil du nicht Herr deiner Handlungen bist, weil du sowieso nicht ganz normal bist? Oder versuchst du neue Wege zu gehen?
Sag dir doch, dass es ok ist, wie es gerade ist. Dass du auch NICHTS tun darfst, ohne dass es dir schlecht gehen muss. Schreib doch auf, wie es dir gerade geht. Verarbeite es so und gehe freundlich mit dir um.
Draußen scheint die Sonne und du liegst im abgedunkeltem Zimmer. Na und? Sicher würde es dir gut tun, jetzt einen Spaziergang zu machen, aber deine Unlust ist eben größer. Du könntest Musik höten, lesen, telefonieren, aber genaugenommen willst du das nicht wirklich, sonst würdest du es tun. Dein Geist verlangt das, was du gerade tust. Nämlich deine Gedanken in deinem Blog aufschreiben.
Mag dich deswegen trotzdem. Es wird so nicht tagelang gehen. Schon heute Abend wirst du mit Alexandra und Lothar das DFB Pokalfinale anschauen.
Willst du jetzt in Depression verfallen oder die Gegenwart so akzeptieren, wie sie eben nun mal gerade ist? Wenn du traurig und schwermütig bist, dann hat das auch seinen Sinn, seine Berechtigung.
Deine Bequemlichkeit jetzt ist ein Teil von dir, der angenommen werden will.
Übe dich in diesem Denken. Vielleicht überwindest du deine Selbstanklagen und dein Selbstmitleid.

Sonntag, 21. Mai 2017

Hoffnung statt Verzweiflung.

Muss es eigentlich so sein, dass du immer deinen Schmerzen auf den Grund gehst und sie anderen mitteilst? Suche nicht nur die Schmerzen in dir, sondern nutze eine Lupe, um die in dir versteckte Freude zu finden. Nutze deine Energie nicht viele Worte um dein Leid zu machen, sondern beschäftige dich mit positiven Worte. Sonne, Natur, Freude, Lachen, Humor, Urlaub, Liebe, Hoffnung, Glaube, Zuversicht, Zuneigung, Verständnis, Mitgefühl, Achtsamkeit... Diese Worte programmieren dich auf das Positive hin.

Warum schreibst du fast immer nur Gedichte, wenn es dir schlecht geht? Verstärken diese Gedichte nicht nur deine negative Befindlichkeit? Nimm dir doch mal vor, Gedichte zu schreiben, die Mut machen, die anderen Menschen nutzen könnten und nicht nur deren Interesse an deiner komplizierten Persönlichkeit und Mitgefühl wecken - oder sogar Mitleid.

Also abgemacht!

Hoffnung statt Verzweiflung. Mut statt Aufgeben. Positiv statt negativ. Freude statt Schwermut.

Und ein bisschen Klagen ist ja ok. ;-)

Samstag, 20. Mai 2017

Strebe nicht, sondern sei

"Strebe nicht, sondern sei"
Dieser Spruch von mir beschäftigt mich schon seit Jahren. Ist es wirklich sinnvoll das Sein dem Streben vorzuziehen? Ist es dem Menschen - oder soll ich sagen dem Deutschen - nicht naturgemäß nach etwas zu streben? Wo kommt all unser Wohlstand, aber auch unsere persönliche Entwicklung her, wenn nicht durch das Streben? Ein Leben ohne Streben scheint sinnlos. Sind das Sein und das Streben Lebensformen, die nie isoliert existieren? Kein Sein ohne Streben und kein Streben ohne Sein. Auf jeden Fall verfolgt mich dieser scheinbare Widerspruch schon fast mein ganzes Leben. Eher weil mir der Zugang zum Sein schwer fällt, das Streben nimmt man hierzulande ja mit der Muttermilch auf.

Montag, 1. Mai 2017

Donauschifffahrt 5. Tag (Linz)

Samstag, 22.4.17: Morgens ging es mir wieder sehr schlecht. Wir werden erst um 17 Uhr in Linz ankommen. Für Karin ist das eine sehr schlechte Zeit, da sie um 18 Uhr essen muss. Also wird sie nicht nach Linz gehen und ich vermutlich auch nicht. Morgenfrüh müssen um 7 Uhr die Koffer vor der Tür stehen. Um 9:30 Uhr findet am Sonntag unser Transfer zum Bahnhof statt und um 10:25 Uhr fährt unser Zug.
Heute werden wir den Tag also auf dem Schiff verbringen.

Donauschifffahrt 4. Tag (Bratislava)

Freitag, 21.4.17: Um 11 Uhr liefen wir in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei ein. Es war der erste Tag an dem wir die Sonne sahen. So konnten wir auch etwas länger in der Stadt bummeln. Die Innenstadt ist rausgeputzt für die vielen Touristen. Sehr viele beeindruckende, große alte Häuser. Alles sehr schön hergerichtet. Hat uns sehr gut gefallen.
Dann gingen wir in das Cafe Mayer, was scheinbar ein Geheimtipp ist - na ja, so geheim auch wieder nicht. Aber ein wirklich sehr schön eingerichtetes Café. Wir haben auch nur einen schönen Platz bekommen, weil wir früh dran waren. Gegen 15 Uhr waren alle Plätze besetzt.

Sonst ist an diesem Tag nichts weiteres von Bedeutung passiert. Ich habe den Kriminalist angeschaut und mir den Restabend mit Lesen und Musikhören vertrieben. Schreiben ging nicht. Gegen 1 Uhr bin ich eingeschlafen.