Sonntag, 1. Oktober 2017

Durchhalten lohnt sich

Mit 19 fing es an. Ich erkrankte an einer Psychose, die mein Leben grundlegend verändern sollte. Die erste Psychose war ein wahrer Horrortrip mit Wahnvorstellungen und Ängsten wie aus einem Roman von Stephen King. Inzwischen sind es 17 Aufenthalte in der Psychiatrie - meist in der Geschlossenen - und knapp 25 akute Psychosen inklusive Zwangsmaßnahmen. Gott sei Dank nahm deren Intensität mit den Jahren ab. In den 90ern erlebte ich für 4-5 Jahre eine Zeit, die ich heute meine depressive Hölle nenne. Nichts ging mehr, ich litt fürchterlich und es war schon die Heimeinweisung im Gespräch. Bis 1992 hatte ich es trotz Erkrankung geschafft mein Abitur nachzumachen, eine Ausbildung zum Informatiker abzuschließen und einige Jahre als Softwareentwickler zu arbeiten. 1996 ging dann nichts mehr und ich musste mit 35 Jahren in die Frührente. Erst ab da ging es langsam bergauf. Der Tod meines Vaters, ein neues Medikament und eine neue Partnerschaft waren weitere Gründe dafür, dass es mir besser ging. Aber nachhaltig gerettet hat mich mein intensives Engagement in der Selbsthilfe Psychiatrieerfahrener, das mich bis heute trägt. Doch der entscheidende Schritt zu weitestgehender Genesung war 2010 die Heirat mit meiner Frau Karin. Heute bin ich 56 Jahre alt und führe ein erfülltes Leben, das natürlich auch noch Entwicklungspotential hat. Mein Anliegen ist es, mein Erfahrungswissen zu nutzen, um so psychisch erkrankte Menschen zu unterstützen und das psychiatrische Hilfesystem zu verbessern.